Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
24.02.2017, 07:54 Uhr | MAZ - Der Havelländer 24.2.2017 / Andreas Kaatz

Sanitärtrakt im Turm
Das Besucherzentrum in der Pessiner Dorf-Kirche soll bis zum April fertiggestellt sein – Winterkirche wurde seit Herbst vorigen Jahres energetisch saniert

Pessin. Einundzwanzigstes Jahrhundert trifft dreizehntes Jahrhundert. Im Turm der Pessiner Kirche entsteht momentan ein Besucherzentrum und in dem Zuge ein eigenständiger Bau mit Teeküche, Behinderten-WC und normalem WC. „Das ist, als wenn man heute ein neues Gebäude errichtet, praktisch ein Haus im Haus“, sagt Fördervereinsvorsitzender Andreas Flender. Der Neubau verfügt sogar über ein eigenes Dach. Mit Fertigstellung des Besucherzentrums soll es auch richtig mit den Veranstaltungen losgehen. Flender geht davon aus, dass es ab Ende März oder im April in Betrieb genommen werden kann. Vorher allerdings muss noch der Abwasserbehälter im Boden versenkt werden, rund 2,50 Meter tief. Bei den
Schachtarbeiten werden die Archäologen den Bauleuten ganz genau auf die Baggerschaufel schauen. „Wir hoffen, dass sie nicht zu viel finden“, meint Andreas Flender, denn das würde zu weiteren Verzögerungen führen. Probeschachtungen im Vorfeld haben aber schon gezeigt, dass auf dem
damaligen Friedhof bis zu drei Verstorbene übereinander beerdigt worden sind. Zum Besucherzentrum sollen künftig ein kleines Museum unterhalb der Glockenstube, ein Café und Aussichtsmöglichkeiten im oberen Teil des Turmes gehören. Ein Angebot, dass sich insbesondere auch an Radfahrer richtet, die auf dem Havellandradweg die Gegend erkunden und dort eine Pause einlegen können.
Das ganze Projekt kostet rund 110 000 Euro. Damit werden seit der Wende eine knappe Million Euro in die Erhaltung des Gotteshauses gesteckt worden sein. Eine Summe, die auch Sebastian Steineke bei seinem Besuch in Pessin am Donnerstag staunen ließ. „Das beeindruckt mich schon sehr und sprengt alle Dimensionen“, lobte der CDU-Bundestagsabgeordnete die Initiatoren vom Förderverein für ihr Engagement. Dies passiere nur, wenn sich drei, vier positiv Verrückte den Hut aufsetzen und die Sache anpacken.
Steineke wollte sich ein Bild von den umfangreichen Sanierungsarbeiten
machen. Selber hat er der Kirche unlängst eine Förderung von 54 000 Euro für den Kauf und die Sanierung einer alten Orgel vermittelt. Zwar ist der Bescheid noch nicht da, doch die Pessiner hatten laut Flender zumindest schon die Erlaubnis, das in Thüringen nicht mehr benötigte Instrument zu erwerben und das Gehäuse im Märkischen wieder aufzubauen. Die 400 Orgelpfeifen liegen derzeit aber noch bei einem Orgelbauer. Sobald das restliche Geld zusammen ist, soll die Restaurierung der Pfeifen und des Gehäuses beginnen. Dass dies gelingt, da sind sich die Pessiner sicher. Alle ihre Vorhaben konnten bisher zu einem glücklichen Ende gebracht werden, so wie vor Kurzem die energetische Sanierung der Winterkirche. Am vergangenen Sonntag fand dort der erste Gottesdienst auf neuen Dielen statt. Seit Oktober wurde aber nicht nur der Fußboden erneuert und wärmegedämmt, sondern auch der Deckenbereich abgedichtet. Hinzu kommt, dass der Raum jetzt über eine Gastherme geheizt wird, dafür erhielt die Kirche extra einen Gasanschluss. „Wir sind ziemlich nah an einem Niedrigenergiehaus“, sagt Andreas Flender über die vielfältigen Maßnahmen. Jetzt müsse der Raum nicht schon drei Tage vorher (elektrisch) geheizt werden, wenn dort mal eine Veranstaltung geplant ist. Nachdem der Altar vor zwei Jahren restauriert worden ist, folgte bis zum Herbst vergangenen Jahres die Ostempore. Dabei wurden die Buchstaben der dort aufgebrachten Bibelsprüche wieder sichtbar gemacht und die Rahmen vergoldet.