Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
27.05.2016, 11:04 Uhr | Ruppiner Anzeiger 27.5.2016 / Daniel Dzienian

Schwammige Schlammverordnung
Die Neuruppiner Stadtwerke könnten durch gut gemeinte Pläne des Bundesumweltministeriums Probleme bekommen

Neuruppin/Berlin (RA) Auf Bundesebene läuft gerade eine Debatte, die die Stadtwerke Neuruppin mit ihrer neuen Schilfanlage in einigen Jahren in Bedrängnis bringen könnte. Es geht um die sogenannte Klärschlammverordnung. Sie könnte hohe Kosten nach sich ziehen. Am Ende zahlt womöglich wieder der Verbraucher. Das Bundesumweltministerium will die Einträge von Schadstoffen auf Ackerböden senken. So weit, so positiv. Doch der Teufel steckt in den Details
der neuen Verordnung, deren Entwurf gerade vorgelegt wurde. Im Gegensatz zu einem Gesetz heißt Verordnung, ein Ministerium weist das Vorgehen einfach an. Der CDU- Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke wollte sich am Donnerstag anhören, was die Neuruppiner von den
Plänen halten. Fazit: Nicht allzu viel. Nach dem aktuellen Vorschlag sollen etwa Städte ab einer Größe von 20 000 bis 50 000 Einwohnern keine Klärschlämme mehr auf Ackerflächen aufbringen dürfen. Stattdessen sollen
sie Nährstoffe wie Phosphat und Stickstoff, die als natürliche Düngemittel verwendet werden, in einem speziellen Verfahren aus den Schlämmen extrahieren. Das Problem: „Diese Verfahren gibt es bis jetzt noch gar nicht“,
so Steineke. Alternativ müssten die Schlämme in speziellen Anlagen
verbrannt werden. „Auch dafür gibt es nicht eine Anlage in Brandenburg“, so der Abgeordnete. Ergebnis: Nach Stand der Dinge müssten die Überreste
mit Lkw über weite Wege transportiert werden. 
Die Sorge: Der Neuruppiner Energieversorger hat sich 2013 am Klärwerk eine vier Hektar große Vererdungsanlage mit Schilf eingerichtet. Dort hinein
pumpen die Stadtwerke im Augenblick ihre Schlämme, pro Jahr fallen 31 000 Kubikmeter an. Die ganze Anlage – Teiche mit speziell haltbarer Folie ausgekleidet – soll außerdem bereits besonders umweltschonend sein. Stickstoff und Phosphor sickern nicht in den Boden, sondern bleiben im Schlamm gebunden. Andere Schadstoffe bauen sich durch natürliche Vorgänge ab. Das Schilf entzieht dem ganzen Wasser. Ohne das Konzept
mit dem Schilf hätte der Energieversorger für rund eine halbe Millionen Euro eine bestehende Anlage erneuern müssen, ohne dass dadurch irgendein Vorteil oder eine größere Kapazität geschaffen worden wäre. Laut dem technischen Stadtwerke-Geschäftsführer Toralf Uebach sind die auf diese Weise entstehenden Schlämme für die Landwirtschaft geeignet. „Und das viel besser als konventionelle Dünger“, sagt er. „Diese waschen sich nämlich besonders leicht aus und werden in die Seen gespült.“ Die Ruppiner kennen das Problem vom Kalksee, dem Tornowsee oder dem Stechlin. Die Klarwasserseen werden durch die Einträge immer trüber. Die CDU will deshalb auf die Bremse treten. Laut Steineke wird gefordert, die Verordnung
so zu ändern, dass Städte erst ab 50 000 Einwohnern betroffen sind. „Dann hätte hier im Norden Brandenburgs niemand ein Problem“, so der Abgeordnete. Auch die Forderung, Stickstoff und Phosphor zu entfernen,
sähe die Union gern gestrichen. „Das Ministerium geht einfach davon aus, dass es die nötige Technik dafür bis 2025 gibt“, meint der Parlamentarier.
Weil die neue Verordnung noch nicht gültig ist und auch die Neuruppiner
Gruben bis dahin erst einmal noch in Ruhe gefüllt werden können, geraten die Stadtwerke laut dem zuständigen Leiter für Trink- und Abwasser Gerald
Brose auch noch nicht in Panik. Trotzdem sei die Idee hinter der Schilfanlage gefährdet: langfristig zu planen und langfristig Sicherheit zu haben.