Neuruppin (RA) Die Kulturstiftung des Bundes wirbt auf ihrer Internetseite bereits für das Neuruppiner Museumsprojekt „Durch_Einander“. Gerne
würde sie 147 800 Euro Fördermittel dafür geben. Neuruppins Abgeordnete sind sich bislang aber überhaupt noch nicht sicher, ob sie das Projekt und das Geld überhaupt wollen. Bis zum 11. Juli will das Rathaus deswegen nun nacharbeiten und das Museumsprojekt samt Kosten so erklären, dass die Stadtverordneten ihre Zustimmung geben. Die stand am Montag im Haupt- und Finanzausschuss (HFA), der über die Annahme der Fördermittel und der Kosten zu beraten hatte, und im Strukturausschuss, dessen Votum zur
Personalausstattung gefragt war, deutlich auf der Kippe. Wie schon beim Beschluss zur Übernahme der Parzival-Skulptur (RA berichtete) war es von
der Verwaltung versäumt worden, die Beschlussvorlage in die zuständigen Gremien einzubringen. Deshalb waren im HFA viele Fragen offen geblieben. „Es hätte mir am Herzen gelegen, wenn zuvor im Sozialausschuss und im
Kulturbeirat darüber diskutiert worden wäre“, sagte der SPD Fraktionsvorsitzende Nico Ruhle. Der scheidende Museumsdirektor Hansjörg Albrecht hatte einen Zuschuss aus dem Fonds
„Stadtgefährten“ beantragt. Damit fördert die Kulturstiftung des Bundes
Museen, die sich gemeinsam mit Interessierten mit der Gesellschaft vor Ort
auseinandersetzen wollen. Das neue Projekt soll den Titel „Durch_Einander – Stadtdialog Neuruppin“ tragen. Ziel ist es dabei, diejenigen anzusprechen, die bisher nicht mit dem Museum in Berührung gekommen sind. Der
Schwerpunkt wird auf Flüchtlingen liegen, erklärte Ordnungsamtsleiterin
Annette Friedrichs. Die Projektmitarbeiter, Alteingesessene und Geflüchtete sollen gemeinsam die Stadt erkunden. „Daraus entstehen kognitive Karten,
die sichtbar machen, wie die Stadt tatsächlich genutzt wird und wo es Potenzial für Begegnungen gibt. So können Orte, die auf den ersten Blick wenig Aufenthaltsqualität besitzen, aber dennoch häufig frequentiert werden, beispielsweise durch temporäre Installationen, Feste oder Gesprächscafés, zu Orten des Kontakts und Austauschs werden“, heißt es unter anderen der Projektbeschreibung. Zudem sollen wenig genutzte Plätze durch verschieden Aktionen wiederbelebt werden. Das Ergebnis des Projekts, das bis Juni 2018 laufen könnte, soll schließlich mit einer Ausstellung und einem Multimedia-Angebot dokumentiert werden.
Als eines von 13 Vorhaben bundesweit hatte es die Stiftung als förderfähig erachtet. Von den Gesamtkosten von 186 400 Euro für Personal und
Ausstattung möchte die Stiftung 147 800 Euro übernehmen. Die restlichen 38 600 Euro müsste die Stadt mit den Projektpartnern stemmen, was laut dem
Rathaus auch möglich ist. Obwohl alles in trockenen Tüchern scheint, hielten sich viele Abgeordnete mit ihrer Zustimmung zurück. „Wir haben überhaupt nicht über die Sinnhaftigkeit gesprochen“, so Siegfried Wittkopf (Linke), der ebenfalls ein Votum aus den Fachausschüssen als hilfreich empfunden
hätte. Allerdings kritisierte er den Inhalt des Vorhabens. Er habe einst selbst Projektbeschreibungen für Zuschüsse zu Arbeitsfördermaßnahmen
schreiben müssen: „Und wenn man da Menschen mit Migrationshintergrund
vergessen hat, hatte man schlechte Karten. Das scheint mir hier auch so zu sein“, so Wittkopf. Und weiter: „Ich glaube nicht, dass die Interesse haben,
die Geschichte Neuruppins oder der Region kennenzulernen. Das ist nur vorgeschoben, um vom Bund Geld zu bekommen. Ich halte das nicht für sinnhaft“, so Wittkopf. Für Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) war das genau „die falsche Botschaft“. Es ginge schließlich um die Partnerschaft
mit der Kulturstiftung und die Stellung Neuruppins im Fontanejahr bei der professionellen Umsetzung dieses Projektes. „Dass wir da eine personelle Aufstockung brauchen, ist jedem klar“, erklärte Golde, der diese Entscheidung auch nicht auf die kommende Sitzungsschiene vertagen
möchte. Damit zur Sitzung der Stadtverordneten am 11. Juli auch keine Fragen mehr offen bleiben, werde die Verwaltung nun alles „so sauber vorbereiten“, dass die Politiker alles „untersetzt und erläutert kriegen“. „Das verspreche ich Ihnen. Wir müssen es einfach besser erklären“, so Golde.
Zumindest die Neuruppiner CDU/FDP-Fraktion hat sich in der Frage schon eine Meinung gebildet. Sie wirbt jetzt dafür, die Förderung anzunehmen.
„Diese Diskussion ist für uns nicht nachzuvollziehen. Die Fraktion wird nachdrücklich für die Annahme der Fördermittel werben“, teilte der Fraktionsvorsitzende Heinz Stawitzki am Donnerstag mit. Im HFA hatte er
sich dazu nicht geäußert. Nach Stawitzkis Dafürhalten sind mit dieser hohen Förderung große Chancen für die weitere Entwicklung des Museums und
der breiten Verankerung bei allen Bürgern der Stadt Neuruppin verbunden.
Auch auf Bundesebene kämpfe die CDU seit geraumer Zeit um eine gute finanzielle Ausstattung für das Fontane-Jahr. „Bereits die jetzige Diskussion wird in Berlin selbstverständlich wahrgenommen und beschädigt unsere Bemühungen. Eine Absage an die Förderung wäre ein kaum wiedergutzumachender Imageschaden im Hinblick auf 2019 und daher nicht akzeptabel“, so der CDU-Stadtverordnete und Bundestagsabgeordnete
Sebastian Steineke.