Ostprignitz-Ruppin (zig) Seit Landrat Ralf Reinhardt (SPD) im Amt ist, hat er sich dafür stark gemacht, dass der Regionalexpress (RE 6) direkt nach
Berlin-Gesundbrunnen fährt – statt wie bislang über Hennigsdorf nach Spandau. Für ihn ist es eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit, an der kein Weg vorbei führt. „Die Region krankt zusehends daran“, hatte er beim
Besuch von Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) erklärt. „Es ist für die wirtschaftliche Entwicklung ein heftiger Bremsklotz.“ Der Landrat avisiert eine
Zeit von 40 Minuten, um von der Hauptstadt nach Neuruppin zu kommen – und andersherum. Das sei eine akzeptable Pendelzeit. Solange aber diese Möglichkeit nicht besteht, stoße der Kreis an seine Entwicklungsgrenzen.
Was baulich verändert werden müsste, um die Anbindung zu ermöglichen, steht schon seit vielen Jahren fest. Ein Stück der Strecke müsste ausgebaut werden. Die Kosten dafür kämen zu geringen Teilen von den Ländern
Berlin und Brandenburg. Der Löwenanteil aber könnte mit Mitteln gestemmt werden, die der Bund an die Bahn weiterreicht. Doch trotz angestellter Studien und langjähriger Bemühungen scheint das Vorhaben auf der Stelle zu treten.
Die Ursachen dafür sehen die Beteiligten an verschiedenen Stellen und weisen jeweils die Verantwortung von sich. Während Reinhardt darauf drängt, über die Landesregierung politischen Druck auf Berlin und die Bahn auszuüben, sieht Gerber das Problem eher bei fehlendem Geld. Wenn es nicht eine generelle Aufstockung der Regionalisierungsmittel der Bahn gebe,
sei das Vorhaben nicht zu finanzieren, sagte er. Es sei daher illusorisch,
dass das Problem ohne eine Lösung in der bundesweiten Debatte mit Landesmitteln zu lösen sei. „Es geht aber weniger um die Regionalisierungsmittel als das Machen auf Berliner Seite“, entgegnete Reinhardt. Diese Aussagen hält der CDUBundestagsabgeordnete Sebastian
Steineke für falsch. Bei Gesprächen, die er mit der Bahn geführt habe, habe sich herauskristallisiert, dass diese ein großes Interesse an der Direktanbindung ins Berliner Zentrum hat. Allerdings liege das nicht allein
in der Hand des Konzerns. Vielmehr sei es eine politische Frage, die von der Landespolitik gelöst werden müsse. Für Steineke ist das ein klares Zeichen, dass die Landesregierung die berlinfernen Regionen bereits aufgegeben und sich von der Fläche längst verabschiedet hat. In der Region selbst ist die Bedeutung der Anbindung unbestritten. Der Ist-Zustand bremse die Region seit zehn Jahren, und es werde ohne stärkeren Druck noch weitere zehn Jahre dauern, bis endlich Bewegung in das Thema kommt, befürchtet
Reinhardt. Würde der RE 6, der neben Neuruppin auch Wittstock und
Wittenberge anfährt, schneller in der Hauptstadt sein, sei das immerhin
ein Gewinn für das gesamte Land, erklärte er in seinem Appell an Minister Gerber. Da aber die Bahn sehr widerstrebend agiere, bedürfe es des
Einsatzes der Landesregierung. Auch Dr. Matthias Voth sprach sich bei Gerbers Besuch am Mittwoch für die schnelle Verbindung nach Berlin aus. Voth ist Klinischer Geschäftsführer der Ruppiner Kliniken, die mit mehr als 2200 Mitarbeitern der mit Abstand größte Arbeitgeber der Region sind. „Wir schaffen schon sehr viel mit kommunalen Mitteln“, so Voth. So wurde etwa
die Gründung der Medizinischen Hochschule Brandenburg „Theodor
Fontane“ nur durch Akteure wie die Stadtwerke Neuruppin, die Sparkasse des Kreises und die Kliniken gestemmt. „Aber wir kriegen bestimmte Sachen einfach nicht allein hin. Und uns fehlt nur eins: die schnelle Anbindung.“