Havelland. (ohl) Kaum zu glauben in diesen digitalen Zeiten: Man schließt einen Handyvertrag mit Internetnutzung ab und hat dann gar kein Netz. So ergeht es offenbar vielen in den ländlichen Räumen Brandenburgs, so auch Nico Heider und Tatjana Milatz aus Kleßen (Amt Rhinow). Beide haben ihr Funklochproblem bereits im ZDF-Ländermagazin geschildert. Der im Juni gedrehte Beitrag ist auf www.zdf.de noch zu sehen. Das Dorf ist mit seinem Quasi-Null-Empfang aber nicht das erste Mal in den Medien gewesen. „In
Kleßen hatte sich Ralf Holzschuher, Landtagsabgeordneter der SPD, im Januar selbst ein Bild von der misslichen Lage gemacht. Ein Termin, bei dem
er sicher sein konnte, nicht durch einen Mobilfunk-Anruf gestört zu werden“, schrieb BRAWO Anfang Mai. Das war in einem Beitrag unmittelbar nachdem, die CDU-Landtagsfraktion ihren „Funklochmelder“ im Internet freigeschaltet
hatte. Jetzt reisten Christdemokraten in dieses Funkloch, allen voran der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Brandenburger Landtag. Auf Dierk Homeyers Initiative hin, wurde der „Funklochmelder“ geschaffen,
um der rot-roten Regierung die tatsächliche Netzabdeckung zu offenbaren, die nach eigenem Bekunden von 97-prozentiger Netzabdeckung im Land ausgeht. Homeyer gastierte am Donnerstag unter anderem mit dem Parteifreund und Bundestagsabgeordneten Sebastian Steineke in Kleßen.
Gemeinsam mit Amtsdirektor Jens Aasmann (SPD) kamen die Politiker mit Einwohnern ins Gespräch. Schnell wurden Alltagsprobleme deutlich, die die Funkloch-Misere schafft. „Egal ob die Erreichbarkeit beim Arbeitgeber oder der Kontakt zur Kita, alle sind nur genervt“, erklärte Tatjana Milatz. Ihr Freund Nico Heider legte nach: „ Ich bezahle 40 Euro für meinen Handytarif und kann im Ort nicht telefonieren, das kann ja wohl nicht sein!“ Auf www.funkloch-brandenburg.de ist Kleßen bereits deutlich markiert. Das dortige ist eines von inzwischen fast 20.000 Funklöchern, die auf der Internetseite von märkischen Betroffenen gemeldet wurden. Homeyer: „Bitte melden Sie alle Funklöcher. Gemeinsam mit Ihnen wollen wir eine Landkarte der Funklöcher erstellen und damit die Regierung zum Handeln zwingen“, so der Initiator. Mobilnetzanbieter und Provider sind in der Sache gefragt. „Sie müssen in die Pflicht genommen
werden, um eine 100-prozentige Netzabdeckung zu gewährleisten. Natürlich muss die Landesregierung dafür die Voraussetzungen schaffen und den Bau von Funkmasten für die Netzanbieter attraktiv machen. Ein Ort ohne Mobilnetzverbindung ist heutzutage unattraktiv“, meinte Sebastian Steineke.
Einen Platz für einen Funkturm in Kleßen gebe es laut Amtsdirektor Aasmann sogar schon. Es fehle nur noch der Anbieter, der den Funkmast errichten will.
Michael Austen vom Kleßener Ortsbeirat pflichtete dem Bundestagsabgeordneten bei, was die Unattraktivität durch nicht vorhandene Netzabdeckung betrifft. Demnach sei die Zahl der Kinder im Dorf entgegen den demografischen Landestrend seit 2012 von 14 auf 34 gestiegen. „Wenn man die jungen Eltern hier im Ort halten will, ist eine gute Mobilfunk- und Internetverbindung ein ganz wichtiger Faktor“, so Austen Fehlende Mobilnetzverbindungen stellen auch eine Gefahr dar, nämlich wenn es zu Unfällen in Funklöchern kommt. Wer alarmiert Rettungskräfte, wenn ein
Auto von der Straße abkommt? Wertvolle Minuten verstreichen, die womöglich zwischen Leben und Tod entscheiden. In und um Kleßen müsste man erst durch die Gegend irren, um eine Verbindung zustande zu bekommen, so wie bei einem Unfall zu Beginn dieses Jahres im nahen
Ohnewitz, woran der Amtsdirektor erinnerte. Da brannte ein Auto. Was tun als Erster am Unfallort? – Aussteigen oder zu einem Festnetzanschluss ins
nächste Dorf rasen?