Neuruppin. Der Kreistag in Neuruppin wird sich am 23. Juni vermutlich mit großer Mehrheit dafür aussprechen, dass die Fontanestadt auch in einem möglichen Großkreis Prignitz-Ruppin Kreisstadt bleibt. Der entsprechende Antrag der bunten Fraktion aus Bauern, Freien Wählern und FDP wurde zwar erst gestern den Abgeordneten zugesandt. Jedoch wurde das Papier bereits
beim Ältestenrat des Kreistages mit den Fraktionsvorsitzenden besprochen.
„Wir müssen Stärken stärken“, sagte Ralph Bormann, Chef der bunten Kreistagsfraktion. Sonst bestehe die Gefahr, dass Neuruppin seine Bedeutung als Leuchtturm in Brandenburg verliere. „Die größte Stadt in der Region soll auch Strahlkraft für den gesamten Landkreis haben“, so Bormann. Das gehe nur, wenn die Bedeutung von Neuruppin betont und nicht wenn die Bedeutung der Fontanestadt "zerfleddert" werde. Der Neuruppiner Bormann, der zugleich Vorsitzender der Wählervereinigung Pro Ruppin ist, begründete den Antrag gestern zudem mit dem forschen Auftreten
der Prignitz. Deren Kreisausschuss hatte sich am Donnerstag einstimmig dafür ausgesprochen, dass Perleberg Kreisstadt bleiben müsse. Sonst würde die strukturschwache Prignitz, die schon den Weggang des Finanzamtes Pritzwalk nach Kyritz (2008) und den Umzug des Staatlichen Schulamtes Perleberg nach Neuruppin (2014) verschmerzen musste, weiter geschwächt. Am 30. Juni will der Kreistag in Perleberg diese Stellungnahme bestätigen,
über die danach Ministerpräsident Dietmar Woidke, Landtagspräsidentin
Britta Stark (beide SPD) und die Fraktionsvorsitzenden im Landtag informiert werden sollen.
Der Neuruppiner CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke sprach gestern von „einem gegenseitigen Hochschaukeln“. Der Antrag der bunten Fraktion sei eine Reaktion auf das Verhalten der Prignitz, stimmte Manfred Richter (SPD) zu. Gleichwohl hält der Kreistagschef von Ostprignitz-Ruppin dieses Agieren „für schwierig und konfrontativ“ – zumal eine Entscheidung
entscheiden. Einen Termin dafür gibt es noch nicht. Auch Frank-Rudi
Schwochow (BVB/Freie Wähler) bedauerte, dass es zu dem Antrag der bunten Fraktion kommt. „Man vergiftet damit die Atmosphäre und kommt keinen Schritt weiter“, sagte der Rheinsberger. Schwochow hält auch nichts davon, dass der Landtag über die künftigen Kreisstädte befinden wird. „Da wird geschachert.“ Abgeordnete, die die Region gar nicht kennen, sollen
entscheiden, wer Kreisstadt wird. Einen Ausweg aus diesem Dilemma sieht Schwochow nicht. Denn wenn innerhalb der Altkreise abgestimmt würde, würde wohl stets der gewinnen, der mehr Einwohner hat. „Es wird nie ein Neuruppiner sagen, dass er für Perleberg als Kreisstadt ist, und kein Perleberger wird sich für Neuruppin aussprechen“, stimmte SPD-Mann Richter zu. „Beide Varianten sind nicht gut“, so Schwochow. Einig sind sich die Politiker in beiden Landkreisen indes, dass es einen Ausgleich für die Stadt geben muss, die den Kreisstadtstatus verliert. Jedoch hat sich das Land noch nicht geäußert, wie dieser Ausgleich aussehen könnte. Mit Außenstellen der Kreisverwaltung allein ist es wohl nicht getan. Unklar
ist zudem, wie hoch die Gesamtkosten der Reform sind und wie diese gestemmt werden sollen.