Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
10.11.2016, 10:09 Uhr | Ruppiner Anzeiger 10.11.2016 / Dietmar Stehr

Von Desaster bis Fußball-Philosoph
Wie die Ruppiner Politik auf den Ausgang der Präsidentenwahl in den USA reagiert

Ostprignitz-Ruppin (RA) Kaum einer, der keine Meinung hatte nach dem überraschenden Ausgang der Präsidentenwahl in den USA. Das gilt auch für die Politiker aus dem Ruppiner Land. Zum Teil schon am frühen Morgen äußerten sie sich über soziale Medien - oder im Laufe des Tages auf RA-Nachfrage. Hier eine Übersicht. „Was für ein Desaster“, twitterte die Linken-Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann am frühen Mittwochmorgen, um wenig später auf Facebook nachzulegen: „Gerade an diesem 9. November die Erinnerung: Auch die Weimarer Republik ist nicht an der Stärke ihrer Feinde gescheitert, sondern an ihrer eigenen Schwäche.“ Wenn Fremdenhass,
Sexismus, Lügen, Skrupellosigkeit und Mauerbau reichten, um in den USA an die Macht zu kommen, „ist die Welt in einer noch ernsteren Lage, als befürchtet“, so Tackmann. CDU-Kollege Sebastian Steineke versuchte auf Facebook, den Ausgang der US-Präsidentenwahl eher humorvoll zu nehmen.
„Ein hessisch-serbischer Fußball-Philosoph sagte mal so passend: ,Lebbe geht weiter‘. Das gilt auch heute.“ Nach vorn geht auch der Blick der SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Ziegler. „Wir als Europäer und Deutsche müssen damit umgehen und ihn“, Trump, „jetzt daran messen, wie er künftig mit den anstehenden Sachthemen umgeht.“ Ziegler verwies darauf, das die Republikaner neben dem Präsidenten auch im Senat und im Abgeordnetenhaus
die Mehrheit stellen. „Sie können damit durchregieren, was ich durchaus kritisch sehe. Für mich persönlich ist es nun wichtiger denn je, dass Europa
endlich wieder mit einer Stimme spricht, damit die Europäische Union ihren angemessenen Platz in der Welt einnimmt“, so Dagmar Ziegler.
Nicht erwartet hatte den Wahlerfolg Donald Trumps Ostprignitz-Ruppins Landrat Ralf Reinhardt (SPD). Nach seiner persönlichen Meinung befragt, sagte er, das Ergebnis sei „absolut ernst zu nehmen“. Nach dem Brexit-Votum der Briten sei dies nun schon „die zweite Wahl gegen ,Die da oben‘“. Das gebe ihm zu denken und zeige, „wir müssen die Ängste der Leute, ob alles gerecht zu fair zugeht, ernst nehmen.“ Gleichwohl sieht Reinhardt die Gefahr, dass sich populistische Versprechen durchsetzen. Von dem, was Trump seinen Wählern zugesagt hat, scheint Reinhardt nach eigenem Bekunden „einiges zu hoch gegriffen“. Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) staunte am Mittwoch darüber, dass immer wieder an einem 9. November Geschichte
geschrieben wird – etwa beim Mauerfall 1989, der sogenannten
Pogromnacht 1938 oder die Ausrufung der Deutschen Republik 1918. Nun also die Trump-Wahl, in deren Vorfeld Golde eine ähnliche Stimmung wie vor dem Brexit-Votum wahrgenommen hat und sich vom Ausgang deshalb wenig überrascht zeigte. Er zieht mit Blick auf den vermeintlich sicheren Clinton-Sieg die Lehre, „dass aus der Arroganz der Macht heraus sich niemand seiner
Sache zu sicher sein sollte“. Der Ausgang der Präsidentenwahl kann Golde zufolge eine Chance für Demokratie sein – „wenn wir uns auf das Einende
besinnen“. Kurz und knapp brachte es derweil der Neuruppiner Stadtverordnete
und Landesschatzmeister der brandenburgischen Linken, Ronny Kretschmer,
auf Facebook für sich auf den Punkt. Dort schrieb er: „Stumpf ist Trump(f)!“
Der Linken-Kreisvorsitzende Paul Schmudlach sieht hingegen das eigentliche Problem in der Nominierung Hillary Clintons durch die Demokraten. „Mit
Bernie (Sanders, d.Red.) wäre das nicht passiert!“, tippte er unter Verweis auf den innerparteilichen und als Sozialisten geltenden Konkurrenten der
Wahlverliererin.