Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
11.03.2016, 08:03 Uhr | MAZ - Ruppiner Tageblatt 11.3.2016 / Reyk Grunow

Der Musenhof als Wirtschaftsfaktor
In 25 Jahren sind rund 42 Millionen Euro in die Sanierung der Schlossanlage von Rheinsberg geflossen – das reicht noch nicht

Rheinsberg. Detlef Fuchs kann sich noch an die ersten Tage erinnern: Damals, in der Wende, übernahm er als Kustos die Verantwortung für das Schloss in Rheinsberg. Im Sommer ist es noch Sanatorium, im
Winter 1990 steht es leer. Keiner wusste, was aus dem einstigen
Musenhof des Prinzen Heinrich werden soll. Eine große Hotelkette wollte das Haus am Grienericksee gern übernehmen. Unsicherheit herrschte. Bis Brandenburgs damalige Sozialministerin Regine Hildebrand entschied, das Sanatorium ans Kulturressort abzugeben. Kulturminister Hinrich Enderlein
legte schließlich fest, dass das Schloss Rheinsberg an die Stiftung
Preußische Schlösser und Gärten geht. Von da an ging alles schnell. Im Frühjahr 1991 meldete sich Hans-Joachim Giersberg, der Generaldirektor
der Schlösserstiftung, bei Detlef Fuchs mit einer eindeutigen Aufgabe: Fünf Wochen hatte er Zeit, dann musste das Schloss Rheinsberg öffentlich vorzeigbar sein. „Ich wusste nicht, wie das gehen soll“, sagt Fuchs: „Ich hatte hier eine totale Infrastruktur für 150 Patienten, aber überhaupt keine Infrastruktur für ein Museum.“ Labor, Röntgenabteilung, Patientenzimmer mit Betten, Toiletten, Nachttischen – das ganze Schloss war ein Krankenhaus, nur ohne Patienten. Und doch hat es Detlef Fuchs mit Helfern geschafft: Sie haben in einigen Räumen das alte Linoleum herausgerissen, historische
Holzfußböden freigelegt, Waschbecken von den Wänden geschraubt, alte Wandverkleidungen und verloren geglaubte Türen zusammengesucht. Die Eröffnung von Schloss Rheinsberg wurde ein riesiger Erfolg. 100 000 Besucher kamen im ersten Jahr. Rund 60 000 Gäste hat das Schloss noch heute jährlich. Den meisten dürfte es schwer fallen, sich den katastrophalen Zustand vorzustellen, der sich Denkmalpflegern vor 25 Jahren dort bot.
Sebastian Steineke war gestern jedenfalls beeindruckt, als ihn Detlef Fuchs durch die Räume führte, eine Mappe mit alten Fotos unterm Arm. Der CDU-Bundestagsabgeordnete wollte sich zusammen mit seinem Parteikollegen
und Kreistagsmitglied Erich Kuhne ein möglichst genaues Bild machen. „Schloss Rheinsberg ist eindeutig das wichtigste Kulturdenkmal in der gesamten Region“, sagt Steineke. 
Es ist nicht nur Haus voller Kultur und Geschichte. „Es ist ein Wirtschaftsfaktor“, das sieht auch Fuchs so. Als Kustos der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg ist er für alle märkische Schlösser zuständig, aber auch für Häuser in Berlin. Fuchs begleitet die Fassadensanierung des Schlosses Charlottenburg genauso wie er die Arbeiten in Rheinsberg begleitet. Geschätzte 42 Millionen Euro
wurden bisher in die Rheinsberger Schlossanlage samt Theater und
Kavalierhaus investiert, sagt er und erinnert sich noch an andere Zahlen: „Es gab früher einmal eine Schätzung, dass etwa 35 Millionen D-Mark nötig sind.“ Eine Illusion. Gerade sind Handwerker dabei, im Bacchus-Kabinett hinter dem Spiegelsaal wieder die historische Kaminverkleidung aus grauem
Stein zu installieren. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Kamine im Schloss herausgerissen worden. Die Steine landeten überall: als Uferbefestigung, als Verstärkung in Betonfundamenten. Manche Umfassung blieb in einem Stück, andere wurden zerschlagen. Nach und nach setzen die
Denkmalpfleger die Bruchstücke wieder zusammen, wenn sie welche finden können. Für das Bacchus-Kabinett mussten einige Teile nachgearbeitet werden. „Das Sanatorium war für das Schloss ein Segen“, sagt Fuchs heute und meint: Es hätte viel schlimmer kommen können. So gab es nach dem Krieg auch Pläne, das Schloss zu einer Polizeischule zu machen. Kaum auszudenken, wie wenig dann noch von der historischen Substanz zu retten wäre. Das Gesundheitswesen der DDR hat – vielleicht aus Geldmangel –
vieles erhalten. Mehr oder weniger jedenfalls. Mehr als 50 Räume sind inzwischen restauriert, aber längst nicht alle. Ende 2015 hat der Bund ein
neues Sonderprogramm für die Insgesamt sind das 400 Millionen Euro in Zusammenarbeit mit den Ländern Berlin und Brandenburg. Fuchs hofft, dass Rheinsberg davon profitieren kann. Für die Schlossgärtnerei wird dringend
Geld gebraucht und für den zweiten Flügel des Kavalierhauses, in dem die Musikakademie ihren Sitz hat. Schon vor Jahren hatte die Stiftung vor, den Flügel zu sanieren, doch dann kam das damals erhoffte Geld doch nicht.
Steineke sagte seine Unterstützung zu: „Ohne das Schloss wäre das alles hier nichts.“ Er will sich bei Kulturstaatsministerin Monika Grütters dafür stark machen. Sie liebt Rheinsberg ohnehin.
●Jubiläum: Am Sonntag, 1. Mai, eröffnet die Schlösserstiftung in Rheinsberg
ihre große Ausstellung zur „Wiedererweckung eines Musenhofes“. Parallel
dazu bereitet der Hirmer-Verlag unter dem Titel „Rheinsberg – Musenhof in
neuem Glanz“ gerade ein Buch mit Texten von Detlef Fuchs und Fotos von Leo Seidel vor, das ebenfalls im Mai erscheinen soll.