Neuruppin. Der in Neuruppin ansässige Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes zählt mit 450 Ehrenamtlern und über 150 Mitarbeitern zu den großen
sozialen Trägern im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Von der Zentrale in der Straße des Friedens aus werden Fahrdienste für körperlich und geistig behinderte Menschen koordiniert, eine ambulante Pflege wird organisiert und Erste-Hilfe-Kurse werden angeboten, um nur einige Aktivitäten zu nennen. Um
das Angebot aufrechterhalten zu können, kämpfen die DRK-Verantwortlichen
derzeit um Fachkräfte und um Nachwuchs, der sich künftig ehrenamtlich engagiert. Zugleich ringe man um Anerkennung in der Politik und der
Bevölkerung, sagt Vorstand Ronny Sattelmair. Der Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke (CDU) stattete dem Kreisverband in dieser Woche einen Besuch ab, um sich die Probleme näher erläutern zu lassen. „Die Zahlen der Fördermitglieder gehen zurück“, sagte Sattelmair. Grund sei unter anderem der Vertrauensverlust in gemeinnützige Einrichtungen durch Negativbeispiele
aus der Vergangenheit. So habe der Skandal um die Berliner Treberhilfe im Jahr 2009, aber auch die Insolvenz des DRK-Verbandes Ostprignitz im Jahr 2006 viele Menschen skeptisch gemacht. Um Vertrauen zurückzugewinnen,
setze man auf Transparenz, so Sattelmair. Diese werde jedoch kaum gewürdigt. Weder sei bislang die Qualität des Verbandes überprüft worden – beispielsweise beim Arbeitsschutz oder bei der Dokumentation – noch die Zahlung des Mindestlohnes. „Wir sind ein recht stiller, aber sauber arbeitender
Verband“, bekräftigte Sattelmair, der sich mehr Anerkennung aus der Politik wünscht.
Wasserwacht, wies auf den ausbleibenden Nachwuchs hin. Zwar gebe es in der Jugend nennenswerte Zahlen an aktiven Mitgliedern, doch durch Wegzug entstehe im Übergang zum Erwachsenenalter ein Bruch. Das Fehlen von
Fachkräften, was viele soziale Träger treffe, führe zum verstärkten Einsatz von Assistenzkräften, ergänzte Sattelmair. Immerhin habe man so „schon viele Ehrenamtler in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse“ gebracht.
Dies sei „eine Chance – eigentlich die einzige.“ Beim Fahrdienst gebe es eine regelrechte „positive Hysterie“. Ursprünglich von Zivildienstleistenden,
50 Leute unterwegs. „Der Fahrdienst ist für uns auch die Chance, das DRK im ganzen Landkreis abzubilden“, sagte Sattelmair. Denn es sei schwierig geworden, die Identität des Roten Kreuzes darzustellen. Seitdem der
Fahrzeuge des Katastrophenschutzes umlackiert wurden, fehle es an sichtbarer Präsenz durch Fahrzeuge. Zugleich betonte der Vorstand, dass es im Landkreis eine „wunderbare Trägerlandschaft“ und einen „gesunden Wettbewerb“ gebe. Auch sei man mit der Kreisverwaltung „immer im Gespräch“ und die Zusammenarbeit verlaufe gut. Sorge bereiten den Verantwortlichen allerdings die Pläne zur Kreisgebietsreform. Sie würde zu einem weiteren Identitätsverlust
führen, fürchtet Sattelmair.