Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
26.01.2017, 08:26 Uhr | MAZ - Ruppiner Tageblatt 26.1.2017 / Andreas Vogel

Ein flammendes Plädoyer für Europa
Bundestagspräsident Norbert Lammert würzte mit seiner Rede den Neujahrsempfang der Kreis-CDU

Neuruppin. Ein flammendes Plädoyer für Demokratie und für Europa hat Bundestagspräsident Norbert Lammert beim Neujahrsempfang der Kreis-CDU Ostprignitz-Ruppin im Festsaal der Ruppiner Kliniken gehalten. „Die Wiederentdeckung des Nationalstaats ist sicher ein interessantes Thema für Historiker, aber kein Zukunftskonzept“, sagte der 69-Jährige am Dienstagabend. Denn gefragt seien „gemeinsame europäische Lösungen“, um Probleme wie Flüchtlingsströme, Globalisierung, Digitalisierung und Klimaveränderung in den Griff zu bekommen. „Wir sind entweder relevant als Europäer oder aber gar nicht.“ Der 69-Jährige, der aus Bochum stammt, Diplom-Sozialwissenschaftler und seit 2005 Bundestagspräsident ist, verwies darauf, dass Europa gerade mal 500 Millionen Einwohner zählt. Das sind nicht mal sieben Prozent der Weltbevölkerung, die aktuell auf gut 7,5 Milliarden
Menschen geschätzt wird. Gleichwohl sollten die Deutschen ein gesundes Selbstbewusstsein haben – und zwar nicht allein wegen des mutigen Engagements vieler Ostdeutscher, das 1989 zum Mauerfall und danach dank „kluger politischer Entscheidungen“ zur deutschen Einheit geführt habe. Vielmehr sei Deutschland inzwischen nicht nur das wirtschaftlich stärkste,
sondern ebenfalls das politisch einflussreichste Land in Europa. Selbst Amerika schaue auf kein Land öfter als auf Deutschland, so Lammert. Der Politiker warnte jedoch davor, diesen Zustand für selbstverständlich zu halten. Denn möglich sei die Stärke Deutschlands nur durch die mehr als 30 Millionen
Menschen über 14 Jahre, die sich ehrenamtlich engagierten – in der Feuerwehr, im Sportverein, als Lesepaten, in Sozialvereinen, in der Kultur und in der Politik. „Ohne dieses Engagement würde die Gesellschaft ganz anders aussehen“, betonte Lammert.
Gleichwohl sieht der CDU-Politiker durchaus Gefahren, auch wenn er sie in seiner knapp einstündigen Rede nicht als solche bezeichnete. Lammert erinnerte daran, dass die meisten Experten sowohl den Brexit als auch den Ausgang der Präsidentschaftswahlen in den USA nicht für möglich gehalten hatten. „Die fröhliche Vermutung, dass Vernunft die Welt regiert, ist mehrfach
widerlegt worden“, sagte Lammert. Er hat dafür eine einfache Erklärung. „Es gibt unendlich viel Dummheit, Gewalt und plumpe Interessenvertretung.“
Gerade deshalb sei Demokratie wichtig. Diese zeichne aus, dass Minderheiten
Rechte haben, über die die Mehrheit nicht verfügen kann, so Lammert. Damit das so bleibe, müssten die Menschen aber auch zu den Wahlen gehen – und nicht nur hinterher auf der Straße demonstrieren, weil sie mit dem Ausgang der Wahlen nicht zufrieden sind. „Eine Demokratie steht und fällt mit engagierten
Bürgern.“ Herbert Brandt ist einer von diesen engagierten Bürgern. Der Kyritzer,
der in diesem Jahr 75 wird, ist seit 60 Jahren in verschiedensten Ehrenämtern tätig – als Beleuchter im Arbeitertheater in Kyritz, als Rettungsschwimmer,
Feuerwehrmann, Gründer eines Heimatvereins und seit 2005 als Außenstellenleiter der Organisation Weißer Ring, die sich um Opfer von Gewalt und Kriminalität kümmern. „Herbert Brandt ist immer da, wenn er gebraucht wird“, sagte Sebastian Steineke. Der Neuruppiner CDU-Bundestagsabgeordnete überreichte dem parteilosen Brandt stellvertretend für die vielen Ehrenamtler in der Region unter dem Beifall der mehr als 200 Gäste des Empfangs als ein Dankeschön einen Gutschein für einen Restaurantbesuch in der Fontanestadt. Brandenburgs CDU-Generalsekretär
Steeven Bretz stimmte indes schon mal auf den nahenden Bundestagswahlkampf ein. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Hassprediger
und Dumpfbacken unsere Zukunft bestimmen“, sagte Bretz, ohne Pegida
und AfD zu erwähnen. Zugleich will die CDU weiter gegen die vom Land geplante Kreisreform kämpfen. Dem stimmte Steineke zu. „Perleberg und Neuruppin müssen Kreisstadt bleiben.“