Kleßen. Nico Heider schüttelt verständnislos den Kopf. Der junge Mann kann mit seinem Handy wieder einmal nicht telefonieren. „So ist es meistens und zwar im ganzen Dorf“, sagt er und fügt verärgert hinzu: „Eine Leistung, die ich bezahle, möchte ich auch nutzen können“. Mobil telefonieren sei besonders
auf dem Land wichtig, um erreichbar zu sein auf der Arbeit oder für die Kita, ergänzt Tatjana Milatz am Donnerstagnachmittag in einer Diskussionsrunde mit dem Bundestagsabgeordneten der CDU, Sebastian Steinecke, und dem wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Dierk Homeyer,
vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Kleßen. Auch der Rhinower Amtsdirektor
Jens Aasmann (SPD), Ortsvorsteher Michael Austen, weitere Einwohner
und der Bürgermeister der Gemeinde Havelaue, Guido Quadfasel (CDU), sind gekommen, um sich Luft zu verschaffen und nach Lösungswegen zu suchen für ein Problem, das den Menschen im Ländchen Rhinow „unter den Nägeln
brennt“, besonders aber den Einwohnern von Kleßen–Görne. Die Ursache sehen Steinecke und Homeyer auf ihren eigenen Smartphones. Sie haben selbst keinen Empfang und machen die Einwohner auf die Möglichkeit aufmerksam, das Problem im Internet an den „Funklochmelder“ zu schicken,
der alle „weißen Flecken“ im Land registriert. Mobil telefonieren ist in Kleßen
ein Glücksfall, zumeist aber nicht möglich. Die Gemeinde liegt zwischen
Rhinow und Friesack in einem Funkloch. Damit die Einwohner und ihre Besucher im Ort und in der Umgebung einen ordentlichen Handyempfang bekommen, muss in Kleßen ein Funkmast aufgestellt werden. Alle drei Mobilfunkanbieter haben bisher eine solche Investition abgelehnt mit der Begründung, sie würde sich für ihr Unternehmen in der dünn besiedelten Region wirtschaftlich nicht rechnen. „Das kann in der heutigen Zeit aber nicht sein“, meint Dierk Homeyer. Mobil telefonieren zu können, gehöre heute zur Daseinsfürsorge wie Wasser und Strom, betont Sebastian Steinecke. Er sieht dafür die Provider und die Landesregierung in der Pflicht. Dem stimmt auch
der Ortsvorsteher zu.
„Wir brauchen zuverlässige Funk- und Internetverbindungen. Sie sind für alle
wichtig, ob Einwohner, Handwerker, Landwirt oder Gast“, erklärt Michael Austen. Er und der Bürgermeister der Gemeinde, Joachim Tessenow, werden nicht müde, immer wieder auf das Problem aufmerksam zu machen. „Wir lassen auch nicht locker“, sagt Amtsdirektor Jens Aasmann. Er und die sechs
Jahres an die Bundestags- und Landtagsabgeordneten aus der Region und die Mobilfunkanbieter geschrieben, mit der Bitte, sich für eine Lösung einzusetzen. Der Amtsdirektor bekam die Möglichkeit, das Problem im Wirtschaftsausschuss des Landtages vorzutragen, auch der Landtag beschäftigte sich damit. Geändert hat sich in Kleßen aber bisher nichts. Der Amtsdirektor und die Bürgermeister haben nun ihren Bundestags- und Landtagsabgeordneten sowie den Mobilfunkanbietern erneut einen Brief geschrieben, um ihrer Bitte und Forderung Nachdruck zu verleihen. Die Bundesnetzagentur habe sogar schon einen Standort für einen Funksendemast registriert, berichtet Aasmann. Errichtet werden könnte der Mast auf dem Hof eines Landwirtschaftsbetriebes im Dorf. Die Agrar GmbH Kleßen sei damit einverstanden, so der Ortsvorsteher. Rund 200 000 Euro wären für den Funkmast aufzubringen, schätzt der Amtsdirektor. Wie schon an anderen Standorten könnten die Provider auch in Kleßen den Funkmast
gemeinsam nutzen. Dafür sollten die Mobilfunkanbieter in Kleßen gemeinsam investieren. Sollte dann immer noch eine Finanzlücke hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit bestehen, müsste das Land mit einer Förderung helfen, meinten Homeyer und Steinecke mit der Zusage, sich weiter für eine Lösung einsetzen zu wollen.