Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
20.04.2016, 11:18 Uhr | Prignitz-Express 20.4.2016 / Thomas Bein

Gigaliner als Problemlöser?
POLITIKER auf Firmenbesuch / Fachkräftemangel und Logistik sind die Herausforderungen der Zukunft

FALKENHAGEN Der CDU Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke und der Landtagsabgeordnete der CDU, Jan Redmann, wollten sich vor kurzem beim Unternehmen Nordgetreide in Falkenhagen einen Überblick über die Herausforderungen der Zukunft machen. Ein Stichwort beim Besuch der CDU-Politiker : Gigaliner. Die brandenburgische Landesregierung hat eine Testphase von einem Jahr für die überlangen Lkw genehmigt. Fraglich für den Nordgetreide Werkleiter Azis Bregieth: Wie geht es nach der Testphase
weiter? Nordgetreide produziert täglich etwa 120 Tonnen Frühstückscerealien
wie Cornflakes, gepufften Weizen und anderes. Das bedeutet, dass die Ware am Ende des Produktionsprozesses ein großes Volumen, aber wenig Gewicht hat. „Etwa 15 LKW mit jeweils 15 Paletten verlassen täglich unser Werk“, erklärt Bregieth. Die LKW fahren nach Parchim in ein Logistiklager. Hier werden die Paletten komplett umgepackt und die verschiedenen Produkte neu zusammengestellt und kommissioniert. Das erfolgt per Handarbeit. „Könnten wir jetzt die Gigaliner einsetzen, bräuchten wir deutlich weniger Einzelfahrten
nach Parchim. Noch besser wäre aber ein Logistikzentrum hier in der Nähe oder vielleicht sogar am Standort Falkenhagen“, sagt Bregieth und macht im Gespräch mit dem stellvertretenden Pritzwalker Bürgermeister Ronald Thiel darauf aufmerksam, dass bei der Firma Glatfelter in direkter Nachbarschaft ähnliche Probleme an der Tagesordnung sind.
Zwar gibt es bei Nordgetreide einen Gleisanschluss, dieser sei aber nie in Betrieb gegangen, so Bregieth. Denn: Wohin sollten die Züge gefahren
werden? Es gibt in der Nähe kein Logistikzentrum mit Gleisanschluss. Ronald Thiel wie auch Sebastian Steineke sehen Gigaliner für Falkenhagen nicht als Problem an. Denn die übergroßen LKW würden keine Anwohner und keine Ortschaften tangieren, so Steineke. Die Frage sei allerdings, wie es nach einem Jahr Probebetrieb weitergehen würde? Bei Nordgetreide in Falkenhagen denkt man auch über eine Erweiterung des Werkes nach und hat sich bereits angrenzende Flächen gesichert. Neben den logistischen Problemen, die es zu lösen gilt, steht aber auch der zukünftige Fachkräftebedarf im Focus. So wird bereits heute das
Hochregallager in Falkenhagen über einen Server des Unternehmens in Bautzen gesteuert. „Das Problem ist aber, wenn hier etwas kaputt geht kann man das auch nur hier reparieren. Da heißt, wir brauchen hier am Standort
Mechatroniker und Elektriker, aber auch IT-Spezialisten. Wir bilden selber aus,
auch Mechatroniker. Allerdings sind wir nicht in der Lage, IT-Spezialisten auszubilden“, sagt Aziz Bregieth. Das heißt, dieses Fachpersonal muss das Unternehmen direkt von den Hochschulen anwerben und mit diesen bereits
zuvor eng zusammenarbeiten. Um solche Fachkräfte zukünftig hier halten zu können, müsse auch das Lebens und Wohnumfeld in der Region stimmen. Angefangen von der Infrastruktur mit Kitas, Ärzten und Schulen bis hin zu
Verkehrsanbindungen, Wohnungen und einem Kultur und Sportangebot. Da liege der Ball wieder im Spielfeld der Kommune, so Bregieth. „Wir bemühen uns, beide Seiten entsprechend zu berücksichtigen. Also die kommunale
Infrastruktur ebenso wie die weitere Auslastung des Gewerbegebietes in Falkenhagen und die weitere Ansiedlung von Unternehmen“, sagt Ronald Thiel. Im Moment gebe es Verhandlungen mit positiven Tendenzen für
weitere Ansiedlungen. „Es ist ganz einfach so, dass wir hier noch den Vorteil haben, große und zusammenhängende Flächen anbieten zu können in einem voll erschlossenen Gewerbegebiet. Das ist in ganz Brandenburg mittlerweile
selten geworden“, sagt Ronald Thiel. Bei Nordgetreide in Falkenhagen
arbeiten zur Zeit 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter sieben Auszubildende, in drei Schichten an sieben Tagen in der Woche.
THOB