Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
16.06.2015, 12:31 Uhr | MAZ - Ruppiner Tageblatt 16.6.2015 / Andreas Vogel

Giftskandal: Abgeordnete sind irritiert
Nun wird wohl erst im nächsten Jahr klar sein, ob das verseuchte Gelände saniert werden muss

Neuruppin – Das ständige Verschieben des Abschlussberichtes zur Sanierungsuntersuchung im Neuruppiner Wohngebiet zwischen Arbeitsamt und Ruppiner See sorgt nicht allein bei den betroffenen Anwohnern für Unmut, sondern auch bei Kreistagsabgeordneten für Irritationen. „Die Anwohner haben berechtigte Sorgen“, betonte gestern Sebastian Steineke (CDU). Die Anwohner waren 2009 vom Landkreis informiert worden, dass
sie ihre Gartenbrunnen nicht mehr nutzen dürfen. Grund: Die Erde und das Grundwasser unter ihren Füßen ist mit leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) verseucht, die krebserregend sein können (die
MAZ berichtete). Gleichwohl ist bis heute unklar, ob und wann das Gebiet saniert wird. Diese „zeitliche Dimension“ bezeichnete Steineke als „schwierig“ – zumal das Ergebnis der Sanierungsuntersuchung eigentlich schon vor zwei Jahren vorliegen sollte. Doch der Bericht wurde immer wieder verschoben. Die Gutachter sprechen von „komplizierten Standortverhältnissen“; Vize-Landrat Werner Nüse (SPD) von Problemen, überhaupt Büros für die Untersuchungen zu finden. „Der Kreis hat scheinbar kein Interesse, schnell zu agieren“, sagte Kay Noeske-Heisinger (Bündnisgrüne). Dem widerspricht der Vize-Landrat. Zwar sei „eine gewisse Brisanz raus“, seit klar ist, dass keine akute Gefahr für die Bewohner besteht.
Doch hätte auch die Bürgerinitiative in den vergangenen Monaten kaum mal nach dem Stand der Untersuchungen gefragt. Das mag daran liegen, dass mit Wilhelm Jacques einer ihrer Protagonisten im September an Krebs gestorben ist und Peter Wuttke, der Sprecher der Initiative, ebenfalls an Krebs erkrankte.
„Die Anwohner müssen endlich wissen, woran sie sind“, sagte CDU-Mann Steineke. Zudem müsse verhindert werden, dass die sogenannten Schadstoffwolken in den Ruppiner See fließen. „Das könnte teuer für den Landkreis werden“, so Steineke. Vize-Landrat Nüse geht davon aus, dass im nächsten Jahr klar sein wird, ob das Wohngebiet saniert werden muss. Bis dahin wollen die Gutachter weitere Proben analysieren. Klar ist, dass ein Teil
der Schadstoffe wohl aus Lösungsmitteln stammt, mit denen russische
Soldaten in der Trenckmannstraße jahrelang Panzer gereinigt haben. Die anderen Gifte sollen von einem „Abzugsschaden“ stammen: Demnach wurden beim Abzug der Truppen Treibstoff und Kerosin verkippt. Das Umweltamt
des Kreises wusste spätestens seit 1999 davon, als das Arbeitsamt gebaut
wurde. Dennoch konnte das Wohngebiet entstehen.