Neuruppin (RA) Für Lara Sorge aus Fehrbellin ist klar: „Ich fahre auf jeden Fall noch einmal nach Certaldo!“ Die Schülerin vom Evangelischen Gymnasium
war vor zwei Wochen mit Mitschülern zu Gast in der italienischen Partnerstadt. Aktuell sind die neu gewonnenen Freunde zum Gegenbesuch in der Fontanestadt. Wie die Neuruppiner Schüler in Italien auch, sind die 18 Gäste
aus Certaldo am Dienstag ganz offiziell begrüßt worden – von Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) im Rathaus. Dort, wo sonst die Stadtverordneten im Ratssaal sitzen, um die Geschicke Neuruppins zu lenken,
durften diesmal die Schüler Platz nehmen. Solche Begegnungen außerhalb
der politischen Ebene begrüßt Golde ausdrücklich, da auf diese Weise die Städtepartnerschaft richtig gelebt wird. Und diese Freundschaft zwischen den
Jugendlichen ist ziemlich lebendig. Schon zum Abschied beim ersten Austausch vor gut zwei Wochen in Certaldo flossen bei vielen Schülern reichlich Tränen
– obwohl sie sich in wenigen Tagen wiedersehen würden, verriet Lehrerin Sandra Priesemuth. Von allen Städtepartnerschaften sei es die zu Certaldo, die die am innigsten ist, schätzte Bürgermeister Golde ein. Aufgrund vieler
persönlicher Beziehungen sei der Draht dorthin etwas besser als nach Bad Kreuznach, Nymburk und Babimost. Gegenüber den Schülern outete sich Golde auch als großer Italien-Fan. In seinen elf Jahren im Amt sei er mindestens zehnmal privat und beruflich in der Partnerstadt zu Gast gewesen: „Es hat mir immer sehr gut gefallen.“ Sogar familiäre Bande pflegt Golde bereits nach Bella Italia, da sein ältester Sohn seit vier Jahren in der Nähe von Mesina lebt und arbeitet. „Mit meinem Italienisch klappt es aber noch nicht so ganz“, räumte das Stadtoberhaupt ein.
Bis Sonnabend haben die Gastschüler ein strammes Programm. Am Dienstag lernten sie nach dem Rathaus die Evangelische Schule kennen, die sie in den nächsten Tagen auch besuchen werden. Anschließend folgte eine Stadtbesichtigung mit einem Abstecher in Klosterkirche. Für den heutigen Mittwoch ist ein Besuch des Bundestages in Berlin geplant, den der Neuruppiner CDU-Abgeordnete Sebastian Steineke eingefädelt hat. Für Donnerstag sind ein Besichtigung des Rheinsberger Schlosses und ein Ausflug per Dampfer geplant. So viele Seen, wie man sie in Neuruppin und Umgebung
findet, gibt es in Certaldo nicht, weshalb auch das für die jungen Gäste etwas Besonderes ist, so Sandra Priesemuth. Der Freitag steht im Zeichen des Sports. Bei Volleyball und Bowlen werden die Jugendlichen gegeneinander
antreten, bevor am Sonnabend der – vermutlich erneut tränenreiche – Abschied bevorsteht. Für das Gelingen des Austauschs sorgen auf beiden Seiten aber nicht nur die organisierenden Lehrer und Schulen. Eine wichtige Rolle spielen vor allem die Gasteltern, die die Kinder aufnehmen und umsorgen: „Sie tragen maßgeblich dazu bei, dass sich die Kinder hier wohlfühlen.“ Die gute Pflege in Certaldo hat laut Sandra Priesemuth dazu geführt, dass der eine oder andere Teilnehmer nun eine andere Kleidergröße
hat. Ähnliches könnte auch den italienischen Jugendlichen bevorstehen, die in diesen Tagen häufig mit deutschen Gerichten verköstigt werden. Lehrerin Cinzia Bigazzi brachte gestern nicht nur Grüße von Certaldos Bürgermeister Giacomo Cucini mit. In ihrer Stadt habe man auch mit großem Bedauern
davon gehört, dass Hans-Jörg Bülow gestorben ist. Der Präsident des Kreisverbandes des Deutschen Rotes Kreuzes hatten sich vor wenigen Jahren dafür eingesetzt, dass die Kollegen in Certaldo ein Einsatzfahrzeug erhalten. Ihr eigenes war durch Vandalismus zerstört worden. Ein Schüleraustausch wie dieser soll auch lange nicht vergessen werden. „Als Erwachsener erinnert man sich gerne an solche Reisen zurück“, weiß Susanne Presting, im Rathaus zuständig für Städtepartnerschaften, aus eigener Erfahrung. Sie hofft, dass
die italienischen Jugendlichen von Neuruppin einen bleibenden Eindruck behalten. Dafür wird auch noch an einem gemeinsamen Kunstprojekt gearbeitet. Certaldo ist bei den deutschen Schülern jedenfalls bestens angekommen: „Das ist eine sehr schöne Stadt, und alle waren wunderbar entspannt“, sagte Lara Sorge.