Rheinsberg (RA) Mit viel Vertrauen in ihre eigenen Konstruktionen stachen am Sonnabend beim Rheinsberger Hafenfest fünf Mädchen und Jungen in See. Bei der fast legendären Pappbootregatta traten sie mit selbstgebastelten Schwimmobjekten an. Diesmal ging niemand baden. Siegerin war am Ende die zwölfjährige Stefanie Hellblau. Ihr Pappboot war am Sonnabend auch einer der Hingucker an der Rheinsberger Uferpromenade. Dort hatten kurz vor dem Spaßwettbewerb alle Mädchen und Jungen ihre Wasserfahrzeuge ausgestellt – nicht nur für das Publikum, sondern vor allem auch für die Jury zu der Rheinsbergs Ortsvorsteher Sven Alisch (SPD), Künstler Tony Torillhon, Tourismus-Managerin Sigune Schmidt-Ulbrich und der Neuruppiner Bundestagsabgeordnete
Sebastian Steineke (CDU) gehörten. Denn neben der schnellsten Zeit auf dem Wasser zählen auch Bauweise und Gestaltung der Boote.
Und dass so ein Boot nicht im Handumdrehen an einem Nachmittag
zusammengekleistert ist, wurde nicht nur beim Anblick der schwimmenden Kunstwerke deutlich. Alle Teilnehmer hatten zwischen sechs und neun Monaten an ihren Renngeräten gearbeitet – natürlich mit Unterstützung. Denn alle sind entweder Mitglied im örtlichen Wasserwanderclub oder im Marineclub. „Wichtig ist, dass die Boote nicht zu schmal sind, sonst brechen sie so schnell durch“, verriet einer der erwachsenen Helfer. Von Bedeutung sei zudem der Schwerpunkt des Bootes. Stimmt der nämlich nicht, liegt der Kapitän schneller im Wasser als ihm lieb ist. Dass ein Boot aus Pappe trotz dieser Konstruktionsgeheimnisse
nicht gleich aussehen muss, wie ein Kanu oder ähnliches, verblüffte selbst das Publikum. Während sich Stefanie Hellblau und Tobias Erdmann eher an klassischen Booten orientiert hatten, fertigte die zwölfjährige Celin Reiffler einen Schwimmkörper an, der aussah wie der Froschkönig. „Ich hatte einfach die Idee und habe das dann so gemacht“, sagte die Zwölfjährige, die mit viel Handarbeit nicht nur den Frosch formte, sondern diesen auch noch komplett grün angemalt hatte. Maximilian Fahrig, der im Unterschied zur Konkurrenz
zum ersten Mal an der Regatta teilnahm, hielt es eher schlicht und fertigte eine Art Surfbrett an. Auch Lisa Marie Hellblau entschied sich für eine flache Form und baute ein Schwimmbrett in Form eines Kontrabasses. Nachdem der Startschuss gefallen war, nahmen sich die Pappboote nicht viel. Jedes
trug seinen Erbauer sicher ins Ziel.Allerdings ließen sie sich unterschiedlich schwierig manövrieren. Am meisten kämpfen musste Maximilian Fahrig auf seinem Surfbrett. Er konnte kaum Fahrt aufnehmen, da er viel Kraft brauchte, sich oben zu halten. „Egal, Hauptsache ich war dabei“, sagte er im Ziel. Alle
anderen hatten es etwas leichter – außer, dass ihnen beim Paddeln die Krone des Froschkönigs oder ein angedeuteter Schornstein im Weg war.
Der 14-Jährige Tobias Erdmann vom Marineclub rauschte sogar in einer Rekordzeit von 58 Sekunden ins Ziel. Stefanie Hellblau war nur ein wenig langsamer. Weil sie ihr Aquariumboot aber aufwändiger gestaltet hatte als der 14-Jährige, trug sie knapp vor Tobias Erdmann auf Rang zwei den Sieg nach Hause. Lisa Marie Hellblau und Celin Reiffler landeten auf dem dritten Platz und auf dem Vierten Maximilian Fahrig. Neben Pokalen gab es für die Teilnehmer auch Preise – vom Eis-Gutschein bis hin zur Paddeltour für 20 Personen. Ortsvorsteher Alisch wünscht sich für das nächste Jahr und das
20. Jubiläumsfest wieder ein größeres Starterfeld bei der Pappbootregatta
– notfalls auch mit Vertretern der lokalen Zeitungen, die Rheinsberg-Schlagzeilen zu Booten verarbeiten. „Die werden dann besonders groß – bestimmt so wie ein Festzelt“, vermutet Sven Alisch.