Neuruppin. Die Polizisten in Ostprignitz-Ruppin benötigen im Durchschnitt nur 23,07 Minuten von der Bearbeitung eines Notrufes bis zum Eintreffen am Einsatzort. „Sie sind damit die Schnellsten im Land“, sagte gestern Ingo Decker, Sprecher des Potsdamer Innenministeriums. Im Landesdurchnitt
sind die Beamten nach 25,44 Minuten am Einsatzort. Decker korrigierte damit einen Fehler, der bei einer Antwort von Innenminister Karl-Heinz Schröter
(SPD) auf eine parlamentarische Anfrage des Landtagsabgeordneten
Thomas Jung von der Alternative für Deutschland (AfD) entstanden war.
Schröter hatte am Wochenende erklärt, dass die Polizei in Ostprignitz-Ruppin im Schnitt 27,39 Minuten bis zum Einsatzort benötigen würde. Damit wären die Beamten der Neuruppiner Polizeiwache die langsamsten im Land. „Das ist aber nicht so“, betonte gestern Ministeriumssprecher Decker. Vielmehr habe es „ganz offensichtlich einen menschlichen Fehler“ gegeben. Dabei wurden die Einsatzzeiten der Polizei von Ostprignitz-Ruppin (OPR) und
Oberspreewald-Lausitz (OSL) verwechselt. „Das tut uns leid“, so Decker.
Demnach braucht die Polizei in Oberspreewald-Lausitz mit durchschnittlich 27,39 Minuten am längsten in Brandenburg, um nach dem Notruf zum Einsatzort zu gelangen. „Es gibt also in Ostprignitz-Ruppin keinen Grund zur Sorge oder Aufregung“, betonte der Ministeriumssprecher. Diese hat es bereits gegeben. Der Neuruppiner CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke forderte am Montag, dass das Land „umgehend“ prüfen müsse, wie die Einsatzfristen der Polizei nach Notrufen in Ostprignitz-Ruppin „deutlich verkürzt werden können“. Der Jurist erinnerte daran, dass schon der Rettungsdienst im Landkreis nicht der schnellste ist. Vielmehr sind die Retter in Ostprignitz-Ruppin sogar das Schlusslicht beim Einhalten der Hilfsfristen im Land (die MAZ berichtete). Wenn jetzt auch noch die Polizei vor Ort die langsamste im Land sei, könnte bei den Bürgern der Eindruck aufkommen, „dass die Landesregierung keinen Wert auf den ländlichen Raum legt“. Die
geplante Kreisreform mit noch größeren Einheiten lasse daher Schlimmes erahnen. Steineke reagierte gestern erleichtert, als er von der MAZ vom Fehler im Innenministerium erfuhr. „Das ist ja ein Ding.“
Viele Beamte der Polizeidirektion Nord in Neuruppin hatten schon am Montag an den vom Innenministerium veröffentlichten Zahlen gezweifelt. Doch zum
einen wusste niemand, wann wer und wie die Daten ermittelt hat; zum anderen konnte nur das Innenministerium den eigenen Fehler korrigieren. Das hat Sprecher Ingo Decker gestern übernommen. Allerdings wäre es ihm lieber
gewesen, damit noch einen Tag zu warten. Grund: Erst sollten der Fragesteller, der AfD-Mann Jung, sowie der Potsdamer Landtag über die Verwechslung informiert werden.