Falkenhagen. Schwer vorstellbar, dass aus den riesigen Eichenstämmen oder den harten Tropenhölzern auf dem Außengelände des Furnierwerkes
Prignitz in Falkenhagen später papierdünne Blätter geschnitten werden: Die beiden CDU Abgeordneten Sebastian Steineke und Jan Redmann bekamen bei ihrem gestrigen Besuch einen Einblick in die Produktionsabläufe. Geschäftsführer Günther Beyer gab gern Auskunft. Obwohl das im Jahr 2000 eröffnete Werk im Gewerbegebiet Prignitz nach Beyers Aussage das größte in Deutschland ist, kämpft das Unternehmen noch immer mit den Nachwehen
der Krise von 2009. „Das hat uns sehr getroffen“, sagt der Geschäftsführer
im Gespräch mit den Besuchern, zu denen auch Evelin Lippstreu von der Wirtschaftsfördergesellschaft Prignitz, Andreas Ditten von der Landkreisverwaltung und Pritzwalks Vizebürgermeister Ronald Thiel gehörten. Große Abnehmerländer wie Portugal, Spanien, Italien oder Ägypten lagen am Boden. „Davon haben wir uns bis heute nicht richtig erholt“, erzählt Beyer. Hinzu kommt, dass inzwischen China als Großproduzent überall in der Welt als Konkurrent auftrete – ob beim Kauf der Hölzer oder beim Angebot der fertigen Ware. „Von einst 20 Werken in
Deutschland gibt es noch fünf.“ Inzwischen sei in der Furnierbranche viel in die osteuropäischen Länder verlagert worden. Ein Grund: „Von unseren Produktionskosten sind 50 Prozent Personalkosten.“ Obwohl die Späne im Bio-Heizkessel der eigenen Wärmegewinnung zugeführt werden, ist auch
der Anteil der Energiekosten erheblich – nicht zuletzt, weil Unternehmen in Brandenburg die hohe Umlage für Erneuerbare Energien zahlen müssten. Dafür habe das Furnierwerk allein seit 2011 900 000 Euro bezahlt.
Dennoch blickt Beyer zuversichtlich nach vorn. Den Vorteil der Prignitzer
Furnierwerker sieht er im Know-how. „In Ländern wie Rumänien, der Ukraine oder im Baltikum können sie meist nur die Hölzer schneiden, die dort wachsen.“ Im Furnierwerk dagegen werden in hoher Qualität neben Eiche, Buche oder Esche auch Nussbaum, Teak oder Mahagoni geschnitten. Die rasierklingenscharfen Messer schälen hauchdünne Blätter ebenso wie bis
Stämmen. Das Unternehmen produziert für die Möbelbranche und für Parketthersteller. Heute ist bei den Kunden der Naturlook gefragt – Risse und Astlöcher sind ausdrücklich erwünscht. „Das wäre früher im Brennholz gelandet“, sagt der Chef. Probleme, passende Mitarbeiter zu finden, habe das Unternehmen nicht: „Allerdings suchen wir auch keine hoch spezialisierten Fachkräfte.“ Gut 50 Prozent der 100 Beschäftigten seien Frauen. Der hohe Personalanteil rühre daher, dass sich in der Furnierproduktion kaum etwas automatisieren lasse. „Darüber wird schon seit 60 Jahren nachgedacht“, meint Günther Beyer, der seine Ausbildung einst im größten Furnierwerk der Welt absolviert hat, wie er erzählte. Auszubildende hätte er gern, „aber da haben wir in den vergangenen drei Jahren keine passenden bekommen.“ An den Themen mögliche Befreiung
von der EEG-Umlage und Netzausbau für Windenergie will Steineke „dranbleiben“, versprach er. Er und Redmann hatten zuvor die Firma Glatfelter in Falkenhagen besucht und fuhren dann zur Bildungsgesellschaft
Pritzwalk weiter.