Neuruppin (hr) Größere Unterstützung durch die öffentliche Hand forderte Dekan Professor Dieter Nürnberg für seine Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane bei einem Besuch des CDU-Landeschefs
und -Landtagsfraktionsvorsitzenden Ingo Senftleben am Mittwoch ein. Die fünf an der Runde teilnehmenden Studentinnen und Studenten lobten die praxisnahe Ausbildung und das persönliche Zulassungs-Auswahlverfahren.
Senftleben, der sich „ein Bild von der landesweit einzigartigen Hochschule machen“ wollte, wurde vom CDU-Bundestagsabgeordneten Sebastian
Steineke und vom Neuruppiner CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Michael Gayck begleitet. Es sei für ihn „spannend zu erfahren“, welche Eindrücke die Studierenden nach dem ersten Studienjahr haben, so Senftleben. Er wolle „ein Bild davon gewinnen, was wir bei Land und Bund für diese Einrichtung tun können“. Studentin Ragna Iwers lobte etwa die Praxistage: „Alle zwei Wochen sind wir für einen Tag in unserer Lehrarztpraxis in Neuruppin und dem Umland. Wir führen Vorgespräche mit den Patienten und helfen dem jeweiligen Arzt bei der Untersuchung.“ Mit diesen 14-täglich über insgesamt ein Jahr stattfindenden Praktika hat Dekan Nürnberg sehr gute Erfahrungen gemacht: „Wir haben insgesamt 35 Lehrpraxen unter Vertrag. Keine befindet sich weiter als eine dreiviertel Fahrstunde von Neuruppin entfernt. Die Ärzte finden es sehr gut, dass sie innerhalb dieses Jahres die Studenten kennenlernen. Die Studenten erhalten ihrerseits einen Eindruck davon, wie wichtig der Hausarzt für den Patienten ist.“ Prodekan Professor René Mantke klagte den Politikern
sein Leid: „Leider sind Projekte an unserem Haus nicht durch Landesmittel förderfähig. Es wäre wichtig, dass wie in anderen Bundesländern staatlich
anerkannte Hochschulen Fördermittel beantragen können. Die entsprechende Richtlinie sollte vom Ministerium überarbeitet werden.“ Steineke lächelte vielversprechend: „Wir haben ja eine neue Ministerin. Vielleicht ändert sich tatsächlich etwas zum Positiven.“ Senftleben fragte genauer nach, worum es bei dem abgelehnten Projekt gegangen wäre. Mantke antwortete: „Um eine sehr interessante neue Methode zur Bekämpfung von Tumorzellen.“
Ganz oben auf Mantkes Agenda stand der Gesundheitscampus, ein gemeinsames Projekt der Neuruppiner Hochschule mit der Universität
Potsdam und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg zur Gewinnung von Nachwuchs-Ärzten, die dauerhaft in der Region bleiben. Er geht davon aus, dass zur Jahresmitte die Grundlagen für
dieses Vorhaben durch den Landtag beschlossen werden. Steineke sagte seine Unterstützung zu. Auch Dekan Nürnberg brannte ein Problem auf den Nägeln: „Unsere Hochschule braucht das Promotionsrecht. Immer wieder
kommen Anfragen, ob man bei uns seine Doktorarbeit machen kann. Für eine wissenschaftlich arbeitende Bildungseinrichtung ist dieses Recht an sich unverzichtbar. Leider sollen wir es erst frühestens nach dem Absolvieren der Habilitierung unseres Hauses, also nach insgesamt fünf Jahren, bekommen.
Theoretisch hätte das Land das Recht, uns schon vorher ein befristetes Promotionsrecht zu erteilen.“ Die Politiker notierten auch dieses Problem. Der Neuruppiner CDU-Chef Gayck interessierte vor allem, wie Studenten und Professoren die Stadt Neuruppin wahrnehmen: „Was kann ich in die
Stadtverordnetenversammlung mitnehmen?“ Die Suche nach Unterkünften sei anfangs ein bisschen schwierig gewesen, doch inzwischen lebten viele der
fast 130 Studenten zur Miete in Wohngemeinschaften. Mehrere Studenten wünschten sich, dass die Innenstadt attraktiver gestaltet wird und es abends mehr Kulturangebote gibt. Andererseits seien Kommune und Umfeld sehr schön, so dass sich mehrere Studenten vorstellen können, dauerhaft hier zu leben. Nürnberg sieht die Kommune in der Pflicht: „Ich vermisse ein eigenes
Angebot Neuruppins, sich zur Universitätsstadt zu entwickeln. Ein Beispiel dafür, was ich meine, ist, dass die städtische Wohnungsbaugesellschaft nicht flexibel genug war, Studentenwohnungen für uns zu errichten. Ein privater Anbieter hilft uns nun glücklicherweise, obwohl das an sich die Sache der Stadt gewesen wäre.“ Steineke stimmte ihm zumindest teilweise zu: „Ich staune immer wieder darüber, wie leistungsstark Kliniken und Hochschule mit ihren rund 2000 Arbeitsplätzen sind. Damit sind sie der größte Arbeitgeber in meinem Wahlkreis. Ich denke doch sehr, dass die Politiker auf allen Ebenen
erkannt haben, wie wichtig dieser Leistungsträger ist und dass ihm von allen Seiten die nötige Unterstützung entgegengebracht wird.“