Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
30.04.2015, 10:09 Uhr | MAZ - Westhavelländer 30.4.2015 / Norbert Stein

Teurer Papierkram
Mindestlohnbürokratie bereitet Ärger auf dem Spargelhof Spaatz

Spaatz – Das Wetter der letzten Tage lässt den Spargel derzeit etwas
langsamer wachsen. Dennoch ist Gabriele Feiler zufrieden mit dem Start in die Saison. „Die Ernte läuft gut an“, sagt die Chefin vom Spargelhof Spaatz. Ärger bereitet die Zusatzarbeit, die für Gabriele Feiler seit diesem Jahr anfällt. Jeden Tag sitzt sie eine Stunde länger am Schreibtisch, um den mit der Einführung des Mindestlohns verbundenen bürokratischen Papierkram
zu erledigen. Dazu bekommt Gabriele Feilers Ehemann, der Bundestagsabgeordnete Uwe Feiler (CDU), täglich Post. Um sich damit zu beschäftigen, besuchten Feilers Unionsfraktionskollege Sebastian Steineke und der stellvertretende Brandenburgische Landtagspräsident Dieter Dombrowski (CDU) den Hof. Der Mindestlohn an sich sei nicht die größte Hürde, so Gabriele Feiler. Missmut bereitet das Drumherum. Für die mit
dem Verkauf beschäftigten Mitarbeiter gilt ein Mindestlohn von 8,50 Euro. Die Arbeit auf dem Feld gehört zur Landwirtschaft, für die aktuell 7,20 Euro als verbindlicher Mindestlohn geregelt ist. Arbeit auf dem Feld bedeutet Spargel stechen.
Erledigt wird diese Arbeit in Spaatz von neun polnischen Saisonarbeitern.
So ist es schon immer gewesen. Gestochen wird der Spargel in Akkord. Bekommen haben die Spargelstecher dafür bisher einen Grundlohn plus Akkordzuschlag. Weil sie damit schon 2014 den nunmehr geltenden Mindestlohn verdient haben, soll daran auch nichts geändert werden. Weil sie aber auch die geleisteten Stunden nachzuweisen sind, muss Gabriele Feiler für die 7,20 Euro- Regelung nun doppelt Buch führen. Ausgezahlt bekommen die Saisonarbeiter den höheren Betrag. Damit aber nicht genug. Für die polnischen Saisonarbeiter muss sie für dieses Jahr drei Verträge
nachweisen. Einen Arbeitsvertrag, was normal ist. Dazu einen
Werkmietvertrag für Unterkunft und Logis auf dem Hof und einen Geldaufbewahrungsvertrag. Bisherige haben die Saisonarbeiter während der Erntezeit Abschlagszahlungen erhalten. Dieser Abschlag wurde am Ende der Saison mit dem Gesamtverdienst verrechnet. Dieses Verfahren ist
nicht mehr zulässig. Der Lohn muss monatlich gezahlt werden. „Gute und ehrliche Arbeit muss vernünftig entlohnt werden. Die mit der Einführung des Mindestlohn verbundene Bürokratie ist aber unerträglich“, sagte Dombrowski. Sebastian Steineke weiß, dass die Probleme auf dem Spargelhof auch in anderen Landwirtschafts- und Handwerksbetrieben
für Unmut sorgen. „Wir müssen Möglichkeiten der Abhilfe prüfen“, sagte er.
Der Spargelhof Spaatz rechnet damit, dass der Preis für Spargel sieben bis zehn Prozent über Vorjahresniveau liegt. Der Spargelhof Spaatz verkauft derzeit seinen Spargel je nach Qualitätssorte für einen Preis 9,90 und 5 Euro. Zur Hauptsaison wird der Preis sinken.