Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
22.10.2015, 11:02 Uhr | Der Prignitzer 22.10.2015 / Martina Kasprzak

Neue Verträge mit den Molkereien
Milchbauern aus der Gemeinde Karstädt trafen sich bei der Landgenossenschaft Pröttlin zur Gesprächsrunde

PINNOW „Wir Bauern alleine bekommen das nicht mehr hin. Wir brauchen die Unterstützung der Gesellschaft. Der ländliche Raum lebt von der
Landwirtschaft“, so der Glövziner Milchbauer Arnold Blum auf der Gemeindevertretung in Karstädt und er bat die Abgeordneten darum, sich zur
Problematik der Milchpreise zu positionieren und beim Land bzw. Bund eine Petition einzureichen. Die Gemeindeverwaltung bereitet einen entsprechenden Beschluss für die nächste Sitzung Anfang November vor.
Bürgermeister Udo Staeck nahm Blums Bitte gleich zum Anlass, dazu eine Gesprächsrunde mit weiteren Landwirten aus der Gemeinde Karstädt
zu organisieren und auch den Bundestagsabgeordneten Sebastian Steineke (CDU) dazu einzuladen. So traf man sich am Dienstagvormittag in der
Milchviehanlage Pinnow der Landgenossenschaft Pröttlin eG. Geschäftsführer Heinz-Uwe Jaap führte die Gäste erst noch durch den Betrieb. In jüngster Vergangenheit investierte die Landgenossenschaft rund zwei Millionen Euro und das soll noch nicht das Ende gewesen sein. „Wir wollen das Tierwohl weiter verbessern. Doch da werden an uns enorme
Bedingungen gestellt. Obwohl wir aufgrund von Zusammenfassung die Tierhaltung hier in Pinnow erhöhen wollen, soll die Geruchsimmission um 15 Prozent gesenkt werden“, erklärte Jaap. Nach dem Rundgang stieg man in die Diskussion ein. Die Milchbauern kämpfen derzeit um jeden Cent. Derzeit liegt der Milchpreis bei 28,5 Cent pro Liter, ein leichter Anstieg – vor Wochen lag er noch um die 26 Cent. Auch Prignitzer Landwirte haben in der Vergangenheit immer wieder betont, dass sie 50 Cent benötigen, um kostendeckend produzieren zu können. Fakt ist, dass sich die Milchpreise dem Weltmarkt wie in den USA anpassen.
„Seit dem Wegfall der Milchquote zum 31. 3. hat sich der Druck auf den Preis erhöht. Aber trotzdem habe ich noch von niemanden gehört, der die
Milchquote wieder einführen will. Ein Problem ist das Ungleichgewicht
zwischen Einzelhandel und Molkereien“, so Steineke. Der Bundestagsabgeordnete sprach aber auch immer wieder die kartellrechtliche
Seite in Bezug auf den Einzelhandel an. Fakt ist auch, dass eine Überlieferung an Milch da ist. „Entscheidend ist da das Embargo gegen Russland und, dass China nichts abnimmt. Eine Exportinitiative wäre angebracht, um die Mengen unterzubringen“, meinte Heinz-Uwe Jaap und er führte weiter aus, dass Landwirtschaftsbetriebe in guten Zeiten Rücklagen
bilden sollten. Dann müsse man nicht, in schlechten Zeiten Überbrückungskredite aufnehmen. Allerdings seien die guten Zeiten längst nicht so lang wie die schlechten. Ein weiteres Problem: Die Qualität sei auf der Strecke geblieben, was sehr schade sei. Dem Verbraucher sei diese
egal. „Wir haben die niedrigsten Preise für Lebensmittel in Europa“, sagte Steineke. In der Prignitz, im Land und selbst im Bund könne man diese
Problematik nicht lösen, aber der Bund könne damit an Europa herantreten. Lothar Pawlowski von der Agrargenossenschaft Karstädt gab als Lösung vor Ort zu beachten: „Wir müssen in unseren Verträgen mit den Molkereien
zum Beispiel Kündigungsfristen, Anbindungspflicht etc. neu aushandeln. Die genossenschaftlichen Molkereien müssen da Vorreiter sein. Wir kritisieren das unabgestimmte Verhandeln der Molkereien mit dem Einzelhandel.“
Und leider sei das Vertrauen in die Landwirtschaft verloren gegangen. Man müsse das Image aufpolieren. Das fängt in den Dörfern an. „Der Verbraucher
ist schlecht informiert. Wir müssen da mehr Aufklärung betreiben. Ich bin
viel mit Schulklassen in landwirtschaftlichen Betrieben unterwegs. Der größte Aha-Effekt kommt von Eltern und Lehrern“, berichtete Marina Maaß von Landaktiv. Sie fordert zudem, dass Werbung für eine Berufsausbildung nicht
erst ab der 7. Klasse erfolgt, sondern bereits in der Grundschule, um Nachwuchs für die Landwirtschaft gewinnen zu können. Martina Kasprzak