Sebastian Steineke. Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
17.03.2017, 08:06 Uhr | MAZ - Ruppiner Tageblatt 17.3.2017 / Andreas Vogel
Einig in der Kritik Die drei Bundestagsabgeordneten der Region sehen viele Mängel im Entwurf für die geplante Kreisgebietsreform
Neuruppin. Deutliche Kritik am Entwurf des Landes für die Kreisgebietsreform haben am Mittwochabend die drei Bundestagsabgeordneten der Region beim Kaminbargespräch der Wirtschaftsjunioren in Neuruppin geübt – allerdings monierten die Politiker verschiedene Punkte. So bezeichnete es Kirsten Tackmann (Linke) aus Tornow bei Kyritz als „bedauerlich“, dass die Regionen bei der Frage zum künftigen Sitz der Kreisverwaltung gegeneinander ausgespielt werden. Dabei sei ein gemeinsames Konzept der Region gefragt. Zudem vermisst Kirsten Tackmann eine klare Aussage dazu, dass in einem größeren Landkreis der öffentliche Bus- und Schienenverkehr gestärkt werden müssten. „Wir brauchen in einer alternden Gesellschaft mehr öffentliche Verkehrsangebote“, betonte die Politikerin. Dagmar Ziegler (SPD) aus Wittenberge schlug in eine ähnliche Kerbe, als sie davor warnte, dass bei
der Reform „keine Ecke des künftigen Großkreises beschädigt“ werden dürfe. Die Politik müsse „sehr behutsam umgehen“, wenn die Kreisstadt künftig für einige Menschen bis zu 150 Kilometer entfernt Kosein könnte. Das gilt unabhängig davon, ob der Landtag nun Neuruppin oder Perleberg zur Kreisstadt des geplanten Großkreises Prignitz-Ruppin küren wird. Zur Kreisstadt-Frage selbst äußerten sich weder Tackmann noch Ziegler. Das ist wenig verwunderlich. Ihr Wahlkreis umfasst sowohl die Prignitz als auch
Ostprignitz-Ruppin – und darüber hinaus mit den Ämtern Friesack, Rhinow und Nennhausen sowie der Stadt Nauen auch noch Teile des Havellandes. Ein Bekenntnis für die eine Stadt würde potenzielle Wähler aus der anderen verprellen.
Vor diesem Problem steht der Neuruppiner Sebastian Steineke (CDU) nicht: Der Rechtsanwalt lehnt wie seine Partei die Reform ab und bezeichnete sie als „groben Unfug“. Steineke zeigte sich überzeugt davon, dass das von SPD und Linken vorangetriebene Projekt angesichts der Proteste abgeblasen wird – und sowohl Neuruppin als auch Perleberg Kreisstadt bleiben werden.
Zudem registrierte Steineke, dass sich Tackmann für mehr Kooperationen von Kommunen aussprach. Das hatte die oppositionelle CDU vor Monaten als eine mögliche Alternative zu der vom Land geplanten Reform vorgeschlagen. Die Christdemokraten waren mit ihrem Vorstoß aber gescheitert. Einig waren sich die Abgeordneten darüber, dass mehr Geld in die Infrastruktur von Prignitz und Ostprignitz-Ruppin fließen müsse. „Infrastruktur ist die Grundvoraussetzung für jegliche Entwicklung“, sagte die SPD-Frau Dagmar Ziegler. Als die größten Projekte wurden der Ausbau der Autobahnen A 10 und A 24, der Neubau der A 14, die Schiffbarkeit der Elbe sowie die direkte Anbindung des Prignitz-Expresses RE 6 ins Berliner Stadtzentrum bezeichnet. „Alle sind für eine direkte Zuganbindung in die Hauptstadt“, stellte der Wirtschaftsjunior Ivo Haase fest. Er moderierte die Runde im Resort Mark Brandenburg. Deshalb wäre es gut, wenn endlich mal ein Datum genannt werden würde, ab wann die Züge ohne Umweg direkt
ins Berliner Stadtzentrum rollen. Beifall von den mehr als 50 Gästen der Talkrunde erhielt Gudrun Hecht. Die Leiterin der Neuruppiner Karl-Liebknecht-Schule berichtete von den Schwierigkeiten bei der Integration von Flüchtlingskindern, das sind knapp 70 der 460 Mädchen und Jungen an der Schule. Einige Kinder saugten das Wissen wie ein Schwamm auf, anderen falle das unheimlich schwer, weil sie kaum ein Wort Deutsch beherrschten, so Hecht. Hinzu kommen ganz andere Probleme. So seien
mehrere Mädchen in der Schule einfach zusammengesackt. Der Notarzt hat jedoch keine Leiden feststellen können. Die Schulleiterin vermutet, dass bei den Mädchen Traumata aufbrechen, die durch Geschehnisse in ihrer Heimat oder bei der Flucht entstanden sind.
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