Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
18.11.2015, 09:07 Uhr | Ruppiner Anzeiger 18.11.2015 / Andreas Wendt

Sturzflug in den Tod
Um Greifvögel vor Kollisionen auf der A 14 zu schützen, wird der Mittelstreifen zur mäusefreien Zone

Karstädt (MZV) Eins der größten Verkehrsprojekte in Deutschland, der Lückenschluss auf der A 14 zwischen Schwerin und Magdeburg, kommt nur
schleppend voran. Schuld daran sind auch Umweltauflagen wie ein mäusefeindlicher Mittelstreifen, der Greifvögel nicht in Versuchung und Gefahr bringen soll. Maßnahme G1/V(M) aus dem 84-seitigen Planfeststellungsbeschluss zum Neubau des Autobahnabschnitts zwischen
Karstädt (Prignitz) bis zur Landesgrenze nach Mecklenburg-Vorpommern ist mit dem Titel „Kollisionsgefahr für Greifvögel und Eulen“ überschrieben. Ein nicht zu unterschätzendes Thema, wie Axel Heinzel-Berndt vom Landesverband des BUND weiß: „Die Greifvögel lauern am Rand der Autobahn auf Beute. Wird eine Maus auf der Autobahn überfahren, wird sie vom Mäusebussard von der Fahrbahn geholt – aber der Greifvogel könnte dabei selbst überrollt werden.“ Beim Neubau der 1,3 Milliarden Euro teuren A 14 in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bemüht
sich die Projektmanagementgesellschaft Deges als Generalauftragnehmer,
Verkehr und Umwelt unter einen Hut zu bekommen. Fakt ist: Die Mäuse
bringen Mäusebussard & Co. in Versuchung und müssen von der Autobahn ferngehalten werden. Deshalb beschreibt Maßnahme G1/V(M) detailliert, wie
die „Minderung der Kollisionsgefahr für Greifvögel und Eulen durch Mäusevergrämung im Mittelstreifen“ in der Prignitz umzusetzen ist.
Der Bereich zwischen den Leitplanken vor und nach der Löcknitzbrücke wird versiegelt und „mit undurchdringlichen und möglichst sichtdichten, gutwüchsigen Straucharten“ bepflanzt. Die Bankette der Mittelstreifen
dagegen werden lediglich mit Schotter verdichtet, „damit Mäuse keine Gänge
graben können“, wie es im Planfeststellungsbeschluss heißt. „Um zu verhindern, dass sich Mäuse in der Mitte der Autobahn ansiedeln, muss man ihnen die Deckung nehmen und dafür sorgen, dass sie sich nicht
einbuddeln können“, sagt Oliver Wendenkampf, BUND-Landesgeschäftsführer in Sachsen-Anhalt. Was – wenn es funktioniert – zur Folge hat, dass der Bussard am Rand, aber nicht auf der Mitte der Autobahn auf Jagd geht und weniger Tiere dem Verkehr zum Opfer fallen. „Greifvögel
werden massenweise überfahren“, weiß der Brandenburger BUND-Experte Heinzel-Berndt, ohne dies mit konkreten Zahlen belegen zu können. Doch es geht noch um mehr als Mäuse und Greifvögel. „Bei diesem Referenzprojekt geben wir 20 bis 25 Prozent für den Artenschutz aus, das ist extrem viel Geld“, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke aus der Prignitz. Fledermausüberführungen mit Wildquerungsfunktion,
fischottergerechte Querungsbauwerke, Grünbrücken sowie Amphibienund
Otterleiteinrichtungen zählt die Planfeststellung für die A 14 auf. „Bei diesem Projekt haben wir so viel wie nie für die Tierwelt ausgegeben“, sagt Steineke.
Eine Garantie für Leib und Leben von Mensch und Tier ist das staatliche Präventionsprogramm trotzdem nicht. Im bayerischen Würzburg krachte einem Pkw-Fahrer auf der Autobahn im Mai dieses Jahres ein Kaninchen im
freien Fall in die Frontscheibe. Das fliegende Kaninchen war zuvor Beute eines Bussards – und von diesem wieder fallen gelassen worden.