Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
12.04.2016, 11:42 Uhr | Der Prignitzer 12.4.2016 / Thomas Bein

Lange Brummis und langer Atem
In der Firma Nordgetreide macht man sich Gedanken um zukunftsträchtige Logistik und die künftige Deckung des Fachkräftebedarfs

FALKENHAGEN Das Frühstück vieler Deutscher kommt aus Falkenhagen: Bei der Nordgetreide GmbH im Gewerbepark Prignitz werden täglich etwa 120 Tonnen Cerealien wie Cornflakes, gepuffter Weizen und andere Erzeugnisse hergestellt. Das Ganze in drei Schichten an sieben Tagen in der Woche. 120 Mitarbeiter, davon sieben Azubis, sind hier beschäftigt. Vor kurzem statteten die
CDU-Politiker Sebastian Steineke (Bundestags) und Jan Redmann (Landtag) dem Unternehmen im Pritzwalker Ortsteil einen Besuch ab. Zwei Themen
ihrer Stippvisite: Herausforderungen der Zukunft und Gigaliner. Die brandenburgische Landesregierung hatte eine Testphase von einem Jahr für die überlangen Lkw genehmigt. Nordgetreide-Werksleiter Aziz Bregieth fragt: „Wie geht es nach der Testphase weiter?“ Die Waren von Nordgetreide
haben ein großes Volumen, aber wenig Gewicht: „Etwa 15 Lkw mit jeweils 15 Paletten verlassen täglich unser Werk“, erklärt Bregieth. Die Laster fahren
nach Parchim in ein Logistiklager. Hier werden die Paletten komplett umgepackt, die verschiedenen Produkte neu zusammengestellt und kommissioniert, in Handarbeit. „Könnten wir jetzt die Gigaliner einsetzen, bräuchten wir deutlich weniger Einzelfahrten nach Parchim. Noch besser wäre
aber ein Logistikzentrum hier in der Nähe oder vielleicht sogar am Standort Falkenhagen“, sagt Bregieth und macht im Gespräch mit dem stellvertretenden
Pritzwalker Bürgermeister, Ronald Thiel, darauf aufmerksam, dass bei der Firma Glatfelter in direkter Nachbarschaft ja ähnliche Probleme an der Tagesordnung seien. Ronald Thiel wie auch Sebastian Steineke sehen Gigaliner für Falkenhagen nicht als Problem an. Denn die übergroßen Lkw würden keine Anwohner und keine Ortschaften tangieren,so Steineke. Wie es nach einem Jahr Probebetrieb weitergehen würde, könnten auch sie jedoch
noch nicht sagen.
Bei Nordgetreide in Falkenhagen denkt man auch über eine Erweiterung des Werkes nach und sicherte sich bereits angrenzende Flächen. Neben den logistischen Problemen, die es zu lösen gilt, steht der künftige Fachkräftebedarf im Fokus. So wird bereits heute das Hochregallager in Falkenhagen über einen Server des Unternehmens in Bautzen gesteuert. „Das Problem ist aber,
wenn hier etwas kaputt geht kann man das nur hier reparieren. Da heißt, wir brauchen auch hier am Standort Mechatroniker und Elektriker ebenso wie IT-Spezialisten. Mechatroniker werden wir auch wieder – allerdings sind wir nicht in der Lage, IT-Spezialisten auszubilden“, stellt Aziz Bregieth fest. Das heißt dieses Fachpersonal muss das Unternehmen direkt von Hochschulen anwerben und mit diesen bereits zuvor eng zusammenarbeiten. Um solche Fachkräfte künftig hier halten zu können, müsse auch das Lebens- und Wohnumfeld in der Region stimmen. Angefangen von der Infrastruktur mit Kitas, Ärzten, Schulen bis hin zu Verkehrsanbindungen, Wohnungen und einem Kultur und Sportangebot. Da liege der Ball wieder im Spielfeld der Kommune, so Bregieth. „Wir bemühen uns beide Seiten entsprechend zu berücksichtigen. Also die kommunale Infrastruktur ebenso wie die weitere Auslastung des Gewerbegebietes in Falkenhagen“, so Thiel. Derzeit liefen Verhandlungen mit positiver Tendenz für Ansiedlungen. „Wir haben hier noch den Vorteil, über große, zusammenhängende Flächen in einem erschlossenen Gebiet zu verfügen – in Brandenburg mittlerweile eine Rarität“, verdeutlicht Thiel. Thomas Bein