Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
26.11.2016, 11:49 Uhr | MAZ - Ruppiner Tageblatt 26.11.2016 / Andreas Vogel

Eine Neuregelung für Kleingärtner ist in Sicht
Auf Drängen der Politik will die Kreisverwaltung nun doch eine Lösung finden, damit für Gartenfreunde keine Mülltonnenpflicht besteht

Neuruppin. Die Kleingärtner können vorerst aufatmen: Auf Drängen von SPD, CDU und Linken will die Kreisverwaltung jetzt doch nach einer Lösung suchen, damit Kleingärtner nicht automatisch an das Müllentsorgungssystem
angeschlossen werden. Bisher hatte die Verwaltung das kategorisch abgelehnt und darauf verwiesen, dass laut Gesetz der Müll dort entsorgt werden müsste,
wo er anfalle. Deshalb hatte der Landkreis in diesem Jahr damit begonnen,
in den ersten Kleingartenvereinen und Sparten graue Abfallbehälter aufzustellen – was zu heftigen Protesten geführt hatte. „Es ist einfach ungerecht, zweimal
Grund- und Behälteranschlussgebühren zahlen zu müssen“, sagt auch Brigitte Kramer. Die 69-Jährige ist Vorsitzende des Kleingartenvereins Schillergärten in Neuruppin. Kramer verweist darauf, dass die Kleingärtner jahrzehntelang ihren Müll mit nach Hause genommen und dort entsorgt haben. „Das ging immer problemlos, ohne dass die Natur Schaden genommen hat.“ Warum die bisherige Praxis nun auf einmal nicht mehr möglich sein soll, das versteht kein Kleingärtner. „80 Prozent unserer 204 Mitglieder sind Rentner. Die haben gelernt, den Müll ehrlich bei sich zu Hause zu entsorgen“, betont Kramer. Aber es gibt noch ein ganz anderes Problem. Denn die Vorstände der Vereine sind für den Landkreis auch die Ansprechpartner beim Bezahlen der Müllgebühren. Das bedeutet, die Vorstände müssen sich darum kümmern, diese Gebühren
von ihren Mitgliedern erstattet zu bekommen. „Wir arbeiten doch nur
ehrenamtlich“, sagt Kramer. Dass die Vorstände jetzt die Müllgebühren von den Kleingärtnern eintreiben müssen, sei nicht im Sinne des Erfinders, betonte SPD-Fraktionschefin Ina Muhß am Donnerstag im Kreisausschuss. Die SPD
wollte deshalb, dass Kleingärtner generell von der Mülltonnenpflicht ausgenommen werden. Ähnlich argumentierte die Linke. Sie wollte, dass Kleingärten, in denen weniger als 120 Liter Abfall pro Jahr entsteht, von der Mülltonnenpflicht befreit sind – vorausgesetzt, der im Garten anfallende Abfall wird in der heimischen Tonne entsorgt. Eine Ausnahmeregelung allein für Kleingärtner sei jedoch rechtlich nicht zulässig, sagte CDU-Fraktionschef
Sebastian Steineke. Der Jurist aus Neuruppin schlug deshalb eine Praxis vor, die bereits seit Jahren in anderen Landkreisen üblich ist. Demnach werden Mülltonnen lediglich in den Sparten und Kleingartenvereinen aufgestellt, die diese auch anfordern. Landrat Ralf Reinhardt (SPD) versprach, diese Regelung prüfen zu wollen. „Wir haben auch ein großes Interesse an einer Satzung, die sowohl für die Verwaltung als auch für den Gebührenzahler rechtssicher ist und nicht gleich wieder korrigiert werden muss.“
Um die Prüfung zu erleichtern und möglichst schnell zu einer Lösung zu kommen, sollte es jedoch lediglich einen Vorschlag geben, sagte Reinhardt. Daraufhin zog die SPD ihren Antrag zurück und schloss sich dem der CDU an. Die Linke will diesem Beispiel folgen. Auch die bunte Fraktion aus Bauern, Freien Wählern und FDP, die auf einen eigenen Antrag verzichtet hatte, stimmte dem CDU Antrag zu. Lediglich Kay Noeske-Heisinger meldete Bedenken an. Zwar ging der Bündnisgrüne ebenfalls davon aus, dass das Gros der Kleingärtner redlich ist und den Müll zu Hause entsorgt – aber dafür garantieren könne niemand, auch nicht der Vorstand der jeweiligen Sparte, betonte Noeske-Heisinger. Der Wille jedes Kleingärtners sei entscheidend,
stimmte Ausschusschef Erich Kuhne (CDU) zu. Das gelte aber für beide Fälle, wenn Tonnen in der Sparte aufgestellt werden oder nicht. „Wir sollten den Kleingärtnern eine Chance geben zu zeigen, dass sie vernünftig handeln“, so Kuhne. Dem stimmte der Ausschuss zu. Damit ist nun die Kreisverwaltung am Zug. Sie wird prüfen, unter welchen Bedingungen der Mülltonnenzwang für Kleingärtner umgangen werden kann, ohne dabei eine gesetzliche Regelung zu verletzen. Die Lösung soll im nächsten Jahr präsentiert und dann in die Satzung eingearbeitet werden. Brigitte Kramer von den Schillergärten ist optimistisch, dass dies gelingen wird. „Die Kommunalpolitiker sind sicher klug genug und entscheiden nicht gegen ihre Wähler.“ Die Sparte, deren Gärten sich an der Fehrbelliner Straße befinden, hat bereits drei graue Mülltonnen und auch eine Rechnung dafür bekommen. Die Tonnen wurden deshalb auch genutzt – für Bioabfälle.