Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
21.05.2015, 10:13 Uhr | Ruppiner Anzeiger 21.5.2015 / Dietmar Stehr

Die etwas andere Mobilisierung
Neonazi-Video nachgestellt – als Werbung für ein weltoffenes Neuruppin

Neuruppin (dst) Am Anfang war eine SMS. Sie enthielt einen Link auf die Videoplattform Youtube, wo kurz zuvor ein Filmchen hochgeladen worden
war, das zur Teilnahme am „Tag der Deutschen Zukunft“ (TddZ) aufrief – dem Abschluss einer Kampagne der rechtsextremen Szene, der Neuruppin am
6. Juni einen Aufmarsch mehrerer hundert Neonazis bescheren soll. „Das müsste man eigentlich nachstellen“, hieß es in der Antwort-SMS, woraufhin „Die Idee ist geil“ zurückkam. Getippt haben diese Kurznachrichten Christian Juhre und Marko Petruschke am Montagmittag. Am Mittwochmorgen hatte die spontane Idee des Veranstaltungstechnikers und des Kameramanns
konkrete Züge angenommen. Da wurden die letzten Statisten zusammentelefoniert, um das Mobilisierungsvideo der Rechten nachzustellen. Allerdings mit neuen Inhalten und natürlich anderen
Darstellern. Statt des mecklenburgischen NPD-Landesvorsitzenden und
-Bundesgeschäftsführers Stefan Köster etwa erklärte sich Neuruppins
Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) bereit, zur Teilnahme am 6. Juni aufzurufen. Nur lädt er in der Adaption des TddZ-Videos auf den Schulplatz ein, wo das Aktionsbündnis „Neuruppin bleibt bunt“ ein großes Straßenfest ausrichtet.
Die anderen tragenden Rollen im Film von Juhre und Petruschke
übernehmen zwei Bundestagsabgeordnete aus der Region: Sebastian Steineke (CDU) und Kirsten Tackmann (Die Linke). Sie ersetzen Beatrice
Koch, die als führender Kopf bei den vom Verfassungsschutz beobachteten
Freien Kräften Neuruppin/Osthavelland gilt, und Pierre B., der ebenfalls den
Freien Kräften zugerechnet wird. Er soll außerdem im vorigen Jahr an einem
Übergriff auf einen Wahlhelfer der Linken in Neuruppin beteiligt gewesen sein – ebenso wie der Anmelder des TddZ – der wenig später zum NPD-Stadtverordneten gewählte Dave Trick. Die Ermittlungen hierzu laufen noch.
Statistenrollen im nachgestellten Video übernahmen unter anderem
Neuruppins Kulturmanager Mario Zetzsche sowie der SPD-Stadtverordnete Nico Ruhle. Der fertige Kurzfilm ging noch am Mittwochabend online. Zu finden ist es auf der von Juhre und Petruschke betriebenen Facebook-Seite „Neuruppiner Bilderbogen“ sowie auf dem gleichnamigen Youtube-Kanal.
Dort finden sich auch die Aufrufe prominenter Musiker und Politiker zur Teilnahme an den Gegenveranstaltungen um TddZ. Nach Sebastian Krumbiegel, dem Frontmann der Prinzen, oder Toni Krahl von „City“ stellte sich zuletzt auf Gregor Gysi von der Linken dafür zur Verfügung.