Warenthin. Von einer CDU-Initiative gegen Funklöcher in der Mark hatte Uwe Mischke noch nichts gehört – bis gestern. Da standen plötzlich kurz vor 11 Uhr nicht nur der Rheinsberger Bürgermeister Jan-Pieter Rau und Thomas Lilienthal, der Referent für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung, am Gastund Logierhaus „Am Rheinsberger See“, das Mischke mit seiner Frau,
dem Sohn Mike und dessen Frau Linda in Warenthin betreibt. Vielmehr
wollten sich ebenfalls der Neuruppiner CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke und der CDU-Landtagsabgeordnete Dierk Homeyer vom schlechten Handynetz im Rheinsberger Ortsteil überzeugen. Funkloch-Praxistest nennen das die Christdemokraten. Es ist die zweite Stufe, nachdem
die CDU-Landtagsfraktion Anfang Mai einen sogenannten Funkloch-Melder für Brandenburg ins Internet gestellt hat. Bis gestern waren 17 900 Meldungen über Funklöcher in der Mark eingegangen. Für Homeyer ist dieser Zustand ein Unding. „Brandenburg hinkt bei der Versorgung mit einem stabilen Handynetz hinterher.“ Auch Steineke hat dafür kein Verständnis, erst recht nicht, weil auch die Rheinsberger Region von dem schlechten Handyempfang betroffen
ist. Dabei hat Rheinsberg mehr als 500 000 Übernachtungen im Jahr und ist damit nach Potsdam die Tourismushochburg in Brandenburg. „Rheinsberg konkurriert mit der Ostsee, Bayern und Sachsen“, so Steineke. Der vielerorts schlechte Handyempfang an den malerischen Seen und in den Wäldern rings um das Prinzenstädtchen erweise sich dabei zunehmend als Standortnachteil.
„Die Gäste haben andere Erwartungen als noch vor 15 Jahren“, betonte Steineke.
Das kann Uwe Mischke nur bestätigen. Rund 80 Prozent seiner Gäste haben sich bereits über den schlechten Handyempfang beschwert, sagte der einstige Berliner, der mit seiner Familie kurz nach der Wende das einstige Betriebsferienheim des VEB Kühlautomat Berlin-Johannisthal übernommen hat. Die Gäste von Mischke sowie die auf den zwei benachbarten Campingplätzen und in den mehr als 40 Ferienbungalows schätzen zwar
durchaus die idyllische Lage am See und die Ruhe in Warenthin – aber die meisten wollten dennoch während ihres Kurz- oder längeren Aufenthalts am Rheinsberger See nicht auf ihr Handy verzichten. Die einen wollen von ihrem Paddel- oder Radausflug schnell noch Plätze für das Abendbrot in einem Restaurant vorbestellen, andere wollen einfach wissen, wohin der Seitenweg führt und ob dieser vielleicht zum nächsten Ausflugsziel führen könnte. Bisher
ist es Glückssache, ob das Handynetz rings um Rheinsberg stark und stabil genug ist, die gewünschte Verbindung herzustellen. „Im Winter klappt das eher, weil dann die Bäume keine Blätter mehr haben“, so Mischke. Die Brandenburger CDU will, dass die Funklöcher im Land möglichst schnell verschwinden. „Im türkischen Taurusgebirge hat man sogar auf 2000 Metern Höhe noch sehr guten Empfang“, sagte Homeyer. Grund: Weil die türkische
Regierung nicht wolle, dass die Jugend aus den ländlichen Regionen in die Städte abwandert, habe sie den Bau von Funkmasten unterstützt. Ähnliche strukturpolitische Aktivitäten müsste auch Brandenburg ergreifen, so der Landtagsabgeordnete. Homeyer verwies auf Bayern. Dort sei es möglich, dass an einen Telekommunikationsmasten auch die technischen Anlagen der
anderen Anbieter angebracht werden dürfen. Das spare Zeit. „Dann muss nicht jeder Anbieter für seinen Masten erst ein Genehmigungsverfahren
durchlaufen.“ Die CDU-Politiker wollten gestern noch nach Rhinow ins Havelland. Dort soll man per Handy nicht mal einen Notruf absetzen können.