Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
05.07.2017, 10:20 Uhr | MAZ - Prignitz 5.7.2017 / Marcus J. Pfeiffer

Mit Politikern im Gespräch
Fraktion „Bürger für Stadt und Land/Die Linke“ aus Putlitz bringt Wahlkreiskandidaten an einen Tisch

Putlitz. Vier Wahlkreiskandidaten für die diesjährige Bundestagswahl stellten sich Montagabend den Fragen der Bürger bei einer Podiumsdiskussion in der Gaststätte „Pulitzer Hof“. Von alternativen Energien und der Verwaltungsstrukturreform über die Kluft zwischen Arm und Reich bis hin zur Maut und der Schulbildung wurden zahlreiche Themen angesprochen und thematisiert mit den Vorstellungen, Wünschen, Meinungen und Aktionen der einzelnen Kandidaten. Dazu eingeladen hat die Fraktion „Bürger für Stadt und Land/Die Linke“ der Stadtverordnetenversammlung Putlitz. Mit vor Ort waren Kirsten Tackmann (Die Linke), Andreas Hoffmann (FDP), Martin Wandrey
(Bündnis 90/Die Grünen) und Sebastian Steineke (CDU), die sich der
Diskussion stellten. Dagmar Ziegler (SPD) wurde eingeladen, doch aus
Urlaubsgründen war eine Teilnehme nicht möglich, informierte der
Veranstalter. Bei der AfD sei für die Runde kein Wahlkreiskandidat gefunden
worden, hieß es weiter. Gleich zu Beginn gab es kritische Punkte vom ehemaligen Amtsdirektor Gerd Ehrke, der die Diskussionsrunde moderierte. Er monierte die mangelnde Anwesenheit der Abgeordneten im Bundes- und
Landtag im Vergleich zur kommunalen Ebene. „Viele Veranstaltungen finden zur gleichen Zeit über einen längeren Zeitraum statt“, stellt Sebastian Steineke klar. So seien die Abgeordneten anwesend, die für den jeweiligen Bereich zuständig sind. „Ich versuche immer, im Plenum mit dabei zu sein, finde es aber auch richtig, dass es Wahlkreiswochen gibt, wo man mit Vereinen,
Verbänden und Einwohnern ins Gespräch kommen kann“, sagte Kirsten Tackmann. Zudem äußerte sie den Wunsch nach mehr Disziplin. „Es gibt eine Anwesenheitspflicht. Bei Fehlen sind auch Strafen möglich“, so Sebastian Steineke weiter. Es wäre schon gut, wenn die Abgeordneten nicht erst auf Phoenix erführen, was beschlossen worden sei, sagte Martin Wandrey. Zum Thema Verwaltungsstrukturreform waren sich alle Kandidaten einig: Sinnlos, ohne Nutzen, chaotisch und demokratiefeindlich waren Begriffe der Kandidaten für die Reform. Etwas anders sah es zu den alternativen Energien aus. Seitens
des Bundestages wurde mit Gesetzen und Verordnungen schon alles
Mögliche für einen positiven Nutzen gemacht, ist sich Sebastian Steineke sicher. Eine Energiewende mit stärkerer sozialer Berücksichtigung wünscht sich Kirsten Tackmann. „Ich bin für erneuerbare Energien, aber nicht auf Kosten betroffener Regionen.“ Andreas Hoffmann findet den Gedanken durchaus
wichtig, man solle eine bundeseinheitliche Regelung finden.
„Kommunen und Gemeinden sollten mehr von den Anlagen profitieren“, ergänzt Martin Wandrey. Diskutiert wurde auch über die Nutzung von Biogasanlagen, wo Getreide- und Pflanzenanbau gezielt für die Verwendung in solchen Anlagen stattfand. „Dort gab es eine sichtbare Fehlentwicklung und
kein rechtzeitiges Gegensteuern“, so Martin Wandrey weiter. Der soziale Status der Bevölkerung in der Bundesrepublik nimmt eine beunruhigende Entwicklung, sagte Kirsten Tackmann. „Die gesetzliche Rentenversicherung sollte gestärkt und die Beitragsbemessungsgrenze fallen gelassen werden“,
hieß es von ihr weiter. Wie Martin Wandrey spricht sich Kisten Tackmann für eine Bürgerversicherung aus, in der alle Bürger zu gleichen Rechten und Bedingungen kranken- und pflegeversichert sind. „Eine ABC-Lösung gibt es nicht. Verflechtungen müssen gelockert und einfacher gemacht werden“, sagte Andreas Hoffmann. „Wir müssen uns gemeinsam hinsetzen und ganz offen diskutieren und nicht an einzelnen Stellen herumschrauben“, ergänzt Steineke.
Ein weiteres heiß diskutiertes Thema war die Schulbildung. „Nicht jeder muss Abitur machen, wir brauchen auch Anerkennung für handwerkliche Berufe“, so Andreas Hoffmann. Stundenausfall, Bustransfer und starke Unterschiede
zwischen den einzelnen Ländern prägen die deutsche Bildungslandschaft. „Die Bildungssysteme müssen aus den Ländern heraus verbessert werden“, so Martin Wandrey. Eine kostenfreie Schülerbeförderung, attraktive Ausbildungswege und die Gleichstellung von Auszubildenden mit Studenten waren für ihn weitere Kernaufgaben. „Wir müssen schauen, wo es besser und
schlechter ist, und uns nicht nur auf die Modelle verlassen“, ergänzt Sebastian
Steineke. „Es geht um Qualität“, so Kirsten Tackmann abschließend. Zur beschlossenen Pkw-Maut gab es klare Meinungen. „Ich bin gegen die Privatisierung von Straßen“, sagte Martin Wandrey, „ob das neue Modell besser ist, ist fraglich. Ich finde die Maut kontraproduktiv und bin überzeugt, dass sie Menschen davon abhält, vor allem aus dem Ausland zu uns zu kommen und auf deutschen Autobahnen zu fahren.“ Eine Straße mit Bezahlung zur Nutzung bedeutet keine Gleichstellung, betont Kirsten Tackmann. „Öffentliche Daseinsvorsorge gehört in öffentliche Hand und nicht in
die private“, so Tackmann weiter. Fragen seitens der Fraktion „Bürger für Stadt und Land/Die Linke“ und der interessierten Bürger zu unterschiedlichen Themenkreisen prägten den Abend. Viele Diskussionen und unterschiedliche Meinungsäußerungen lieferten ein Bild von den anwesenden Wahlkreiskandidaten. Am 24. September werden sie zur Bundestagswahl als Direktkandidaten für den Wahlkreis 56, Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Havelland I, antreten.