Neuruppin. Die Reaktionen auf das Scheitern der Volksinitiative gegen noch mehr Windräder könnten kaum unterschiedlicher sein: „Enttäuscht und traurig“ war gestern Johannes Oblaski (57), ehrenamtlicher Bürgermeister von Temnitzquell, der seit Monaten für Unterschriften geworben hatte. Entspannt
und erleichtert zeigte sich indes Christian Wenger-Rosenau. Der 53-Jährige baut seit 20 Jahren Windkraftanlagen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Hessen. Wenger-Rosenau ist von dem Ergebnis des Bürgerbegehrens, bei
dem nur gut 45 000 Unterschriften zusammenkamen, 80 000 wären notwendig gewesen, keinesfalls überrascht. „Die meisten Menschen wollen erneuerbare Energien und auch Windkraft.“ Für den Wuthenower ist das logisch. Ohne
erneuerbare Energien müsste Deutschland noch länger darauf setzen, Energie aus dem Verbrennen von Kohle zu gewinnen. „Dann geht der Klimawandel weiter.“ Das könne kaum gewollt sein. Auch deshalb baut Wenger-Rosenau, der in seiner Firma neun Leute beschäftigt, weiter Windräder, derzeit gerade
200 Meter hohe in Hessen. Diese werden eine Leistung von 3,4 Megawatt
erbringen können und damit leistungsstärker sein, als die, die er hier in der Region gebaut hat. Das leistungsstärkste Windrad steht mit 2,3 Megawatt in der Nähe von Kyritz.
„Die Volksinitiative ist gescheitert, aber die Konflikte mit der Windenergie sind damit nicht gelöst“, betonte Ralf Reinhardt. Der Landrat von Ostprignitz-Ruppin ist zugleich Vorsitzender der Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel.
handelt. Schließlich gebe es einen „großen Gesprächsbedarf“ – schon wegen der Ungerechtigkeiten bei den Stromnetzkosten und deren gerechten Verteilung
im gesamten Bundesgebiet. Hinzu kommt, dass immer weniger Leute die immer höher werdenden Anlagen akzeptieren. Auch, weil schon jetzt viele Windräder oft still stehen, da die Stromnetze zu klein sind, um den Strom dorthin transportieren zu können, wo er benötigt wird. Mehrfach hat sich Reinhardt für ein Moratorium, also für einen Stopp beim Ausbau von Windrädern in der Mark, ausgesprochen. Erfolglos. Der Neuruppiner CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke forderte gestern das Land auf, die Sorgen und Nöte der Menschen vor Ort ernst zu nehmen. Ein richtiger Schritt wäre, wenn die Regionalplanung den Mindestabstand von Windrädern zu Gebäuden auf 1500 Meter festsetzen würde. Damit könnten Anwohner vor weiteren Beeinträchtigungen durch die Betonriesen geschützt werden. Bisher gilt in Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel noch immer ein Mindestabstand von 500 Metern. Zwar soll der Abstand auf 1000 Meter erhöht werden. Der Plan, der das vorschreibt, tritt vermutlich aber erst 2018 in Kraft.