Neuruppin. Landrat Ralf Reinhardt (SPD) denkt offenbar über den Bau einer neuen Kreisverwaltung in Neuruppin nach. Entstehen könnte die auf dem ehemaligen Gelände der Abfallwirtschafts-Union (Awu) an der Neustädter Straße neben dem jetzigen Gebäue der Kreisverwaltung. Bereits im Dezember hatte Reinhardt dem Kreistag hinter verschlossen Türen erste Pläne vorgestellt.
Das Projekt ist völlig unabhängig von den Plänen des Landes für einen
Zusammenschluss der beiden Landkreise Ostprignitz-Ruppin und Prignitz – und von der Frage, welche Stadt nach 2019 Kreisstadt sein wird. Grund für die Idee ist vielmehr, dass die Kreisverwaltung in Neuruppin schon in Kürze vor einem akuten Raumproblem stehen könnte. Das Gesundheitsamt des Kreises hat seine Räume bisher im Gebäude des Gesundheitszentrums, das sich auch in der Neustädter Straße befindet, gegenüber der bisherigen Kreisverwaltung. Der
Kreis hat die Büros von den Ruppiner Kliniken gepachtet, doch der Vertrag endet demnächst. Die Kliniken wollen das Gesundheitszentrum zwar sanieren. Das würde sich aber nur lohnen, wenn der Landkreis eine neuen, langfristigen
Pachtvertrag für die Büros unterschreibt. So haben es die Mitglieder des Kreistages erklärt bekommen. Ein langfristiger Pachtvertrag würde viel Geld kosten. Die Kreisverwaltung hat deshalb nach einer anderen Lösung gesucht. Eine ist der Neubau eines Kreishauses. Grob geschätzt könnte das etwa 15 Millionen Euro kosten. Die teuren Büros im Gesundheitszentrum wären dann nicht mehr nötig, und auch das Landratsamt an der Virchowstraße könnte womöglich Gewinn bringend verkauft werden. Beschlossen ist noch nichts, bisher gibt es offenbar nur Ideen. Manfred Richter, der Vorsitzende des
Kreistages, war allerdings überrascht, wie weit die schon sind. „Wir haben schon Pläne bis hin zu Grundrissen vorgelegt bekommen“, sagt er. „Offenbar gab es schon früher Überlegungen.“
In der Tat hatte der Landrat bereits 2013 um 50 000 Euro für eine Studie zur Erweiterung der Kreisverwaltung an der Neustädter Straße gebeten. Damals waren viele Abgeordnete skeptisch, ob das denn nötig sei. Skepsis gibt es auch heute noch. Manfred Richter befürchtet, das sich das Klima zwischen den Kreisen Ostprignitz-Ruppin und Prignitz weiter verschlechtern könnte, wenn
der mögliche Neubau öffentlich wird. In der Prignitz könnte das so interpretiert werden, als sollte Neuruppin als Standort des Landrates zementiert werden, noch bevor der Landtag über die Kreisreform abgestimmt hat, fürchtet Richter. „Andererseits müssen wir uns dem Problem stellen“, findet der Vorsitzende des Kreistages: Für die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes müsse dringend Platz gefunden werden. Ein Neubau auf dem alten Awu-Betriebsgelände wäre wohl die billigste Lösung. Ob dort gleich eine ganz neue Kreisverwaltung entstehen
muss, könne man immer noch sehen. Das Gros der Fraktionschefs im Kreistag hielt sich gestern zu den Plänen für einen Neubau bedeckt. „Es gibt Beratungen über das Gebäudemanagement des Kreises“, das überarbeitet werden solle, sagte Sebastian Steineke (CDU) lediglich. Auch Rita Büchner (Linke) sprach nur nebulös davon, dass eine Verwaltungsreform bevorstehe und es nicht klug wäre, die Prignitz vor den Kopf zu stoßen. Deutlich wurde indes Ralph Bormann, Chef der bunten Fraktion von Bauern, Freien Wählern und FDP. „Wir sollten selbstbewusst sein und die Perle Neuruppin stärken.“ Zu diesem Schluss sei schließlich auch das Gutachten gekommen, das Berliner
Sozialforscher im Auftrag des Autobahndreiecks Wittstock (Dosse) erstellt hatten. Mehrere Kreistagsabgeordnete erwarten, dass der Landrat schon bei der Sondersitzung des Kreistages Anfang Februar konkretere Pläne vorlegt. Schließlich wollte sich gestern Abend auch der Ältestenrat mit dem Thema Neubau befassen. Ob der Kreistag Ostprignitz-Ruppin über einen Millionen schweren Neubau aber überhaupt noch abstimmen darf, ist offen. Die Landesregierung will die Kreise an die kurze Leine nehmen, sobald der Landtag
im Herbst über die künftige Kreisreform abgestimmt hat. Dann sollen so weitreichende Entscheidungen nur noch die Kreise Ostprignitz-Ruppin und Prignitz gemeinsam treffen dürfen.