Neuruppin – Kann die Umweltbegegnungsstätte Zippelsförde doch noch gerettet werden? Die Bündnisgrünen im Kreistag wollen es wenigstens versuchen. Deshalb soll der Kreistag Landrat Ralf Reinhardt (parteilos) anweisen, die Grundstücke, auf denen sich die Begegnungsstätte befindet, wieder an den Kreis zurückzuüberweisen. „Wir wollen Zippelsförde retten“,
sagte gestern Wolfgang Freese, Fraktionschef der Grünen. Der Landrat soll deshalb auch den Geschäftsführern der kreiseigenen Pro-Klinik-Holding jegliche Verkaufsbestrebungen untersagen. Denn Eigentümer der Umweltbegegnungsstätte ist seit drei Jahren die GZG, eine Tochter der
Klinik-Holding. Deren Geschäftsführer Matthias Voth hatte erklärt, dass für ein wirtschaftliches Betreiben der Umweltbegegnungsstätte ein jährlicher Zuschuss von 200 000 Euro nötig wäre. Hauptproblem sei, dass das denkmalgeschützte Haus und das Nebengebäude dringend saniert werden
müsste. Die Kosten dafür bezifferte Voth mit 1,8 Millionen Euro. Ob der Vorstoß der Bündnisgrünen eine Chance hat, ist offen. Ralph Bormann,
Chef der bunten Fraktion aus Bauern, Freien Wählern und FDP, glaubt nicht daran. Er wirft den Bündnisgrünen „DDR-Nostalgie“ vor. „Ich ärgere mich auch, wenn die Kliniken Zippelsförde verkaufen“, sagte Bormann. Aber nur, weil der Kreis von dem Erlös nichts habe. Zudem vermisst er eine Aussage,
wie die Bündnisgrünen Zippelsförde finanzieren wollen. „Wir haben doch ganz andere Baustellen“, so Bormann. Der Kreishaushalt müsse entlastet, die Kommunen dürften durch die hohe Kreisumlage nicht weiter belastet werden.
Das sieht Sebastian Steineke, CDU-Fraktionschef im Kreistag, ähnlich. „Eine Rückübertragung wird kaum funktionieren.“ Denn die finanzielle Situation der
GZG sei angespannt. Schon deshalb dürfe die Firma das Grundstück gar nicht verschenken, so Steineke. Die GZG, die Immobilien verwaltet und
Handwerker, Planer sowie Bauarbeiter beschäftigt, ist wirtschaftlich so stark angeschlagen, dass sie mit einer anderen Tochter der Klinik-Holding, dem Ruppiner Catering Service (RCS) fusionieren soll (die MAZ berichtete). CDU-Mann Steineke vermisst zudem ein tragfähiges Konzept für die
Umweltbegegnungsstätte. Indes glaubt der Rheinsberger Kreistagsabgeordnete Freke Over (Linke) durchaus an eine Chance für Zippelsförde. „Die Begegnungsstätte könnte ja auch an einen
anderen Träger übertragen werden, der dann Zuschüsse vom Landkreis erhält.“ Wer das sein könnte, das sagte Over nicht. Er verwies lediglich darauf, dass der Landrat im September gesagt habe, dass mit Zippelsförde nichts passieren werde, bevor der Kreistag darüber beraten hat. Dennoch
haben Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der Holding längst das Aus für Zippelsförde zum Jahresende beschlossen – im Beisein und mit Wissen von Landrat Reinhardt. Over ist kampfesmutig: „Es geht nicht, dass die Begegnungsstätte einfach sang- und klanglos verkauft wird.“