Wittenberge. Lange geisterte das „Gesamtkonzept Elbe“ allenfalls als Phantom durch die Flure der Berliner Politik. Doch nun scheint Bewegung in den Entscheidungsprozess gekommen zu sein. Diesen Eindruck gewannen jedenfalls die Mitglieder der Arbeitsgruppe Elbe der CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages. Das Gremium unter Leitung des Hamburger CDU-Bundestagsabgeordneten Jürgen Klimke tagte am Dienstag in Wittenberge. Im Hotel Alte Ölmühle informierten CDU-Bundestagsabgeordnete aus Hamburg, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern
über die jüngsten Entwicklungen in Sachen Elbe. „Die neueste Nachricht aus dem Ministerium lautet, dass mit der Fertigstellung des Gesamtkonzepts Elbe bis zum Jahresende zu rechnen ist“, sagte Jürgen Klimke. Das sei mit Blick auf den wachsenden Hinterlandverkehr der Häfen in Hamburg auch dringend nötig, erklärte der Hamburger Abgeordnete. Doch zum Konzept gehöre noch weitaus mehr. So sei zu klären, in welchem Verhältnis der
Schiffsverkehr auf dem Elbe-Seiten-Kanal zu dem auf der Elbe selbst stehe. Auch der Hochwasserschutz besitze eine enorm große Bedeutung. Klimke verwies darauf, dass nach den dringendsten Arbeiten, die nach der Elbeflut
2013 anstanden, nun weitere Projekte in Angriff genommen werden, mit deren Hilfe dem Fluss mehr Rückzugsraum gegeben werden soll. In dieser
Frage sei man sich auch mit den Naturschützern weitgehend einig, versicherte der Abgeordnete.
„Doch beim Gesamtkonzept geht es um weitaus mehr als nur um die verbesserte Schiffbarkeit“, ergänzte der Steineke, CDU-Bundestagsabgeordneter für die Prignitz sowie Ostprignitz-Ruppin. Auch die
kulturelle Entwicklung entlang des Stroms soll stärker vernetzt werden. Als Beispiel nannte Klimke „profilierte, jährlich wiederkehrende Veranstaltungen, also Festivals“. Das war das Stichwort für den Gastgeber. Unternehmer
Lutz Lange pries die Elblandfestspiele als kulturelle Veranstaltung von Rang an, die dank der Wiederholungen in den dritten Programmen der ARD deutschlandweit Beachtung fände. „Wir müssen solche Veranstaltungen sammeln, um die kulturellen Identität der Menschen entlang der Elbe zu
stärken“, stimmte Klimke zu. Der Wittenberger Bürgermeister Oliver Hermann verweis darauf, dass die Beseitigung der Engstellen auf der Reststrecke ein Erfordernis sei, von dem auch die touristische Nutzung des Flusses abhänge.
„Ich haben mich mit Vertretern des BUND unterhalten“, sagte das
Stadtoberhaupt. Die haben vorgeschlagen, Kanutourismus anzubieten. Der ist aber für die Elbe wenig geeignet.“ Wenn der Strom wegen Sandbänken im Flussverlauf nicht zu passieren sei, wirke das auch auf die touristische
Schifffahrt. „So gesehen, ist die Forderung nach einer Verlängerung der Buhnen doch gar nicht so groß“, sagte Oliver Hermann. Im Übrigen würde der Fluss trotz der gegenwärtig herrschenden Ebbe im Elbeport von zahlreichen Binnenschiffern für Leerfahrten genutzt. „Das wird aber gar nicht erfasst“, kritisierte Oliver Hermann. In den Statistiken geht es nur um
Tonnage.“ Hennig Fink, als Bevollmächtigter der Handelskammer Hamburg
an der Erarbeitung des Gesamtkonzepts Elbe beteiligt: „Wir kommen sehr nah an die durchgehende Schiffbarkeit von 1,60 Meter an 345 Tagen heran“. Allerdings müsste noch viel getan werden.