Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
27.05.2016, 07:53 Uhr | MAZ - Ruppiner Tageblatt 27.5.2016 / Josephine Mühln

Dem Ehrenamt fehlen der Nachwuchs und das Geld
Bei einem Ruppiner Forum wurde über Vor- und Nachteile von freiwilligen Tätigkeiten diskutiert

Neuruppin. Nachwuchssorgen und finanzielle Nöte plagen die Ehrenamtler
im Landkreis am meisten. Zu diesem Ergebnis kamen Podiumsgäste und Publikum beim Ruppiner Ehrenamtsforum „Ehrenamt – zwischen Berufung und Beruf“, zu dem die CDU-Kreistagsfraktion Ostprignitz-Ruppin am
Mittwochabend in die Siechenhauskapelle geladen hatte. Seit 18 Jahren versuche sie, die Kapelle regelmäßig mit Kunst und Kultur zu beleben, sagte Gabriele Lettow vom Förderverein Siechenhauskapelle. Gelungen ist ihr das
beispielsweise mit den „Aequinox Musiktagen“, die seit 2010 jährlich
stattfinden. „Es geht immer nur um die Finanzen“, sagte Lettow. „Und wir finden keine jungen Leute.“ Im Haushalt sei Kultur eine „Freiwillige Aufgabe“, Lettow könne sich also in keinem Jahr darauf verlassen, Fördergelder zu bekommen. „Das Festival kostet 60 000 Euro. Wir arbeiten auf volles Risiko, weil der Zuwendungsbescheid immer erst einen Monat vorher kommt – und erst sechs Monate nach dem Festival kommt dann das Geld.“ Diese Probleme kennt auch Karin Syring vom Kreissportbund. „Um Förderung
für eine neue Sportruppe zu bekommen, müssen wir am besten schon im Frühjahr wissen, dass wir neue Mitglieder haben werden. Denn im Herbst ist die Antragsfrist dann vorbei.“ Außerdem fehle es in vielen Bereichen an Übungsleitern. „Den Job kann nicht jeder machen, denn nicht jeder kann eine – zum Teil große – Gruppe führen.“ Schwer sei auch, junge Menschen zu motivieren, Verantwortung zu übernehmen.
Um Verantwortung in besonderem Maß geht es auch bei der freiwilligen
Feuerwehr. „Wenn’s hier nicht klappt, haben wir ein Problem“, sagte Sebastian Steineke. Der CDU-Bundestagsabgeordnete moderierte die Veranstaltung. Seit Jahren gebe es in diesem Bereich sinkende Nachwuchszahlen. Problematisch sei auch, den Bereitschaftsdienst weiter absichern zu können. Jennifer Dürkoop von der Freiwilligen Feuerwehr Wittstock erklärte, dass bei Brandschutzaktionen in Kitas und Schulen versucht werde, die Kinder spielerisch an die Arbeit der Kameraden ranzuführen und sie für die Kinderfeuerwehr zu begeistern. Das Eintrittsalter
liegt bei sechs Jahren. „Und dann hoffen wir natürlich, dass die Jungen und Mädchen anschließend bei der Jugendfeuerwehr anfangen, bevor sie ab dem 16. Lebensjahr in die aktive Feuerwehr aufgenommen werden können“,
sagte Dürkoop. Dass das nicht immer wie gewünscht funktioniert, machte Dürkoops Kollege Sven Scheer deutlich. „Von 250 Jugendlichen, die 2010 Mitglied der Jugendfeuerwehr waren, sind jetzt noch 30 bei der aktiven Feuerwehr übrig. Und es werden immer weniger, viele ziehen weg.“ Die Alterspyramide der Wittstocker Feuerwehr stehe auf dem Kopf. Nur 66 Kameraden seien unter 27 Jahre alt. „Das ist eine gefährliche Entwicklung“,
stellte Scheer klar. Ein Wittstocker Kamerad, der im Publikum Platz
genommen hatte, wurde noch deutlicher: „Wenn der Trend so weiterläuft, sind wir in zehn Jahren keine leistungsfähige Feuerwehr mehr.“ Dass ehrenamtliche Tätigkeit wieder attraktiver werden müsse, darin waren sich die Anwesenden einig. Nur wie das gelingen kann, ließ sich nicht eindeutig klären. Die gesellschaftliche Anerkennung könne ein Anreiz sein – sie sei
momentan nicht in ausreichendem Maß vorhanden. Gabriele Lettow und Karin Syring erzählten, dass sie teilweise für ihre Arbeit belächelt und mit Sätzen wie „Hast du nichts Besseres zu tun?“ bedacht werden. Ein Lösungsansatz könne auch sein, in bestimmten Bereichen projektbezogen
zu arbeiten. Das bilde die Lebenswirklichkeit junger Leute eher ab, als sich langfristig festzulegen. Die Bezahlung hingegen sei im Ehrenamt nicht essenziell. Um entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, sei auch die Politik gefragt.
Das Podium beim Ehrenamtsforum Das Podium beim Ehrenamtsforum