Neuruppin – Der Spagat ist nicht einfach, doch er gelingt: Seit 13 Jahren ist das Feuerlöschgerätewerk Neuruppin schon in der Hand des weltweit agierenden Konzerns Tyco, der rund 70 000 Mitarbeiter in mehr als 60 Ländern zählt und 2013 einen Umsatz von gut 10 Milliarden USDollars
gemacht hat. Gleichwohl gilt das Neuruppiner Werk als mittelständisches
Unternehmen. Mit seinen 130 Mitarbeitern produziert es jährlich mehr als
500 000 Feuerlöschgeräte – in den verschiedensten Kategorien. Sie sind gefüllt mit Pulver, einer Wasser-Schaum-Kombination oder mit CO2. Die neueste Entwicklung ist eine Wasser-Nebel-Technologie. „Damit löscht man, ohne dass man danach das ganze Mobiliar rausschmeißen und das Zimmer renovieren muss“, sagt Werkleiter Heiner Armbrüster. Der Diplomingenieur
stammt aus Bingen (Rheinland-Pfalz). Er hat lange im Rhein-Main-Gebiet gewohnt, leitet seit dreieinhalb Jahren das Werk in Neuruppin und ist vor zwei Jahren mit seiner Familie hergezogen. „Das macht auch nicht jeder“, betont
Sebastian Steineke. Der Neuruppiner CDU-Bundestagsabgeordnete schaute sich gestern erstmals in dem Werk um. Dieses hat eine lange Tradition. 1905, vor 110 Jahren, wurde es an den Ufern des Ruppiner Sees gegründet. Die Jahresproduktion lag damals bei 65 000 Feuerlöschern. Damit war das Werk, das damals Minimax hieß, Weltmarktführer. Nach dem Zweiten Weltkrieg teilten sich die Unternehmenswege: Minimax wurde in Westdeutschland neu aufgebaut, das Feuerlöschgerätewerk in Neuruppin verstaatlicht. Nach der Privatisierung 1992 zog die Produktionsstätte vom Ruppiner See nach Treskow
um, wurde 1997 erst Teil einer französischen Firma, ehe der Konzern Tyco das Neuruppiner Werk 2002 komplett übernahm.
Heiner Armbrüster ist auf das traditionsreiche Werk stolz. „Wir fertigen als einziger Löscherhersteller die Druckbehälter noch in Deutschland“, sagt Armbrüster. Das hat seinen Preis. Denn Konkurrenten lassen die Metallhülsen in Polen oder gar im asiatischen Ausland produzieren. Gleichwohl sind die in Neuruppin hergestellten Feuerlöscher gut nachgefragt. Zu den Kunden gehören etwa die Deutsche Bahn, Volkswagen, Siemens, die US-Armee, Vattenfall und BASF in Schwarzheide. „Die Kunden setzen auf Qualität“, sagt der Werkleiter. Zudem produziert das Neuruppiner Werk seine Löscher ebenfalls für andere Label, wie Total, Hansa oder Westhart in den Niederlanden. Voraussetzung ist lediglich, dass pro Jahr einige tausend der lebensrettenden Behälter bestellt werden. Dass diese aus der Fontanestadt kommen, das erkennen nur Experten. So freut sich Heiner Armbrüster, wenn er in eine H&M-Filiale geht. „Die Kette ist mit Total-Löschern ausgestattet, die hier in Neuruppin hergestellt wurden.“ Trotz des harten Wettbewerbs ist der Werkleiter optimistisch. „Wir wollen gesund wachsen.“ Dafür sieht Armbrüster durchaus Möglichkeiten in Neuruppin. Zunehmend
schwieriger wird es für den Betrieb jedoch, gute Arbeitskräfte zu finden – von Facharbeitern wie Schweißern bis hin zu Ingenieuren. „Das geht oft nur durch Abwerben“, sagt Armbrüster. Bisher bildet der Betrieb nicht selbst aus. Vielmehr setzt das Unternehmen auf die Dekra-Akademie für Qualifizierung, Schulung
und Fortbildung. Mit Erfolg.