Neuglienicke. Bereits im nächsten Jahr könnte es vereinzelte Konzerte
der Kammeroper Schloss Rheinsberg in der Kyritz-Ruppiner Heide geben. „Zeigt uns einen sicheren Platz, auf dem wir einen Flügel stellen können. Dann bringen wir auch noch zwei, drei Sänger für ein kleines Konzert mit“,
sagte gestern Frank Matthus, künstlerischer Direktor der Kammeroper, bei der dritten Heidekonferenz. Diese fand im „Kleinen Waldhaus“ in Neuglienicke statt, direkt an der Grenze zum einstigen Bombodrom. Lothar Lankow von der Sielmann-Stiftung, die ein Drittel der Heide betreut, zeigte sich vom Vorstoß des Kammeroper-Chefs angetan. „Das werden wir aufgreifen.“ Immerhin hat die Stiftung mit einem ähnlichen Projekt bereits
gute Erfahrungen gemacht. Dabei sangen Kirchenchöre in der Döberitzer
Heide in diesem Jahr bei einem ökumenischen Konzert. „Das wurde sehr gut angenommen“, betonte Lankow. Er kann sich deshalb vorstellen, dass es die
ungewöhnlichen Konzerte der Kammeroper in der Heide, die mit kurzen Erklärungen zur Geschichte des einstigen Truppenübungsplatzes ergänzt wird, sogar einmal im Quartal geben wird. Dann könnten die Besucher die Heide auch zu verschiedenen Jahreszeiten erleben, so Lankow. Das Gros des Erlöses aus den Konzerten will Matthus spenden, damit weitere Wege nach Munition abgesucht, beräumt und damit für Touristen erschlossen werden können. „Der Bund steht hier in der Pflicht“, sagte Kirsten Tackmann
(Linke), Bundestagsabgeordnete aus Tornow bei Kyritz. Der Bund habe 220 Millionen Euro für die militärische Nutzung der Heide ausgeben wollen. So sollten auf dem knapp 12 000 Hektar großen Areal ein Luft-Boden-Schießplatz sowie eine Garnison mit bis zu 800 Soldaten entstehen. Aber für
die zivile Nutzung des einstigen Bombodroms gebe es lediglich „ein Taschengeld“, so Tackmann. Dabei habe der Bund durch sein Festhalten an den Militärplänen eine zivile Nutzung der Heide fast 20 Jahre blockiert. Tackmann will versuchen, mit ihren Abgeordnetenkollegen Sebastian Steineke (CDU) aus Neuruppin und Dagmar Ziegler (SPD) aus Wittenberge
Druck im Bundestag zu machen.
Dieser ist ebenfalls nötig, um die in der Heide liegenden Kugelbomben zu beseitigen. Diese Art von Bomben, kleiner als Tennisbälle, sind höchst gefährlich und international geächtet. In ihnen befinden sich gut 100 Stahlkugeln sowie 100 Gramm Sprengstoff. Dieser sorgt dafür, dass die Stahlkugeln mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1200 Metern je Sekunde alles durchschlagen, was in ihrer Nähe ist. Der tödliche Radius liegt bei
knapp 100 Metern. 14 dieser Kugelbomben haben Mitarbeiter der
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), der die Heide gehört, bereits auf dem Areal gefunden. Rainer Entrup von der Bima hofft, dass das betroffene Gelände ab Frühjahr 2016 mit ferngesteuerten Räumpanzern abgesucht werden kann. Die Ausschreibungen dafür werden gerade vorbereitet. Für Entrup sind die Kugelbomben das derzeit „größte Problem“ in der Heide, das die Bima wohl in den nächsten zwei, drei beschäftigen werde. Mindestens so lange wird es wohl auch dauern, bis die Pläne für einen Rundwanderweg bei Lutterow umgesetzt werden können. Zwar gibt es eine erste Machbarkeitsstudie dafür, die Klaus Günther gestern vorstellte. Demnach werden die Kosten für den Rundweg samt Schranken und Biotoiletten mit 150 000 Euro veranschlagt. Jedoch fehlen dabei noch die Kosten für das Beräumen einen Teil des Weges in der Heide. Bima-Mann Entrup schlägt deshalb vor, dass nur ein Teil des Weges über die Heide führt und der andere durch den Wald. Das könnte schneller klappen.