Ostprignitz-Ruppin (RA) Der demografische Wandel wird die Pflegekassen künftig nicht belasten. Davon geht Karl-Josef Laumann (CDU), Staatssekretär
im Bundesgesundheitsministerium, aus: „Ich teile Untergangs-Szenarien nicht“, stellte er beim Pflegeforum am Dienstagabend klar, zu dem der CDU-Kreisverband in die Kliniken eingeladen hatte. Anders als zum Beispiel bei der Rentenkasse sei das Zeitfenster der Auszahlungen aus der Pflegeversicherung sehr begrenzt. Anders gesagt: Wer Leistungen erhalte, dann oft nur über wenige Jahre. „Im Durchschnitt sind es drei“, sagte Laumann. Damit ergebe sich zum Beispiel ein anderes Bild als bei der
Rente, deren Staatstopf dauerhaft enorm belastet werden dürfte, wenn die Babyboom-Generation der Jahrgänge 1961 bis 1965 in den Ruhestand geht. Allerdings setzte auch Laumann eine Zeithürde: Mit dem jetzigen Beitragssatz werde man „bis 2022/23 hinkommen“, sagte er. Dennoch bleibt die Pflege künftig ein wichtiger Aspekt der Politik: Zwei bis drei Prozent
mehr pflegebedürftige Menschen pro Jahr gibt es in Deutschland.
Pflegedienste sind in gewisser Weise eine Boom-Branche, aber auch eine mit vielen Problemen behaftete. Die Barenthinerin Monika Förster, Inhaberin eines Pflegeservices, gab ein Beispiel: Um für einen bettlägerig im Sterben Liegenden ein geeignetes Bett zu bestellen, vergehen mindestens zehn Tage, bisweilen drei Wochen. In dieser Zeit heißt es für ihre Mitarbeiter
Schwerstarbeit zu verrichten. Förster spricht von Auswüchsen der Beschaffung: Der Arzt muss ein Rezept schreiben, damit der Lieferant tätig werden kann, aber zudem muss die zahlende Kasse noch eine Bestätigung
schreiben. Damit vergeht viel Lieferzeit. Auch Florian Duwe vom Seniorenwohnpark Neuruppin bestätigte, dass ihm solche Fälle „sehr bekannt“ vorkommen. Laut Dr. Clemens Kuhne, Vertreter der Innungskrankenkasse (IKK), könne das nicht verallgemeinert werden: Jeder
Kostenträger habe da offenbar seine eigenen Regeln. Und Försters Kasse sei da „offenbar so aufgestellt“, dass sich Zeiten verlängern können. Kuhne plädierte dafür, den Pflegern mehr Kompetenzen zu geben statt auf den Arztvorbehalt zu setzen, bis die Kasse etwas zahlt. Doch „eigentlich darf das nicht so lange dauern“, gibt Laumann zu. Den Arztvorbehalt zu untergraben,
würde aber wenig helfen: „Ein Rezept auszustellen, geht ja schnell.“
Die Debatte darum war ein offensichtliches Beispiel dafür, wie schwierig es für die große Politik ist, Pflege von oben so durchzuorganisieren, dass sie
funktioniert. Tatsächlich ist es immer noch so, dass der Pflegeberuf
unterschiedlich bezahlt wird. Die Politik kann keinen direkten Einfluss darauf nehmen, wie die Dienste ihre Mitarbeiter bezahlen, so Laumann. Förster machte allerdings deutlich, dass sie „gerne mehr Lohn für ihre Mitarbeiter zahlen“ würde. Allerdings sei gerade auf dem Land der Aufwand deutlich höher. „Die Bezahlung im Pflegedienst muss besser in den ländlichen Bereich eingepasst werden“, fand sie. Ebenfalls Probleme gibt es für viele noch in der überbordenden Bürokratie. Darauf verwies die im Pflegedienst tätige Bad Wilsnackerin Jana Wietz: „Die Dokumentationsarbeit frisst unsere Fachkräfte auf“, sagte sie. Allerdings sei diesbezüglich schon einiges getan worden, so Laumann. So habe das Minsiterium zweieinhalb Millionen Euro in die Hand genommen, um neue, vereinfachte Dokumentationen zu schaffen. Sie liegen jetzt auch vor. „Aber erst 7 000 Pflegeeinrichtungen und damit ein Drittel von allen nutzen sie“, sagte Laumann. Offenbar verfahren die Dienste nach dem Motto: Erst einmal gucken, ob es bei den anderen funktioniert; dann machen wir es ebenfalls. Dass die neuen Dokumentationen in so kurzer Zeit schon so viele erreicht haben, stimmte ihn eher optimistisch als missmutig: „Diese Zahl ist jetzt schon so groß, dass sich das neue Verfahren Schritt für Schritt durchsetzen wird.“