Neustadt. Als „Ausklang der grünen Saison“ erfolgte am Sonnabend auf dem Neustädter Gestütsgelände und im angrenzenden Landeswald die traditionelle Hubertusjagd. So waren es die Worte zur Eröffnung von Ulrich Junghanns,
einst Brandenburgs CDUWirtschaftsminister sowie Vize-Ministerpräsident und nunmehr Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Neustädter Gestüte. Dieser, die Stiftung Brandenburgisches Haupt- und Landgestüt
selbst und die Sportgemeinschaft des Deutschen Bundestages luden zum nunmehr 13. Mal dorthin ein. Rund 60 Reiter und dazu 250 Gäste „aus Politik, Diplomatie und Wirtschaft“, wie es hieß, folgten entsprechenden Einladungen.
Die Zahl der Bundestagsabgeordneten darunter blieb überschaubar.
Brandenburgs Agrarstaatssekretärin Carolin Schilde als Stiftungsratsvorsitzende und die Gestüte-Geschäftsführerin Regine Ebert begrüßten unter anderem den regionalen Bundestagsabgeordneten Sebastian Steineke (CDU) und dessen Fraktionskollegen Dieter Stier aus dem Burgenland-Saalekreis und Klaus-Peter Schulze aus der Lausitz. Mit einem
Pferd dabei war jedoch allein die SPD-Abgeordnete und Tierärztin Karin Thissen aus Schleswig-Holstein. Auch die Eröffnungsrede hielt etwas Politik parat. So lasse sich nach den Worten von Ulrich Junghanns der Nutzen des „Kulturguts Pferd“ zwar „schwer rechnen“. Doch es trage seinen Teil zur
Schönheit der Landschaft bei und zur Lebensqualität der Menschen.
Einrichtungen wie ein Landesgestüt zur Pferdezucht abzuschaffen, wäre deshalb „absolut falsch“, sagte Junghanns mit Blick auf die aktuelle Debatte in Sachsen-Anhalt. Das Landesgestüt Prussendorf soll dort dem Rotstift zum Opfer fallen, wie kürzlich bekannt wurde.
Zur Eröffnung sprachen auch Landstallmeister Uwe Müller und der Leiter der Bundestags-Sportgemeinschaft Reiten, Andreas Henne. Anschließend hielt Neustadts Pfarrerin Anja Grätz in der Waldschlösschen-Halle die Messe ab zu
Ehren des Heiligen Hubertus, des Schutzpatrons der Jagd. Zu der wurde dann symbolisch aufgebrochen. Es handelte sich wie immer um eine Schleppjagd. Es ist eine Form des sportlichen Geländereitens hinter einer Hundemeute. Diese folgte einer zuvor gelegten Duftspur – der Schleppe. Auf den Wiesen
und in den Wäldern wurden für die Reiter Hindernisse errichtet. Die Gäste verfolgten von 18 Kremsern aus das Geschehen. Die erste Hubertusjagd des Bundestags in Neustadt wurde einst von Christina Rau, der Frau des verstorbenen Bundespräsidenten Johannes Rau, als Ehren-Jagdherrin
unterstützt. Anschließend begleitete der Bundestagsvizepräsident Hermann Otto Solms dieses Ereignis. Er ließ sich dazu regelmäßig in Neustadt sehen. Zunächst jährlich, erfolgte die Jagd zuletzt alle zwei Jahre auf dem Gelände entlang der Dosse. Seit 2014 ist Bundesverteidigungsministerin Ursula von der
Leyen (CDU) Schirmherrin. Sie ließ sich 2014 jedoch entschuldigen. Damals hieß es von einer Vertreterin der Abteilung Wehrverwaltung, Infrastruktur und Umweltschutz: „Als begeisterte Reiterin wäre sie gern selbst dabei gewesen, konnte sich aber nicht freimachen.” Woran es dieses Mal lag, blieb unklar.