Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
18.05.2015, 15:00 Uhr | MAZ - Ruppiner Tageblatt 11.5.2015 / Regine Buddeke

Der Kontrabass im See
Zum 19. Hafenfest in Rheinsberg konnten die Besucher schwimmende Kuriositäten bewundern

Rheinsberg – Die Wikinger haben ihre Schlacht geschlagen. Mit ein paar Bierchen stehen die Männer mit den behörnten Helmen am Ufer und genießen die Sonne. Gerade sind sie noch in spritzender Gischt über den Rheinsberger Grienericksee gerast – nicht im Wikingerschiff, sondern im Kutter. Zehn Ruderer und ein Steuermann haben Platz in dem hölzernen
Boot. Zum nunmehr neunten Mal lädt der Marineclub Rheinsberg anlässlich
des Hafenfestes zum Kutterrennen. Die zwölf Crews kommen zum Teil von weither. Die Havel-Wikinger aus Ketzin sind zum ersten Mal dabei, ebenso die Anklamer Hanse-Haie, das Team aus Eberswalde, die Rostocker Oldies,
bei denen man erst ab 50 Jahren mitrudern darf. Die Mannschaften aus Bremen und Bernburg sind Wiederholungstäter und liefern sich gern ein Rennen mit den Gastgebern, die ihre Vorjahrestitel verteidigen wollen. Ein paar Meter weiter liegen fünf Pappboote, gebastelt von den jugendlichen Teilnehmern der spektakulären Pappbootregatta. Das Teilnehmerfeld ist etwas kleiner als in den Vorjahren, dennoch ist es ein Hingucker, was die Starter aus Pappe und Papier, wasserlöslichem Kleber und Farbe gebastelt
haben. Das Ganze soll auch noch schwimmen, samt Kapitän, der die kurze Strecke im See natürlich in Bestzeit absolvieren möchte. Nicht selten kommt es vor, dass der Seemann samt seinem in Auflösung begriffenen Boot aus dem Wasser gefischt werden muss. Deshalb gibt es die Schönheitspunkte auch vorweg.
Zur fünfköpfigen Jury gehören auch der Rheinsberger Künstler Tony Torillhon, Rheinsbergs Ortsvorsteher Sven Alisch sowie der Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke. Viele Besucher haben
sich am Bollwerk eingefunden, als das erste Boot, der Froschkönig, zu Wasser gelassen wird. Schnell hüpft Celin hinein und paddelt, was das Zeug hält. Zwei links, zwei rechts? Das Fröschlein eiert ein wenig herum, Celin ändert die Schlagzahl und kommt glücklich am Bootssteg an. „Ich habe gedacht, ich flieg ins Wasser“, sagt sie. Nach ihr versucht sich Tobias auf seinem winzigen Surfbrett, auch er kommt ins Ziel, wenngleich nass. Dann die Experten: Die Geschwister Himmelblau sind schon ewig mit dem Pappboot-Virus infiziert. Lisa-Marie besteigt ihren flachen Kontrabass. Zwei Monate hat sie daran gebaut. Schwester Steffi stakt ihr kunterbuntes Aquarium durch die Wellen, legt eine neue Bestzeit vor. Die indes sofort geknackt wird – der 15-jährige Tobias steuert sein riesiges Iglu so schnell übers Wasser, dass er am Ende den Anlegesteg rammt. „Versenkt“, brüllt
er und reißt den Arm hoch. Unter einer Minute ist er geblieben. Tobias’
Trainer Olaf Weniger ist zufrieden, dass das Iglu gehalten hat. Sechs Monate hat es gedauert, Lage um Lage der Tapete zum Boot zu verkleben. „Für die Kids eine schöne Winterbeschäftigung“, so der Mann vom Marine-Club. Trotzdem reicht es beim Iglu nicht für den Sieg, denn das Aquarium hat dank seiner schönen Optik knapp die Nase vorn. Steffi Himmelblau bekommt den Pokal und einen Gutschein für eine Abenteuertour. „Wahrscheinlich auf der Paulshorster Straße“, witzelt Sven Alisch mit Blick auf das dortige Baustellen-Desaster. Zeitgleich bereiten sich etliche Teams auf die Kurzstreckenregatta auf dem Areal des Rheinsberger Rudervereins vor. Das Hafenfest – es ist das 19. – wird vom Heimatverein und allen Rheinsberger Wassersportvereinen getragen, Zugpferd ist neben der Pappbootregatta
auch das Kutterrennen. Bei allem Sport kommt die Kultur nicht zu kurz. Der Rheinsberger Männergesangsverein singt Seemannslieder. Der Kyritzer
Shanty-Chor zieht nach. Ob Modenschau für die Frau oder Hüpfburg und Trampolin fürs Kind – die Zeit bis zur abendlichen Geschwaderfahrt der Vereine lässt sich gut überbrücken. Zumal der Ruderclub dann noch einen Achter taufen wird. Etwas weniger Besucher als in den Vorjahren sind auf der
Promenade unterwegs. Die gute Laune ist indes geblieben.