Havelland. Zwei Milliarden Menschen weltweit nutzen Facebook. Im Juni dieses Jahres sind erstmals mehr als 30 Millionen aktive Nutzer in Deutschland gezählt worden. Davon nutzen laut Facebook rund 23 Millionen
den Dienst täglich. Auch andere soziale Medien können mit Nutzerzahlen im Millionenbereich glänzen. Twitter spricht von rund 12 Millionen Nutzern pro Monat, die in Deutschland aktiv sind. Instagram, das mittlerweile zur Facebook-Firma gehört, hat für 2016 rund 9 Millionen aktive Nutzer in Deutschland angegeben. In diesem April waren es 700 Millionen weltweit. Snapchat, ein vor allem bei Jüngeren beliebter Dienst, spricht von rund fünf Millionen täglichen Nutzern in Deutschland. Die Videoplattform Youtube gibt eine Milliarde Nutzer weltweit an, hält sich aber mit Zahlen zu Deutschland zurück. Fakt ist, soziale Medien erreichen viele Menschen, sehr viele Menschen. Am 24. September ist Bundestagswahl, der Wahlkampf ist in vollem Gange. Nutzen die Direktkandidaten in unserer Region das Potenzial, das soziale Medien ihnen bieten? BRAWO hat mal hin geklickt. Landkreis Havelland ist Schnittpunkt von drei Bundestagswahlkreisen. Der Osten des Landkreises gehört gemeinsam mit dem Landkreis Oberhavel zum Wahlkreis 58, im Westhavelland sind es zwei weitere Wahlkreise. Wahlkreis 56 besteht im Havelland aus der Stadt Nauen und den Ämtern Friesack, Nennhausen
und Rhinow. Dazu kommen die Landkreise Ostprignitz-Ruppin und Prignitz. Im Wahlkreis 60 finden sich neben Brandenburg an der Havel und Teilen von Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark die Gemeinde Milower Land sowie die Städte Premnitz und Rathenow. In allen drei Wahlkreisen haben die
etablierten größeren Parteien und wenige kleine Parteien Direktkandidaten
aufgestellt. Alle sind irgendwo im Internet zu finden und sei es nur auf der Internetseite ihrer Partei. Bis auf Till Heyer-Stuffer (Kandidat Bündnis‘ 90/Die Grünen im Wahlkreis 60) haben aber alle entweder noch eine eigene Homepage oder sind auf Facebook mit einem Profil (als Person) oder einer
Seite vertreten. Viele haben beides. Dann kommen bei einigen noch Instagram- und/oder Twitterprofile dazu. Soziale Medien leben von der
Interaktion mit Menschen. Da lohnt ein genauerer Blick. Denn nur wenn jemand ein Profil auch pflegt, mit neuen Inhalten versorgt und mit den anderen Nutzern kommuniziert, bringt es auch etwas. Betrachtet man die Likes oder Freundeslisten als Hinweis auf die Reichweite, machen das die wenigsten richtig gut.
Mit nicht mal 500 Like-Angaben oder Freunden auf Facebook ist die Reichweite doch begrenzt. Die 1.000er Marke knacken aber beispielsweise Uwe Feiler (CDU), Benjamin Grimm (SPD), Harald Petzold (Die Linke) und Petra Budke (Bündnis‘90/Die Grünen) aus dem osthavelländischen Wahlkreis 58 sowie Sebastian Steineke (CDU) und Dagmar Ziegler (SPD) aus dem Wahlkreis 56. Aus dem Wahlkreis 60 tut sich Anke Domscheit-Berg (parteilose
Kandidatin der Linken) hervor. Allerdings ist sie eher aktive Twitternutzerin. Hier hat sie die stolze Zahl von rund 21.800 Followern und bereits mehr als
77.000 Tweets abgesetzt. Dietlind Tiemann (CDU/Wahlkreis 60), bekannt als Oberbürgermeisterin von Brandenburg an der Havel, hat wie Sebastian
Steineke sogar so ziemlich alles, was man an Sozialen Medien haben kann: Facebook, Instagram, Twitter und sogar Youtube. Am erfolgreichsten ist aber ihr Facebook-Account. Youtube scheint eine schwierige Plattform für Politiker zu sein. Erfolgreiche Youtuber können von ihren Kanälen inzwischen gut leben, manche werden gar Millionäre. Doch davon können die hier betrachteten Direktkandidaten nicht entfernter sein. Gefunden wurden Youtubekanäle neben dem von Dietlind Tiemann auch für Sebastian Steineke
und Harald Petzold. Vor allem Steineke stellt regelmäßig Videos online, sei es vom Wahlkampf oder von seiner Bundestagsarbeit. Die Anguckzahlen bewegen sich allerdings meist weit unter 100. Die breite Masse wird so nicht erreicht. Steineke ist übrigens der einzige der Kandidaten aus den drei
Wahlkreisen, der mindestens bis zu den Bundestagswahlen einen What‘sApp-Service anbietet und so noch direkter mit seinen Wählern kommuniziert. Die Kandidaten, die die sozialen Medien aktiv nutzen, interagieren dabei auch mit den Menschen. Kommentare werden zurück kommentiert, Fragen beantwortet. Einige pflegen und hegen ihre Profile und stellen sehr regelmäßig neue Beiträge ein. Ein Beispiel dafür ist Martin Wandrey (Bündnis‘90/Die Grünen, WK 56). Er ist regelmäßig auf seinem Facebookprofil
aktiv, hat aber nur 90 Likes bis jetzt. Sehr aktiv war vor seiner Erkrankung auch Erardo Rautenberg (SPD/WK 60). Die meisten Kandidaten haben wohl erkannt, dass es wichtig ist, mit den potenziellen Wählern zu interagieren und eine Nähe zu schaffen, die allein über Plakatwerbung und durch Wahlkampfveranstaltungen nicht erreicht werden kann. Wie gut sie das umsetzen, ist allerdings unterschiedlich. Übrigens, der gerade bei jungen Menschen unter 20 Jahren sehr beliebte Dienst Snapchat wird von keinem der
hiesigen Kandidaten bedient.