Neuruppin – Auf heftige Kritik stößt die vermeintliche Absage von
Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) an der direkten
Anbindung des Prignitz- Expresses RE 6 ins Berliner Stadtzentrum bei der CDU. „Das Land darf sich nicht von der Fläche verabschieden“, warnten gestern unisono der Neuruppiner Bundestagsabgeordnete Sebastian
Steineke und der Wittstocker Landtagsabgeordnete Jan Redmann. Außerdem sei es „schlichtweg falsch“, dass das Millionenprojekt
scheitere, wenn der Bund nicht mehr Geld dafür bereitstelle. Vielmehr habe der Bund die Regionalisierungsmittel an die Länder gerade erst erhöht. Gleichwohl sei „eine verlässliche finanzielle Unterstützung der Lander ...
weiterhin erforderlich“, sagte Steineke. „Brandenburg darf sich seiner Verantwortung hier nicht entziehen.“ Die Bahn hat laut Redmann sogar
„ein großes Interesse an der Direktanbindung ins Berliner Zentrum“.
Allerdings liege das Projekt nicht allein in der Hand des Konzerns, sondern müsse vor allem von der Politik geklärt werden. Denn das Gros der
Arbeiten muss auf Berliner Stadtgebiet geleistet werden. So müssen dort mindestens zwei Brücken saniert sowie zwischen Schönholz und Tegel ein
zweites Gleis gebaut werden. Für die Kosten sollen nach derzeitigem Stand allein Berlin und die Bahn aufkommen.
Wirtschaftsminister Gerber hatte indes bei seinem Besuch am Mittwoch in Neuruppin erklärt, dass der Ausbau des Schienennetzes für die Direktanbindung des RE 6 nur möglich sei, wenn der Bund die sogenannten Regionalisierungsmittel aufstocke. Zudem hatte er auch sonst jegliches Engagement bei diesem Thema vermissen lassen (die MAZ berichtete). Das war möglicherweise nicht so von ihm beabsichtigt. „Der Minister wollte einfach keine falsche Hoffnungen wecken und darauf hinweisen, dass dieses Thema nicht in seinem Zuständigkeitsbereich fällt“, sagte gestern seine
Sprecherin Andrea Beyerlein. Auch Katrin Lange, Staatssekretärin im Infrastrukturministerium, versuchte die Aussagen von Gerber zu relativieren. Gerber habe eben nicht für ein anderes Ministerium sprechen wollen.
Zugleich versicherte Lange, dass das Land an dem Projekt festhalte. „Wir haben uns abgestimmt mit dem Land Berlin und sind dran.“ Allerdings sei die direkte Anbindung des RE 6 ins Berliner Stadtzentrum „ein dickes Brett,
das wir bohren müssen“. Weitere Gespräche mit allen Parteien sind
demnach im Herbst geplant. „Die Region ist sich mit dem Verkehrsverbund
sowie mit Berlin und Brandenburg einig, dass das Erfolgsmodell RE 6 ausgebaut wird“, betonte ebenfalls Neuruppins Vize-Bürgermeister Arne
Krohn. „Die Langwierigkeit dieses Projektes ist das große Problem“, sagte Landrat Ralf Reinhardt (SPD). Reinhardt und Krohn hatten bei dem Gespräch am Mittwoch darauf verwiesen, dass die Region schon seit mehr als zehn Jahren auf die direkte Bahnanbindung ins Berliner Zentrum wartet
und diese Situation als „heftigen Bremsklotz für die wirtschaftliche
Perspektive“ bezeichnet. Reinhardt räumte gestern ein, dass der
Wirtschaftsminister von diesem Vorstoß wohl etwas überrascht gewesen
sein könnte. Der Landrat will deshalb noch mal mit Gerber sprechen. „Es ging uns nur darum, dass das Wirtschaftsministerium die Bemühungen des Infrastrukturministeriums unterstützt.“