Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
18.10.2013, 11:12 Uhr | Ruppiner Anzeiger / Stefan Russew

Unverhofft aus der Kanzlei in den Bundestag
Neuruppiner Rechtsanwalt Sebastian Steineke auf dem Weg in die große Politik / 40-Jähriger braucht noch Zeit, sich an das Abgeordnetenleben zu gewöhnen

Es war fast ausgemachte Sache, dass die SPD das Direktmandat in der Prignitz und in Ostprignitz-Ruppin bei den Bundestagswahlen holt. Doch dann zog die CDU mit ihrem Kontrahenten davon: Rechtsanwalt Sebastian Steineke wurde von Neuruppin aus in die große Politik katapultiert.

Die erste Aufregung hat sich bei Sebastian Steineke gelegt. Knapp drei Wochen sind nach der Bundestagswahl ins Land gegangen und der 40-jährige Rechtsanwalt hat seine ersten Schritte in Berlin hinter sich. Er verfügt über einen vorläufigen Abgeordnetenausweis, hat ein erstes Büro „Unter den Linden“ – direkt neben dem berühmten Hotel Adlon – bezogen und der Kanzlerin Angela Merkel bereits die Hand geschüttelt. „Soweit, so gut“, sagt Steineke und atmet tief durch.

Die letzten Wochen waren für den Neuruppiner sehr turbulent. Denn mit einem Einzug in den Deutschen Bundestag hatte er noch nicht einmal in den kühnsten Träumen gerechnet. Noch eine Stunde nach Schließung der Wahllokale gratulierte er am 22. September artig der SPD. „Ich wünsche Dagmar Ziegler alles Gute.“ Doch das war vorschnell. Am Ende holte er 33,5 Prozent der Stimmen im Nordwesten Brandenburgs, schnappte Ziegler das Mandat direkt vor der Nase weg. Er sei ohne Netz und doppelten Boden, sprich ohne aussichtsreichen Listenplatz, in den Bundestagswahlkampf gegangen. „Ich bin im Wahlkreis 56 angetreten, damit die CDU über einen respektablen Kandidaten verfügt.“

Der Sprung ins Parlament habe ihn vollkommen unvorbereitet getroffen. „Ich muss mir jetzt unbedingt ein zweites Auto kaufen, wenn es nach Sitzungen in Berlin mal später wird. Unseren anderen Wagen braucht ja meine Frau“, sagt Steineke nach seinem Wahlsieg. In den nächsten Tagen will sich der 40-Jährige einen gebrauchten Opel zu legen. „Ich brauche keinen Luxus. Außerdem bin ich auf den Geschmack des Bahnfahrens gekommen.“ Von Neuruppin braucht er rund anderthalb Stunden in sein neues Büro mit Ausblick auf das Brandenburger Tor. „Während der Fahrt kann ich noch Akten lesen.“ Und dann sei da ja noch seine Kanzlei. „Zum Glück ist die in meinem Haus“, erklärt er. Die Rechtsanwaltszulassung will er vorerst behalten, aber keine neuen Mandate annehmen.

Sich an das große Berlin zu gewöhnen, brauche noch Zeit. „Ich meine damit nicht die Stadt selbst, sondern das Abgeordnetenleben.“ In den langen Gängen und Fluren des Bundestags könne man sich schon verirren. Zum Glück gebe es nette Kollegen.

Den Plenarsaal hat sich Steineke bereits aus der Nähe angesehen. „Der ist schon beeindruckend.“ Manchmal müsse er sich kneifen, ob das alles wirklich wahr sei. Er sei ja kein abgebrühter Profipolitiker. Der Wechsel aus seiner Kanzlei ’rein in den Bundestag sei doch sehr plötzlich gekommen.

Da sei es von Vorteil, das sich die Regierungsbildung noch ein wenig hinziehe. So habe er mehr Zeit, sich zu akklimatisieren. Im Übrigen geht Steineke von einer Großen Koalition zwischen der Union und der SPD aus. „Ich denke, dass es hier mehr Gemeinsamkeiten als mit den Grünen gibt.“