Herzsprung (RA) Das Problem Wolf, der Bauer im zu negativen Licht der Öffentlichkeit und eine an den Landwirten vorbei agierende Politik: Das waren
die Kernpunkte, als der Kreisbauernverband (KBV) Ostprignitz-Ruppin am Donnerstag vier Bundestags-Direktkandidaten auf den Zahn fühlte. „Landwirtschaft und ländlicher Raum“ war die Podiumsdiskussion im Autohof Herzsprung betitelt, an der etwa 70 Besucher teilnahmen. Drei der Politiker
im Forum haben bereits Erfahrung in Deutschlands höchstem Parlament. Kirsten Tackmann (Linke), Dagmar Ziegler (SPD) und Sebastian Steineke (CDU) sitzen längst im Bundestag und wollen am 24. September erneut
gewählt werden. Martin Wandrey (Bündnis 90/Grüne) kämpft erstmals um den Einzug. Moderiert wurde die Runde vom Berliner Landwirtschaftsjournalisten
Dietrich Holler. Burkhard Schultz, Landwirt aus Biesen, trug gleich mehrere
Probleme vor. Das größte davon sei für ihn die Milchkrise. Vor allem im Sommer 2016, als die Bauern pro Liter nur noch 18 Cent bekamen, habe nicht
nur sein Unternehmen unter der enormen Belastung gestöhnt. Er habe den Eindruck, dass in der Politik zwar kurzfristig etwas gegen solche Fehlentwicklungen getan werde. Doch sehr schnell würden alle Konsequenzen wieder vergessen. Am meisten aber störte den Bauern, „dass unsere Probleme mit dem Wolf noch immer nicht ernst genommen werden“.
Schultz weiter: „Wer mal erlebt hat, wie Schafe durch den Wolf zu Tode kamen, der weiß, wovon ich rede. Müssen denn erst Menschen zu Schaden kommen?“ Dass der Wolf nicht bejagt werden darf, sei „völlig unverantwortlich“. Spontan erhielt Schultz aus dem Publikum sehr starken Beifall. Abschließende Antworten aller vier Kandidaten zum Thema Wolf sollte es erst am Ende der Diskussion geben. In viele Bereiche der Landwirtschaft
reicht der lange Arm der Europäischen Union (EU). Ob Fördermittel oder Artenschutz, die Liste ist lang.
Ob Fördermittel oder Artenschutz, die Liste ist lang. Holler wollte von den Politikern wissen, ob die EU-Landwirtschaftspolitik reformiert werden müsse und, wenn ja, wie. Für Sozialdemokratin Ziegler war klar, dass die EU-Zuschüsse für landwirtschaftliche Regionen erhalten werden müssen. Es gehe darum, „so viele Förderungen wie möglich auszureichen“. Kirsten Tackmann
setzt in eine Förderung vor Ort für jene Unternehmen, die sich für die Entwicklung der Region einsetzten. CDU-Mann Steineke fasste sich kurz: „Die bestehende Förderungsstruktur ist beizubehalten.“ Der Grünen-Politiker
Wandrey sah hingegen „großen Reformbedarf“. Nach seiner Ansicht sollte öffentliches Geld in erster Linie für öffentliche Güter ausgegeben werden. Die Landwirte würden gern auf heimische Futtermittel zur Viehzucht zurückgreifen. Doch es gibt, wie im Verlauf der Diskussion klar wurde, viel zu wenig davon. Viel zu oft müsse eiweißhaltiges Futter importiert werden. Wandrey bekannte: „Die Einfuhr von gentechnisch veränderten Eiweiß-
Futtermitteln halte ich für sehr problematisch. Wir sollten dringend über Alternativen nachdenken.“ Die Förderpolitik müsste den Anbau heimischer Eiweißfrüchte vor Ort unterstützen. Steineke konstatierte, dass sich
angesichts der derzeitigen Gesetzeslage in Deutschland kein Einfuhrverbot durchsetzen lasse: „Doch es wäre sehr gut, die heimische Produktion zu stärken“. Ziegler unterstrich: „Das lässt sich nur auf EU-Ebene regeln. Eine Möglichkeit wäre, die Förderprogramme so zu ändern, dass vor Ort mehr Futtermittel erzeugt werden können“. Tackmann ergänzte: „Die EU diskutiert
ja schon darüber. Auch ich bin dafür, dass einheimische Futtermittel wieder
eine größere Rolle spielen.“ Am schlechten Image der Bauern sei nicht zuletzt
die Tatsache schuld, dass die Tierhaltung auch von der Politik immer wieder
zu negativ bewertet werde, behauptete KBV-Geschäftsführer Michael Brinschwitz. So stehe im Grünen-Parteiprogramm, dass es schlecht sei, wenn Menschen viel Fleisch essen. Nur deswegen sei die Massentierhaltung nötig.
Brinschwitz: „Was Sie da schreiben, ist ganz schlimm.“ Starker Beifall.
Kandidat Wandrey ließ das so nicht stehen. Brinschwitz habe aus der Programmvariante in einfacher Sprache für Menschen mit mentalen Einschränkungen zitiert. Darin sei ganz bewusst alles leicht verständlich auszudrücken. Wandrey selbst hat mit der Tierhaltung in Brandenburg nur beim Geflügel ein Problem, zum Beispiel dann, wenn mehrere Hunderttausend Legehennen auf engstem Raum stehen. Zum Abschluss ging es wie angekündigt erneut um den Wolf. Holler richtete seine Frage an alle
vier Kandidaten: „Sollte etwas dafür getan werden, dass Tierhalter nicht mehr durch den Wolf bedroht werden?“ „Eine Bestandsregulierung ist nötig“, so Dagmar Ziegler. „Doch der Wolf steht derzeit nach EU Recht unter Schutz. Wir müssen bei der EU für eine Lockerung sorgen. Experten werden
nachzuweisen haben, dass der Bestand an Wölfen zu hoch ist.“ Martin Wandrey erinnerte daran, dass der Wolf auch jetzt schon geschossen werden dar – „aber nur, wenn er sich wiederholt einer menschlichen Siedlung nähert. Ich glaube aber nicht an eine Explosion des Wolfsbestandes.“ Sicher sei, dass der Wolf uns erhalten bleibt. Es brauche ein unbürokratisches, ausreichendes
und schnelles Entschädigungsregime. Kirsten Tackmann machte klar, dass sie schon seit 2011 um bundeseinheitliche Regelungen zum Wolfsmanagement kämpft. Jeder Schaden sei auszugleichen. Auch die Regulation des Bestandes müsse möglich sein. Ganz kurz machte es Steineke erneut: „Natürlich muss eine Regulierung der Population möglich sein.“