Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
05.10.2015, 11:33 Uhr | Ruppiner Anzeiger 5.10.2015 / Daniel Dzienian

Freiheit für alle
Ex-Bischof Huber spricht zum Tag der Deutschen Einheit in Lindow

Lindow (dd) Bischof Huber kann sich noch gut an ein Gespräch am Tag der Deutschen Einheit vor 25 Jahren erinnern. „Ein junger Sachse hatte sich
nach Berlin aufgemacht. Er erzählte mir, bis vor kurzem hatte er damit gerechnet, für die Renovierung seines geerbten Hauses werde er wohl 43 Jahre brauchen. Nun denkt er, geht das wohl schneller.“ Wolfgang Huber, der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, hielt am Sonnabend zum Tag der deutschen Einheit die Festrede bei der größten Gedenkfeier im Kreis in der Lindower Kirche. Huber lebt, seit er sich im Ruhestand befindet, mit seiner Frau in dem Ort. An der Veranstaltung
nahmen neben rund 200 Zuhörern auch der CDU-Bundestagsabgeordnete
Sebastian Steineke sowie die Amtsdirektoren aus Lindow, Danilo Lieske, und Gransee, Frank Stege, teil. Huber erkannte in seiner Ansprache an, dass viele Menschen nach dem Ende der DDR und der Wiedervereinigung das
Gefühl hatten, ihr Lebenswerk sei ihnen genommen worden. Auch sagte er, sei zwar vieles erreicht worden. Niemand könne aber im Ernst meinen, wenn er dies anerkennt, dass es keine Herausforderungen mehr zu bewältigen gebe. „Das Geschenk der Freiheit ist mit einer Aufgabe verbunden“, so der
Kirchenmann mit Hinblick auf die aktuelle Flüchtlingskrise, vor deren Bewältigung Europa steht. „Man muss auch Anderen die Freiheit einräumen, die man selbst hat, vor allem jenen, die versuchen der Unfreiheit zu entkommen.“ Der ehemalige Bischof erklärte zudem, auf Dauer werde Europa dem Ansturm von Flüchtlingen nur gewachsen sein, wenn auch die
Lebensbedingungen in den Herkunftsländern verbessert würden, wenn vernünftig zwischen politischem Asyl und dem Willen nach Zuwanderung unterschieden und religiöse Toleranz geübt werde. Der Geistliche zitierte
aus Berthold Brechts „Kinderhymne“ über „ein gutes Deutschland“, die ihn immer wieder zum Nachdenken bringe.
Lindows Pfarrer Dirk Bock erinnerte in seiner humorvollen Kurzpredigt daran, dass er immer mal wieder von DDR Nostalgikern höre. „Das ist aber so der Wunsch nach einigen guten Dingen, die es in der DDR gab, gepaart mit der harten Währung von später. Dieses Land hat es aber niemals gegeben“, erinnerte Bock, ergänzt um einen Witz: „Wissen Sie noch, wie man den Wert
des aus Aluminium bestehenden DDR-Pfennigs erhöhen konnte? Man bohrte vier Löcher rein und verkaufte ihn als Knopf.“ Die Frage könne heute
nur sein, wie die Menschen das Land, in dem sie heute leben, weiter verbessern könnten, so der Pfarrer. Und auch er sagte es zum Flüchtlingsproblem, der nächsten großen Herausforderung für die Deutschen. „Es geht nicht, dass der eine Unterkunft für Menschen einrichtet und der andere sie anzündet. Das ist keine Einheit.“ Eingerahmt wurde der Abend mit mehreren, internationalen und somit fremdsprachigen Liedern des Märkischen Jugendchores sowie der Performance einer Truppe um die Neuruppiner Tanzpädagogin Grit Maruschke mit alten DDR-Dederon-
Beuteln zu dem Lied „Sag mir wo du stehst“. Nach dem Gebet „Vater unser“ sangen die Anwesenden auch noch die erste Strophe der Deutschen Nationalhymne. Anschließend lud die Feuerwehr vor der Tür zum Bratwurst-Essen und Glühwein-Trinken ein.