Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
28.06.2017, 16:51 Uhr | MAZ - Dosse-Kurier 28.6.2017 / Christian Bark

„Die Akzeptanz für Windkraft ist im Keller“
Politiker, Anwohner und Interessensvertreter diskutierten beim Antenne-Brandenburg-Stammtisch in Wittstock über die Energiewende

Wittstock. Weil die Vor- und Nachteile der Energiewende insbesondere im Nordwesten Brandenburgs immer wieder Thema heftiger Debatten sind, hat der Stammtisch des Radiosenders Antenne Brandenburg in diesem Monat in Wittstock stattgefunden. Unter dem Motto „Geht der Windkraft im Nordwesten Brandenburgs die Puste aus?“ diskutierten am Montagabend Vertreter von Interessensverbänden, Politik und Anwohner in der Aula des Gymnasiums
über die Auswirkungen der Energiewende auf die Planungsregion Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel. Antenne-Moderator Alexander Dieck hatte dazu Klaus Freytag vom Landeswirtschaftsministerium, den Leiter der
Regionalen Planungsstelle Prignitz-Oberhavel, Ansgar Kuschel, Jan-Hinrich Glahr vom Bundesverband Windenergie sowie Charis Riemer vom Aktionsbündnis „Gegenwind PR-OPR-OHV“ zum Gespräch geladen. Aber auch Gäste aus dem Publikum, wie Heiligengrabes Bürgermeister Holger Kippenhahn, kamen zu Wort. Dieser monierte in diesem Zusammenhang, dass die Kommunen viel Geld in die Hand nehmen müssten, damit zunächst aktuelle
Gutachten möglicher Bebauungsflächen über schützenswerte Tierarten erstellt würden.
Dass zunächst einmal die Gesundheit des Menschen im Mittelpunkt stehen müsse, forderte Charis Riemer. Sie verwies darauf, dass die Auswirkungen des Infraschalls auf den menschlichen Körper noch nicht erforscht seien. Wenig Gefahr maß Jan-Hinrich Glahr dem Infraschall zu, der ohnehin um die Menschen herum existieren würde. Dass das Thema Sprengstoff birgt, zeigten auch die zahlreichen Wortmeldungen aus dem Publikum. So bekräftigte Jürgen Kontak aus Zootzen seine Sorge um gesundheitliche, aber auch finanzielle Auswirkungen eines geplanten Windparks in seiner Nähe. „Das mindert den Wert meines Grundstücks“, sagte er. Mehr davon haben hingegen die Grundstücksbesitzer, auf deren Boden die Anlagen gebaut werden, informierte der Neuruppiner Windparkplaner Christian Wenger-Rosenau. Während einige von der Energiewende profitieren, zahlen die Verbraucher in der Region die höchsten Netzentgelte Europas – was den Unmut in der Bevölkerung wachsen lässt. „Die Akzeptanz für Windkraft ist im Keller", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke. Das sei aber nicht nur die Schuld anderer Bundesländer, die sich gegen eine bundesweit gerechte Verteilung der
unter anderem bei Überproduktion und Abschaltung der Anlagen entstehenden Kosten wehrten, sondern auch des Ex-Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel (SPD). Zusagen an die ostdeutschen Ministerpräsidenten seien nicht eingehalten worden. Steineke kritisierte zudem das Festhalten an der Ausweisung von zwei Prozent der Landesfläche als Windeignungsgebiet. Man solle sich mehr an Leistungsfähigkeit von Anlagen und weniger auf Flächen orientieren. Dem widersprach Klaus Freytag. Hinter der Flächenzahl stünden Leistungsberechnungen. Die zwei Prozent seien kein Dogma. Zu den Zuhörern am Montag gehörte auch Peter Krause aus Fretzdorf. Eine Lösung für das Problem der hohen Netzentgelte habe er aus der Diskussion zwar nicht mitnehmen können, dafür sei ihm, auch mit Blick auf die Schilderung von Charis Riemer, umso mehr deutlich geworden, dass sich jeder Bürger aktiv in
das Thema einbringen kann und sollte. Das war auch die Quintessenz im Schlussplädoyer aller Podiumsgäste.