Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
24.02.2017, 07:40 Uhr | PreussenSpiegel Online 24.2.2017

Milch aus der Region
Agrargenossenschaft vermarktet tierische Produkte regional

Hemme hat es mit seiner Milch aus der Uckermark geschafft. Warum gibt es keine Gülper Milch im Supermarktregal oder in der Region zu kaufen, fragt sich Bundestagsabgeordneter Sebastian Steineke anlässlich seines Besuches bei der Agrargenossenschaft Gülpe. Enrico Voigt, Geschäftsführer der Genossenschaft denkt ebenso in diese Richtung. Doch 300.000 Euro Minus aus dem vergangenen Geschäftsjahr drücken. Zudem weiß Voigt, dass eine Direktvermarktung einen langen Atem benötigt. Seit mehr als 25 Jahren vertreibt die Agrargenossenschaft ihr Fleisch- und Wurstwaren.

280 Kühe stehen im Stahl der Agrargenossenschaft Gülpe. Der großen Anteil an dem Defizit, dass im vergangenen Jahr erwirtschaftet wurde, entstand durch die Arbeit mit Milchkühen. Ein Teil aber auch innerhalb der Pflanzenproduktion. Heute liegt der Milchpreis bei rund 32 Cent je Liter. „Das ist kaum ein Preis um Kostendeckend zu produzieren“, meint Sebastian Steineke. Er wirft die Frage nach Alternativen dazu auf, die Milch an große Molkereien zu liefern und von den Preisen so abhängig zu sein. „Was kann Politik tun, um den Schritt zur Direktvermarktung ihrer Milch zu unterstützen“, fragt Steineke. 
Bis Ende des Jahres geht die Gülper Milch noch nach Waren, ab kommenden Jahr gelten Verträge mit Elb-Milch nach Stendal. Möglichkeiten seine Milch in der Region auf kurzer Sicht erfolgreich vermarkten zu können, scheint Enrico Voigt nicht zu sehen. „Unsere Direktvermarktung von Wurstwaren hat sich über 25 Jahre entwickelt. Will man die Milch auch hier direkt an den Verbraucher bringen, braucht es einen lange Atem“, so Voigt. Trotz der schwankend niedrigen Milchpreise halten die Mitglieder der Genossenschaft an der Milchproduktion fest. „Wir brauchen die Veredlung. Allein mit der Pflanzenproduktion geht es nicht“, sagt der geschäftsführende Vorstand. 
Auf den eigenen Flächen und Naturschutzflächen des Landes Brandenburg betreibt das Unternehmen den Anbau von Futtermitteln und Grünpflanzen.  Für die Kühe und 80 Sauen wird das Futter so selbst produziert. Zugefügt werden Raps, Soja und Minerale. „Wir versuchen auf Soja zu verzichten“, so Voigt. Soja ist der Eiweißlieferant für die Tiere, der durch andere Futterpflanzen ersetzt werden müsste. „Der Lupinen-Anbau auf den Sandböden ist schwierig. Haben zudem die Gänse die Haupttriebe abgefressen, haben es die Nebentriebe schwer bei Trockenheit sich zu entwickeln“, erklärt der Spaatzer dem Bundestagsabgeordneten zwei weitere schwierige Komponenten, mit den der landwirtschaftliche Betrieb arbeitet. 
Zum einen sind dies die Wildvögel, die bei ihrem Zug durch unsere Region, auf den Feldern äsen und Saaten zerstören. Vom Landkreis gab es ein Programm, über dass die Betriebe bei solchen Schäden entschädigt wurden. Heute versuchen sie selbst die Tiere zu vergrämen  - das kostet ebenso Geld. „Es muss eine Zwischenlösung zwischen dem Vergrämen und Entschädigungen geben. Zugleich braucht es Ausgleichflächen, auf denen wir die Tiere äsen lassen können“, gibt Voigt Steineke eine Aufgabe mit nach Berlin.
Des Weiteren seien die Humuswerte der Böden zu gering. Auf einer 100 Quadratmeter großen Fläche hat die Agrargenossenschaft getestet, wie der Böden aufgewertet werden kann, in dem sie kompostierte Naturgräser aufbrachten. Auch Gülle wurde Kompostierungsprozessen unterzogen. Eine Machbarkeitsstudie darüber soll Landwirte informieren, wie mit solchen Maßnahmen der Humuswert des Bodens verbessert werden kann.
Trotz der benannten Umstände kann die Agrargenossenschaft auch Positives berichten. Im vergangenen Jahr wurde das Rathenower Geschäft zur Direktvermarktung komplett umgebaut. Die Vermarktung des selbst produzierten Fleisches und der Wurst macht 35 Prozent des Umsatzes aus - Tendenz steigend. „Kurze Lieferwege, regionale Produkte und direkte Vermarktung, dass ist eine Paradebeispiel“, meint Sebastian Steineke.