Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
25.08.2017, 10:04 Uhr | MAZ - Ruppiner Tageblatt 25.8.2017 / Andreas Vogel

„Die Windräder werden als Bedrohung empfunden“
Leonhard Schuster fordert einen Mindestabstand von 3000 Metern zu sozialtherapeutischen Einrichtungen wie der in Rohrlack

Rohrlack. Der Mindestabstand von Windrädern zu sozialtherapeutischen
Einrichtungen wie der in Rohrlack soll 3000 Meter betragen. Das fordert Leonhard Schuster von der „Gesellschaft zur Förderung musischer Erziehung und Lebensgestaltung in der sozialen und therapeutischen Arbeit“. Diese betreibt in Rohrlack und Vichel eine Einrichtung für 39 Menschen mit
Behinderungen, die dort leben und arbeiten. Schuster verwies gestern bei
einem Gespräch mit dem Neuruppiner CDU-Bundestagsabgeordneten
Sebastian Steineke darauf, dass es auch eine Sonderregelung für Kur und
Klinikbereiche gibt. Laut dem neuen Regionalplan, dessen zweiter Entwurf gerade für zwei Monate ausgelegen hatte, sollen Windräder demnach maximal in einem Mindestabstand von 1500 Metern zu Kur- und Klinikbereichen gebaut werden dürfen. Das findet Schuster auch völlig in Ordnung – aber er hält das nicht für ausreichend bei sozialtherapeutischen
Einrichtungen, in denen die Menschen jahrelang leben. „Die Windräder werden als Bedrohung empfunden“, sagte Schuster, der seit 17 Jahren für die Hausleitung in Rohrlack verantwortlich ist. Viele Menschen mit Behinderungen
seien besonders sensibel und reagierten auch besonders auf Veränderungen in ihrer Umgebung wie Lautstärke, Lärm, Bewegungen und Blinklichter. Genau diese Gefahr drohe jetzt. Denn laut dem neuen Entwurf des Regionalplanes ist zwischen Wildberg und Ganzer ein 223 Hektar großes Eignungsgebiet für Windräder vorgesehen. Dort sollen 23 Anlagen, die jeweils 240 Meter hoch sind, gebaut werden – wobei der Mindestabstand nach bisherigen
Planungen nur mit 1000 Metern festgeschrieben ist.
Schuster hat sich deshalb bereits an die Regionale Planungsstelle in
Neuruppin sowie an die 32 Regionalräte gewandt, die die Planungen für die sogenannten Windkrafteignungsgebiete in den drei Kreisen Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel absegnen, verändern oder ablehnen. Darüber hinaus sucht Schuster Unterstützung in der Politik. Der CDU-Mann Steineke versprach gestern, ebenfalls zu versuchen, Regionalräte für das Problem zu sensibilisieren. Zudem soll sich auch die CDU-Fraktion im Potsdamer Landtag mit dem Thema größerer Mindestabstand von Windrädern
zu sozialtherapeutischen Einrichtungen beschäftigen. „Am Ende des Tages muss man mit dem Land reden, weil dieses die Genehmigungsbehörde für die Windräder ist“, so Steineke. Ans Land hat sich Schuster bereits gewandt – Anfang August mit einem offenen Brief an Ministerpräsident Dietmar Woidke
(SPD). Eine Antwort gab es dazu allerdings noch nicht. Für Ansgar Kuschel, den Chef der Regionalen Planungsstelle in Neuruppin, sind die Einwände zum
Mindestabstand von Windkraftanlagen zu sozialtherapeutischen Einrichtungen
neu. „So eine Forderung hatten wir bisher nicht.“ Die Argumente von Leonhard Schuster wollen die Planer nun prüfen. Klar sei, dass die Planungskriterien nicht so einfach durch einen Passus Mindestabstand zu sozialtherapeutischen Einrichtungen ergänzt werden können, sagte Kuschel. Vielmehr müsste dann der Entwurf für den neuen Regionalplan Wind noch
einmal neu ausgelegt werden, vermutete der Chefplaner. Wie viele neu Windräder bei einem Mindestabstand von 3000 Metern in dem Gebiet zwischen Wildberg und Ganzer gebaut werden könnten, das ist unklar. Vermutlich wären es dann nicht 23, sondern wohl nur halb so viele.