Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
07.07.2017, 08:33 Uhr | Ruppiner Anzeiger 7.7.2017

Dem Funkloch auf der Spur
Nach Erfolg des Online-Meldesystems besuchen Christdemokraten das Tourismus-Zugpferd Rheinsberg

Warenthin (zig) Ein Termin am Ufer des großen Rheinsberger Sees, Sonnenschein und eine leichte Brise – die Zutaten für einen entspannten Vormittag sind perfekt. Vor dem Gast- und Logierhaus in Warenthin hat sich
eine kleine Gruppe von Menschen eingefunden, die ihre Handys in die Luft hält. Viel bringt das offenbar nicht. Denn die fehlende Abdeckung des Ortes
beim Mobilfunk und beim Internet sind der Grund des Besuches. Die Gäste sind fast ausnahmslos brandenburgische Christdemokraten, die sich nach dem Überraschungserfolg ihres Funkloch-Meldesystems im Netz ein Bild vor Ort von der Lage machen wollen. Dank der CDU konnten Bürger Flecken auf einer Landkarte markieren, an denen die Abdeckung mit Mobilfunk und
Internet wenig bis gar nicht vorhaben ist. „Wir hatten auf der Seite mehr als 20 000 Meldungen“, berichtet der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, Dierk Homeyer, nicht ohne Stolz. Dass die als „Funkloch-
Tour“ getaufte Reise durch Ostprignitz-Ruppin, das Havelland und andere Landkreise nun ausgerechnet in Rheinsberg beginnt, liege an den Aktivitäten
von CDU-Bundestagsmitglied Sebastian Steineke. Und daran, dass Rheinsbergs Bürgermeister und Parteikollege Jan-Pieter Rau seine Probleme auch im Landtag vorgetragen hat. „Die Provider waren erstaunt über die Übernachtungszahlen, die wir hier haben“, so Rau. Zuletzt waren es jährlich eine halbe Million. Die Anbieter ahnten laut Rau nicht, dass deren Kunden
im Bereich Rheinsberg im Wald und über größere Strecken ohne Empfang sind. „Das ist einfach keine gute Werbung“, weiß Hohmeyer. Gerade im Rheinsberger Raum wurden viele Funklöcher gemeldet. Doch es gibt andere
Landstriche, die ähnlich schlecht gestellt sind.
Obwohl die Region um die Prinzenstadt unter anderem für naturnahen Tourismus steht, wird das mobile Internet immer wichtiger. Das sieht auch
Uwe Mischke so, Inhaber des Gast- und Logierhauses. In der Saison sind es allein im kleinen Fleckchen Warenthin, das gerade 17 Einwohner hat, hunderte Gäste auf dem Campingplatz und in Mischkes Haus. Hinzu kommen
sehr viele Rad- und Wasserwanderer. „Sie alle nutzen auch Google Maps oder wollen von unterwegs reservieren können“, sagt Mischke. Und etwa 80 Prozent seiner Gäste beschweren sich über das fehlende Internet. Um abzuhelfen, gibt es zwar im Logierhaus kostenloses W-Lan. Doch auch das reicht nicht überall hin und ist bestenfalls eine Übergangslösung. „Es sind ja
nicht nur die Jüngeren, die ihre Handys nutzen. Das zieht sich quer durch alle Generationen“, räumt Mischke die gängigen Vorurteile aus. Neben Buchungen und für die Orientierung sieht er auch den Sicherheitsaspekt bei einer fehlenden Abdeckung. Als Jäger ist Mischke nämlich viel unterwegs und kennt eine Unmenge an Plätzen, an denen es gar keinen Empfang gibt. „Wenn älteren Besuchern dort mal etwas passiert, gibt es im schlimmsten Fall nur sehr kurze Zeitfenster, in denen geholfen werden kann“, sorgt sich Rheinsbergs Wirtschaftsreferent Thomas Lilienthal. „Anfangs wollte die Landesregierung nicht wahrhaben, dass es große Probleme gibt. Jetzt haben
wir die fehlende Abdeckung nachgewiesen. Nun bewegt sich auch langsam etwas“, frohlockt Landtagsmitglied Hohmeyer. Einige Vorschläge für schnelle
Abhilfe hat der wirtschaftspolitische Sprecher auf Nachfrage auch sofort parat – etwa, dass öffentlich genutzte Masten auch für Provider freigegeben werden. „Das Planungsrecht muss vereinfacht werden und es sollte möglich
sein, dass alle Provider an einen Turm gehen“, sagt er. Gerade Letzteres würde dafür sorgen dass mit bereits bestehenden Funktürmen die Abdeckung
für alle Netze verbessert wird. Die Absprachen dafür müssten aber zwischen den Anbietern getroffen werden –möglicherweise unterstützt von der Politik. Für Mischke jedenfalls kann eine Lösung nicht schnell genug kommen. Dass noch vor den Wahlen etwas geschieht, glaubt er aber nicht.