Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
19.09.2016, 09:26 Uhr | MAZ - Ruppiner Tageblatt 19.9.2016 / Regine Buddeke

Im Ährenkleid
Beim Erntefest der Dörfer in Radensleben gab es neben Musik und altem Handwerk auch einen Erntekronenwettstreit

Radensleben. Der „rasende Storch“ kommt nicht zur Ruhe. Sven Neitzel,
Spitzname Storch, knattert auf seinem Moped immer wieder quer durch Radensleben. Im Beiwagen sitzt oftmals Stephanie Makuth, die Vorsitzende des Festkomitees. „Unser Motorrad-Bote und Taxi“, erklärt Ortsvorsteher Hardy Richter den Storch-Einsatz. Das Taxi ist sinnvoll. Immerhin ist die Radenslebener Feiermeile vom Festplatz bis ganz hinten zum alten Backofen
ziemlich lang. Für die Organisatoren des Erntefestes der Dörfer wäre es ohne Storch kaum zu schaffen, immer dort zu sein, wo sie gerade gebraucht werden. Für die Fest-Macher ist der Sonnabend ein heißer Tag. Motto? „Einfach Erntedank“ – das muss als Motto reichen, so haben es die Radenslebener entschieden, die in diesem Jahr das große Erntefest der Dörfer um Neuruppin
ausrichten durften. „Wir wollten zum Klassischen zurück“, erklärt es Stephanie Makuth, die mit zwölf Festkomiteemitgliedern und darüber hinaus der Hilfe vieler Radenslebener die große Sause organisiert hat. „Fast alle Ortsteile beteiligen sich in irgendeiner Form“, freut sie sich. Das sah zu Anfang noch nicht so aus – lange war unklar, wie viele der 13 Ortsteile sich am Sonnabend
präsentieren werden. Aber Ende gut, alles gut: In den Tagen vor dem Fest sind noch etliche Anmeldungen für den Festumzug eingegangen. „Es werden bestimmt 30 Wagen“, so Makuth. Letztlich sind es dann sogar noch deutlich mehr, schon dank der vielen alten Trecker, die Privatleute aber auch der Verein Freunde alter Landtechnik und Traktoren (Falut) über die Dorfstraße schicken. Apropos Straße: Den Radenslebener Dorffrauen bricht beim Umzug ein
Wagenrad. „Das ist ja wohl ziemlich deutlich, dass wir ’ne neue Straße
brauchen“, mahnt Hartmut Fischer, der besagten Wagen per Trecker zog, mit Blick auf Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde, der gemeinsam mit CDU-Mann Sebastian Steineke vor Ort ist.
Nach dem Umzug geht es erst richtig los – überall rüsten sich die Stände für den Ansturm der flanierenden Besucher. Auf der Bühne wird ein buntes Programm geboten: Ein Clown im Robin-Hood-Kostüm bespaßt die Kleinsten, bevor die Bläserklasse der Evangelischen Schule die Gäste beschallt – was die jungen Lungen so hergeben. Auch die Jugendkunstschule präsentiert sich, die„Tanzenden Schwestern“, die im echten Leben Krankenschwestern sind, sorgen für Furore. Schlagerfreunde dürfen in den Herzschmerz-Schlager-Express einsteigen. Währenddessen schürt am anderen Ende des Festes der Radenslebener Bäcker Tino Herzog das Feuer im alten Brotbackofen der Familie Müller. Viele sehen ihm dabei zu, wie er den Teig in Klumpen auf
der antiken Waage abwiegt, zu Laiben formt und in den Ofen schiebt, der eine Woche vorgeheizt wurde, um auf die nötigen 350 Grad zu kommen. Vor 14 Tagen war die Generalprobe, nun ist die öffentliche Premiere. Brot und später Kuchen gehen weg wie warme Semmeln. Ein Stück weiter präsentiert der Falut-Verein seinen alten Dreschkasten in Aktion. Auch hier stehen etliche
Schaulustige, genau wie beim Herzberger Messerschmied Enrico Schellin, der mit Tochter Jessica glühende Eisen auf dem Amboss zurecht hämmert. „Wir wollten keinen Jahrmarkt, sondern viel altes Handwerk“, sagt Ortsvorsteher Hardy Richter. Das Konzept geht auf und kommt allseits gut an: ob die Krug’sche Möbelwerkstatt, die Frank Graff mit Kaiser-Wilhelm-Schnurrbart präsentierte, die Kartoffelsortiermaschine oder die Egge hinter der Kuh. Tilo Sankowski hat 13 „Zeit-Türen“ im Dorf verteilt, auf denen er Fotos alter Dorfansichten zeigt. „Radensleben hatte mal eine Bockwindmühle.“ Auch, wo früher einmal das von den Russen abgebaute Kriegerdenkmal stand, hat Sankowski bei den Recherchen entdeckt. Am Kuchenstand stehen zwei
Erntekronen: eine mit roten Schleifen und eine, deren Schmuck subtil aus eingebundenen winzigen Blüten besteht. Die Zuschauer dürfen abstimmen, welche ihnen am besten gefällt – welche die der Gastgeber und die aus Nietwerder ist, wird erst am Abend bei der „Krönung“ verraten, auf den sich der Ortsvorsteher ganz besonders freut: Er hat „Hans die Geige“ eingeladen. Übrigens auch City und Keimzeit, aber die hatten den Termin nicht frei. „Wenn alle drei zugesagt hätten, hätten wir losen müssen. Oder noch länger auf Sponsorensuche gehen“, sagt Richter. Das Sponsoring sei überhaupt der Knackpunkt in diesem Jahr gewesen, so der Ortsvorsteher, ist aber guter Dinge, dass alles gestemmt wird. Es habe viele Helfer gegeben. „Ich bin stolz auf unseren Ort.“ Mit „Hans die Geige“ habe er ein gutes Zugpferd gewollt:
„Damit möglichst viele Leute kommen.“ Der hält, was sein Name verspricht: eine Stimme, die Joe Cocker bei „Up where we belong“ gut das Wasser reichen kann, dazu das beseelte Geigenspiel des Mannes mit der Zauberer-Merlin-Mähne. Dann wird das Rätsel um die Erntekronen gelöst: Die Gastgeber sind die Gewinner. Beide Bindeteams haben gut 200 Stunden Arbeit investiert. Und beide Kronen können sich sehen lassen. „Wir hatten unsere Erntekrone mit beim Landeserntefest in Bergfelde“, erzählt eine Kronenbastlerin aus Radensleben. Dort habe die Krone bei 20 Kronen den 9. Platz belegt.
● Galerie: Mehr Fotos gibt es unter www.maz-online.de/ernte-radensleben.