Milchpreis ärgert erfolgreiche Direktvermarkter aus Gülpe Der Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke (CDU) zu Besuch bei der örtlichen Agrargenossenschaft: Politiker hält ein Plädoyer für kurze Wege
Gülpe. Dauerregen sorgte für ungemütliches Wetter. Sebastian Steineke
(CDU), Bundestagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Prignitz/Ostprignitz-
Ruppin/Havelland, hatte deshalb am Donnerstag auch Stiefel im Kofferraum seines Autos. Auf dem Programm stand ein Besuch bei der Agrargenossenschaft (AG) Gülpe. Benutzen musste er die Stiefel nicht. Steineke kam noch in Halbschuhen über den Wirtschaftshof in Wolsier, wo ihm der Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft, Enrico Voigt, eine Stallanlage für Rinder zeigte. Auch Schweineställe und ein Melkhaus sind auf dem Wirtschaftshof mit benachbartem Schlachthaus und einem Laden für
die Direktvermarktung von Fleisch und Wurst aus eigener genossenschaftlicher Produktion. In Rhinow und Rathenow hat die
Agrargenossenschaft zwei weitere Läden. 230 000 Euro investierte die AG 2016 in Neugestaltung und den Ausbau des Rathenower Landes zu einer gemeinsamen Verkaufseinheit mit der Bäckerei Möhring. 20 Schweine und zwei Rinder vermarktet die AG wöchentlich in den drei Läden. 35 Prozent beträgt der Anteil der Direktvermarktung am Gesamtumsatz der Agrargenossenschaft. „Wir konnten den Anteil jährlich steigern und die Tendenz ist weiter positiv“, erklärte Enrico Voigt dem Bundestagsabgeordneten, der bei seinem Besuch vom Havelauer
Bürgermeister Guido Quadfasel (CDU) begleitet wurde. Steineke sieht in der Direktvermarktung eine zukunftsorientierte Entwicklung für die Landwirtschaft. „Die Politik sollte diese Entwicklung weiter unterstützen und fördern“, meint Steineke.
Die stabile Entwicklung der Direktvermarktung schafft den Gülper
Landwirten aber keinen Ausgleich zu den Verlusten in der Milchproduktion. 2016 steht die Milch mit einem Minus von rund 300 000 Euro in den Wirtschaftsbüchern der Agrargenossenschaft oder wie Enrico Voigt sagte, ein Verlust von etwa 1000 Euro je Kuh, verursacht durch einen niedrigen
Milchpreis, der 2016 zeitweilig unter 20 Cent je Liter gesunken war. 280 Milchkühe hat die AG Gülpe im Stall. Rund 6500 Liter Milch geben die Kühe täglich. Derzeit bekommt die AG 32 Cent je Liter Milch und damit einen Preis mit Tendenz zur Kostendeckung. Enrico Voigt ist jedoch skeptisch. Der Milchpreis könnte wieder sinken, befürchtet er. Die Landwirte benötigen aber einen stabilen Milchpreis, der eigentlich noch weiter ansteigen müsste. Nur
so sei ein Ausgleich der Verluste aus den letzten Monaten zu erreichen und man könne sich einer halbwegs sicheren Zukunftsplanung zuwenden. Die AG Gülpe wird weiter Milch produzieren. „Uns bleibt keine andere Möglichkeit,“, sagt Voigt, weil die AG in ein neues Melkhaus und Ställe investiert hat und auf zumeist kargen Feldern wirtschaftet, die keine hohen Erträge zulassen. 1600 Hektar bewirtschaftet der Betrieb insgesamt und damit Felder und Wiesen in Naturschutzgebieten. Naturschutz bedeutet für die Landwirte, dass sie eingeschränkt wirtschaften unter vertraglich geregelten Auflagen. Allerdings sind auch Ausgleichszahlungen vertraglich zugesichert. Trotzdem – es könnte für die Bauern viel mehr in Butter sein – wenn da die Milch nicht wäre.
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