Radensleben. Mit einem Erntedank-Gottesdienst begann am Samstagmorgen das zentrale Erntefest der Neuruppiner Ortsteile in Radensleben. Wegen des wechselhaften Wetters wurde der geplante Open-Air-Gottesdienst im Seniorenwohnpark abgesagt. Pfarrerin Ute Feuerstack empfing die Gäste im Kirchenschiff. Als die Glocken das Ende des Gottesdienstes einläuteten, hatten die geschmückten Fahrzeuge sich schon zum Festumzug eingereiht
und die Zaungäste, die an den Ständen mit regionalen Produkte entlang der lang gestreckten, alte Dorfstraße schlenderten, wurden mehr. So hatte auch Simone Hansen vom Keramikstübchen viele lustig gestaltete Figuren und wundervoll klingende Windspiele im Angebot. Das Festkomitee verzichtetet
ganz bewusst darauf, Rummel- Atmosphäre aufkommen zu lassen. Stattdessen wurden ländliche Traditionen, das Handwerk und die Dorfgeschichte in den Mittelpunkt des Erntedankfestes gestellt. An mehreren Stellen standen ausgediente Türen, die als „Zeittüren“ historische Fotos von Radenslebener Ansichten zeigten. Dem Schmied Enrico Schellin aus Herzberg
konnten die Besucher beim Herstellen von Schmiedekunst über die Schulter schauen. Und auch ein Blick in die Geschichte von Möbeltischlermeister Bernhard Krug, zu dessen Spezialität einst ausziehbare Küchenaufwaschtische
gehörten, konnten die Besucher nehmen. Langsam wurden die Festkomitee-Helfer in ihren roten Westen, angeführt von Stephanie Makuth, hektischer.
Um 12 Uhr übernahm die Organisationschefin das Mikrofon und kommandierte den Umzug. An der Spitze des Umzuges rollte der schön gestaltetet Festwagen mit Radenslebener Landfrauen über das holprige Kopfsteinpflaster
der alten Dorfstraße. Dass sie nicht bis ans Ende des langgestreckten
Weges kommen würden, wussten sie da noch nicht. Denn auf halber Strecke wurde ihnen die marode Dorfstraße zum Verhängnis: Eins der Vorderräder brach.
Als der Umzug beendet war, rollte der Radenslebener Hartmut Fischer schnell ein Ersatzrad herbei und machte den Leiterwagen wieder einsatzbereit. Zum Glück war den Fahrgästen des Wagen außer einem Schreck nichts passiert. Mit einer lustigen Rübengeschichte zogen die Nietwerderaner diesmal beim Zentralen Erntedankfest an den Besuchern vorbei. Nach dem Umzug gab es ein Bühnenprogramm für Kinder sowie Erwachsene, und im Festzelt konnten die Festbesucher über die schönste Erntekrone abstimmen – ausgestellt waren die Erntekronen aus Radensleben und Nietwerder. Christoph Müller stellte seinen traditionellen Backofen „Im Winckel“ für ein Schaubacken von Bäckermeister Tino Herzog zur Verfügung. Im Ofen wurde zum Festtag erstmals öffentlich gebacken, der Radenslebener Bäcker zeigte den Gästen,
wie man früher Brot und Kuchen buk. Und auch ein Dreschkarren, den die Freunde alter Landtechnik und Traktoren aus Rüthnick vorführten, zog viele
Schaulustige an. Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) und Bundestagsabgeordneter Sebastian Steineke (CDU) lobten Apfelsaft aus Radensleben. Der naturtrübe Saft aus handverlesenen und unbehandelten Äpfeln vom Radenslebener Hof Engel/Wendicke hatte vielen so gut geschmeckt, dass sie ein paar Flaschen mit nach Hause nahmen. An der Kirche bot der Weltladen von Esta Ruppin fair gehandelten Kaffee und andere Produkte an, und in der Kirche konnten die Besucher sich bei einem Vortrag
von Ulrich Dressel aus Garz über die Familiengeschichte derer von Quast informieren. Junge Musiktalente der Evangelischen Schule musizierten, und junge Tänzerinnen der Jugendkunstschule Neuruppin zeigten Folkloretänze,
Musical-Ausschnitte und selbst eine tanzende Pinguine-Parade auf der Festbühne am Campo Santo. Wer Schlager mochte, kam zur Kaffeestunde auf seine Kosten. Da gehörte die Bühne einem singenden Bundesbahn-Schaffner, der einige Besucher im Festzelt sogar zum Schunkeln brachte und sich schließlich mit „Die kleine Kneipe in unserer Straße“ verabschiedete. Später
sorgten noch „Die Tanzenden Schwestern“ und der Rockgeiger „Hans die Geige“ für Unterhaltung. Und mit einem Tanz unter der Erntekrone bei Live-Musik mit der Partyband „Yellow Times“ endete das Erntedankfest in Radensleben.