Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
15.06.2016, 08:19 Uhr | MAZ - Ruppiner Tageblatt 15.6.2016 / Andreas Vogel

Neuruppin oder Perleberg
An der Frage, wer in einem Großkreis Prignitz-Ruppin die Kreisstadt sein soll, scheiden sich die Geister

Neuruppin. Angeblich hat es niemand gewollt. Doch bei der vom Land beabsichtigten und von vielen gescholtenen Kreisgebietsreform läuft derzeit in der Prignitz und im Ruppiner Land alles auf die eine Frage hinaus, wer in einem Großkreis Prignitz-Ruppin Kreisstadt werden soll – Neuruppin oder
Perleberg? Der Prignitzer Kreistag will am 30. Juni sogar eine Stellungnahme an den Landtag verabschieden, dass Perleberg Kreisstadt bleibt. Sonst würde die strukturschwache Prignitz weiter geschwächt, heißt
es in der Vorlage, die von den Fraktionsvorsitzenden des Kreistages
eingereicht wurde. Schließlich habe die Prignitz schon den Weggang zweier Landesbehörden verschmerzen müssen: Das Finanzamt Pritzwalk zog 2008 nach Kyritz um, das Staatliche Schulamt in Perleberg sechs Jahre später nach Neuruppin. Der Fortbestand des Kreissitzes in Perleberg sei deshalb eine entscheidende Grundlage für eine zukunftsträchtige und ausgewogene Entwicklung der ländlich strukturierten Prignitz. Im Gegensatz dazu könne Neuruppin auch ohne Kreisstadt-Status bestehen – als Landesbehördenstandort mit Landgericht, Staatsanwaltschaft, Amts-, Arbeits- und Sozialgericht sowie vielleicht als ausgewiesenes Oberzentrum. Ein Problem dabei: Es gibt derzeit mit Brandenburg an der Havel (71 000 Einwohner), Cottbus (99 000), Frankfurt (57 600) und Potsdam (164 000) lediglich vier Oberzentren. Neuruppin mit seinen gut 30 000 Einwohnern
ist eines der 34 Mittelzentren in Brandenburg. Eine Höherstufung ist nicht vorgesehen.
Kirsten Tackmann ist nicht glücklich über die Kreisstadt-Diskussion. „Die
Debatte spaltet eher, statt die Regionen zusammenzuführen“, sagt die Bundestagsabgeordnete (Linke) aus Tornow bei Kyritz. Ihr Wahlkreis ist sowohl die Prignitz als auch Ostprignitz-Ruppin. Tackmann hätte es besser gefunden, wenn sich die Kreispolitiker zunächst „ehrlich und sachlich“
Fragen von möglichen Kooperationen gewidmet hätten. „Wir müssen einen Weg finden, bei dem am Ende die gesamte Region gewinnt.“ Ähnlich sieht das ihr CDU Abgeordnetenkollege Sebastian Steineke. „Wir haben das Thema Kreisstadt in den vergangenen Monaten ganz bewusst nicht in den
Vordergrund gestellt“, sagt der Rechtsanwalt aus Neuruppin. Schließlich sei eines klar: „Keiner will auf den Kreisstadtstatus verzichten.“ Deshalb sollte
vermieden werden, dass die Regionen gegeneinander aufgehetzt werden und sich in der Kreisstadtfrage verzetteln. Mit dieser Sicht konnten sich die zwei Bundestagsabgeordneten aber selbst bei ihren Parteien in der Prignitz nicht durchsetzen. Das mag auch daran liegen, dass Tackmann und Steineke zugleich Kreistagsabgeordnete in Neuruppin sind. Für Ralph Bormann ist klar, dass der Kreistag Ostprignitz-Ruppin auf den Vorstoß aus der Prignitz reagieren muss. „Dazu sind wir gezwungen“, sagt der Chef der bunten
Fraktion aus Bauern, Freien Wählern und FDP. Bormann hat einen Antrag
für den Kreistag am 23. Juni eingereicht. Stichwort: Kreisstadt Neuruppin. Zum Wortlaut will sich Bormann aber nicht äußern. Er will erst die Debatte im Kreisausschuss in Perleberg abwarten. Dieser wird morgen über die Stellungnahme an den Landtag beraten. „Die Kreisstadtfrage ist ein sehr
emotionales Thema“, so Bormann. Auch Neuruppin habe da Befürchtungen, etwa dass Behörden nach Oranienburg oder Potsdam abgezogen werden.